Der wiederentdeckte Saurier

Sensationeller Fund im zweiten Anlauf

Im Sommer 2008 kehrt der Paläontologe Jörn Hurum mit einem Team an einen besonderen Ort in Spitzbergen zurück. An dieser Stelle hat er ein Jahr zuvor die Überreste eines wahrscheinlich außergewöhnlich großen Sauriers entdeckt, konnte die Fossilien jedoch wegen eines Wettersturzes nicht mehr bergen. Dies wollen er und die elf anderen Wissenschaftler und Grabungsexperten nun nachholen.

Ausgrabungsteam auf Spitzbergen
Ausgrabungsteam auf Spitzbergen Quelle: ZDF

Auch im Sommer wird es in der Arktis nicht richtig kuschelig warm. Das Team sucht den Super-Dino in einer wahrlich widrigen und menschenleeren Gegend, beeinträchtigt von Temperaturstürzen, arktischen Stürmen und plötzlichem Schneefall. Selbst als die Forscher auf ein offenbar großes Teil eines Saurierschädels stoßen, wird die Freude schnell getrübt: Das Fragment liegt zum größten Teil im Permafrost und kann nur in mühevoller Kleinarbeit ausgegraben werden. Für Archäologen völlig untypisch: Statt mit Pinsel und Pinzette müssen sie im tief gefrorenen Erdreich schweres Gerät einsetzen wie elektrische Meißel und Spitzhacken.

Übergewichtiger Saurier

Sie müssen versuchen, die Schädelteile möglichst in einem Stück zu erhalten. Denn nur wenn sie den Kopf später rekonstruieren können, werden sie genau wissen, um welche Saurierart es sich handelt. Mit Gips schützen sie die Erde vor dem Auseinanderfallen. Stahlstücke verstärken zusätzlich die Außenseite. So liegen die Knochenteile des Schädels geborgen in einem Gipsmantel. Nach stundenlanger Plackerei ist das Schädelteil endlich freigelegt und bereit für den Abtransport.

Kolossales Fossil

Notwendig hierfür ist ein Lastenhelikopter, der bis zu vier Tonnen heben kann - Hurum ist aus Erfahrung vorsichtig geworden: In den 90er Jahren verlor er einen Saurier, der für den eingesetzten Hubschrauber zu schwer war und deshalb aus Gründen des Selbstschutzes vom Piloten fallen gelassen werden musste.
Der Rest der Mannschaft sammelt indes die etwa 20.000 Bruchstücke auf, die verstreut herumliegen. Die Forscher brauchen jeden noch so kleinen Knochensplitter, um das Fossil später zusammen setzen zu können. Die 150 Millionen Jahre alte Fracht wird schließlich per Schiff an Hurums Arbeitsplatz im Naturhistorischen Museum von Oslo transportiert. Was er und seine Kollegen draußen in Spitzbergen so sorgfältig verpackt haben, müssen sie jetzt mit Augenmaß und Vorsicht wieder auspacken. Dann beginnt die mühsame Arbeit des Zusammensetzens.

Dass es sich wirklich um einen Meeressaurier handelt, steht bald außer Frage. Die Ausmaße der Fossilien legen den Schluss nahe: Es ist ein Pliosaurier, von gigantischer Größe; wie groß tatsächlich, wird erst die wissenschaftliche Rekonstruktion der Fundstücke ergeben. Das Zusammensetzen aller Teile wird Monate, wenn nicht Jahre dauern.

T. Rex und Wale übertroffen

Die schwierigste Arbeit ist jetzt, die Tausende Knochenstücke aneinanderzufügen. Hurum hat dafür ein ganzes Team eingekauft, das schnell einen ersten Erfolg verbuchen kann: Ihnen gelingt es, einen wichtigen Schädelknochen zusammenzukleben. Der "Kondylus" befindet sich bei allen Wirbeltieren - vom Fisch bis zum Menschen - zwischen Schädel und Wirbelsäule. Seine Größe lässt eindeutige Rückschlüsse auf die Gesamtkörpergröße zu.

Der Kondylus des Pliosaurus ist zweimal so groß wie der eines T. Rex. Dieser Befund und die bereits verklebten kleineren Knochen lassen auf die Länge des Reptils schließen: Es misst mehr als 15 Meter, sechs mal mehr als ein T. Rex! Doch die wahre Überraschung ist das Gewicht: 45 Tonnen. Die aus Knochenstücken zusammengeklebten Flossen übertreffen selbst die der größten Wale.

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