Deutsch-türkischer Techniktraum

Großmachtinteressen führten vor 100 Jahren zu einem kühnen Bauvorhaben

Doch nicht nur Entdeckungen aus der Antike sind in Saudi-Arabien zu machen, denn die arabische Halbinsel stand vor mehr als 100 Jahren im Blickpunkt von Großmacht-Interessen. Sie führten zu einem der kühnsten Bauvorhaben der damaligen Zeit. 1901 verlegten Arbeiter erste Schienen für die Hejazbahn in Richtung Medina.

Gleisarbeiten Hejazbahn Quelle: ZDF

Noch heute beeindrucken die Überreste der alten Eisenbahnstrecke, die damals der Weihrauchstraße folgte, dem Jahrtausende alten Verkehrsweg. Die Schienen sind längst herausgerissen, die Bahn-Stationen stehen aber noch immer. Relikte eines Mammut-Projektes, erbaut von deutschen Architekten.

Verlassenes Gebäude an der Hejazbahn Quelle: ZDF

Wie ein Freilichtmuseum

Die Hejazbahn sollte als Abzweig der legendären Bagdadbahn Pilger nach Mekka und Medina befördern. Wie ein gigantisches Freilichtmuseum liegen die verlassenen Gebäude in der saudischen Wüste verstreut. Die Strecke wieder in Betrieb zu nehmen, scheitert an den horrenden Kosten. Was bleibt, sind Trümmer eines deutsch-türkischen Bahn-Traumes, der 1889 begann.

Damals herrscht das Osmanische Reich über das Gebiet zwischen Persischem Golf und Schwarzem Meer. Bei einem Besuch in Konstantinopel sagt Kaiser Wilhelm II. Sultan Abdülhammid massive Hilfe des Deutschen Reiches beim Bau der Bagdadbahn zu. Deutsche Banken finanzieren den politisch bedeutsamen Großauftrag, der Leipziger Chefingenieur August Heinrich Meissner dirigiert eine technische Pionierleistung. Fabriken in Deutschland produzieren Lokomotiven und Schienen, die in den Orient verschifft werden.

Lokomotive wird verschifft Quelle: ZDF

Politischer Konflikt

Die Bahnlinie eröffnet den Türken einen schnellen Verkehrsweg in die arabischen Teile ihres Reiches. In Damaskus zweigt die 1300 Kilometer lange Teilstrecke nach Medina ab: Den gleichen Weg nahmen einst die Karawanenhändler - vorbei an Tayma. Doch die Hejazbahn gerät ins Kreuzfeuer eines politischen Konflikts. Durch das deutsche Engagement im Orient sehen die Briten ihre Kolonialinteressen gefährdet.

Thomas Lawrence Quelle: ZDF

Der Offizier und Archäologe Thomas Lawrence mobilisiert arabische Nomadenstämme zu einem Guerillakrieg gegen die Bahnstrecke. Die Einheimischen rüsten sich zum Kampf gegen die Hejazbahn. Unterstützt von bewaffneten Beduinenstämmen beginnt der Mann, der als "Lawrence von Arabien" in die Geschichte eingehen wird, den Betrieb der Linie zu sabotieren. Eine Serie von Sprengstoff-Anschlägen zerstört die Schienenstränge. Nach nur wenigen Jahren zerbricht die große Verkehrs-Vision der Osmanen.

Scheinbar intakt

Unter dem saudi-arabischen Himmel verrotten die Relikte eines deutsch-türkischen Technik-Traumes: Eisenbahnwaggons, made in Breslau. In der alten Wartungshalle steht noch eine Lokomotive, die damals nicht eingesetzt wurde und daher von den Angriffen verschont blieb. Scheinbar intakt - so, als könne sie jeden Moment auf die Reise gehen. Doch seit 90 Jahren ist sie ein Museumsstück.

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