Dialoge, Animationen und Nachbauten

Making Of und Stabliste der Reihe "Tag X"

Dramatische Ereignisse erfordern eine dramatische Umsetzung. Für die aufwändige Produktion standen Hunderte von Statisten vor der Kamera, zentrale Momente wurden mit Dialogen der historischen Ak-teure umgesetzt. Um die Geschichte anschaulich und spannend zu erzählen, waren auch umfangreiche Szenenbauten notwendig.


DialogeFlühe, Befehlshaber der Garde: "Wollen Sie etwa kapitulieren? Wir haben doch alles unter Kontrolle. Wir haben Waffen, Pulver und Kanonen. Wenn Sie kapitulieren, wird der König Sie auf das Schafott bringen. Es ist Ihre Pflicht zu kämpfen, Ihre Pflicht als Gouverneur!"

De Launay, Gouverneur der Bastille: "Ich habe keine Wahl. Ich kann doch keinen Krieg gegen die Bürger von Paris führen. Es sind französische Bürger. Sie haben den Tod nicht verdient. Ich habe keine Wahl. Überbringen Sie die Kapitulation."

Schlüsselmomente in Dialogform

So könnte sich der Augenblick der Entscheidung um die Bastille abgespielt haben. Diese Szene steht exemplarisch für den neuen Stil der Doku-Reihe "Tag X". Die Dramaturgie des Tages wird nicht nur in aufwändig gestalteten Szenen rekonstruiert. Erstmals werden darin auch Schlüsselmomente in Dialogform umgesetzt. Neben dem erläuternden Kommentar und der Ich-Erzählung historischer Augenzeugen treiben die Dialoge der Akteure die Handlung voran.


Die Vorteile dieser konsequenten Weiterentwicklung der klassischen Dokumentation hin zum Doku-Drama liegen auf der Hand. Der Zuschauer wird dichter an das Geschehen geführt. Der Dialog transportiert nicht nur Information, sondern auch Emotion. Statt eines szene- und personenbeschreibenden Off-Kommentars schafft der Dialog kurz und knapp unmittelbares Verständnis für die Situation. Die Dramatisierung eröffnet so die Möglichkeit, das Tempo des Filmes zu variieren, ohne den Zuschauer zu überfordern.

Größtmögliche Annäherung

Das internationale Cast machte es notwendig, sämtliche Dialogszenen im Studio zu synchronisieren. Die Textvorlagen der Autoren basieren auf Augenzeugenberichten und stellen somit die größtmögliche Annäherung an die historische Situation dar.


3-D-Animationen 61 Tage belagerten die Türken die Festungsstadt Wien. Sie war, so schien es, nicht zu knacken. Erst die dreidimensionale Computeranimation der Befestigungsanlagen, des Tunnelsystems der türkischen Maulwürfe, der Sprengkammern und der explodierenden Minen zeigt, wie nahe Wien vor der Eroberung stand. Für den Film wurden die Festungsanlagen und der unterirdische Minenkampf nach alten Karten und Plänen rekonstruiert und visualisiert.

Mit hohem Erkenntniswert



So sagen noch heute Strategen, Kara Mustafa hätte am 12. September 1683 sämtliche Truppen von der Löbel-Bastei abziehen und den Alliierten entgegen werfen müssen. In der Computeranimation wird aber deutlich, dass es nicht falsch von ihm war, alles auf eine Karte zu setzen und die Löbel-Bastei zu erstürmen. Denn ihre Sprengung war nur noch eine Frage von Stunden. Wien hätte dann den Türken offen gestanden. Und ein jeder "vom Größten bis zum Kleinsten" wäre "über die Klinge gesprungen". So jedenfalls hatte es Kara Mustafa angedroht. Die Zeit lief aber gegen ihn. Wien konnte gerade noch im letzten Moment von den christlichen Alliierten befreit werden.

Grundlage der so aufwändigen wie wissenschaftlich genauen 3-D-Animationen ist ein CAD-Modell, wie es auch Autobauer und Architekten als Konstruktionshilfe und zur Präsentation ihrer Entwürfe erstellen. Sie wurden in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl "CAD in der Architektur" der TU-Darmstadt produziert.

Rekonstruiert und animiert

Auch die Bastille wurde erstmals nach alten Plänen und Stichen re-konstruiert und animiert. Diese Computergrafiken veranschaulichen die Hindernisse des Sturms auf die "Zwingburg der Despotie" und warum die Furcht der Menschen vor den Kanonen auf ihren Zinnen eine so große Rolle spielte. Die Anwohner von St. Antoine glaubten, der Kommandant der Bastille könne ihr Viertel in Schutt und Asche legen.

Auch Folgendes legt die 3-D-Animation der Bastille offen: Am 14. Juli 1789 war die Bastille ein Luxusgefängnis für ganze sieben Häftlinge: Kriminelle, Scheckbetrüger, Mörder und Vergewaltiger. Es gab keine unterirdischen Verließe, wie die Pariser glaubten, in denen der König Hunderte von politischen Gefangenen quälen und vermodern ließ. Ein "produktiver" Irrtum, der zum besonderen, geschichtsverändernden Wut- und Wuchtpotential der Revolution beitrug.

Die Hauptdarstellerin fehlt


Bauten und CGI: Kaum war am Abend des 14. Juli 1789 der Sturm auf die Bastille vorbei, begann ein findiger Bauunternehmer auch schon mit ihrem Abbruch. Für die Belagerer Grund zur Freude, für das Filmteam ein Problem: ein Doku-Drama mit aufwändigen Inszenierungen ohne ihre Hauptdarstellerin, die Bastille. Auch die Befestigungsanlage in Wien, einst Schauplatz der Kämpfe zwischen Wienern und Türken, ist heute nur noch als Ringstraße zu erkennen. Und die Aztekenstadt Tenochtitlan ist längst überbaut von Mexico City, eine Millionen-Metropole, die heute darum ringt, die Relikte ihrer Vergangenheit dem modernen Mexiko zugänglich zu machen.



Doch für alle drei Hauptschauplätze der Reihe "Tag X" haben sich Pläne, Karten und Grundrisse erhalten. Alte Stiche, Gemälde und Zeichnungen geben einen Eindruck davon, wie Tenochtitlan, die Bastille in Paris oder die Wiener Verteidigungsanlage einmal ausgesehen haben und halfen, die dramatischen Ereignisse zu rekonstruieren. So konnten für den Dreiteiler mit großem Aufwand die historischen Kulissen nachgebaut werden. Auf der grünen Wiese entstanden für den zweiten Teil "Die Türken vor Wien" nicht nur 25 Meter Wiener Verteidigungsanlage, mit einer Höhe von zehn Metern, sondern auch die Laufgräben der Türken, auf einer Länge von 30 Metern. Auch die Zugbrücke und das Tor der Bastille, um die sich am 14. Juli 1789 alles drehte, wurden für die Filmarbeiten originalgetreu nachgebaut.

Lebendiger Eindruck

Abschließend wurde mit dem Matte-Painting-Verfahren das gedrehte Videomaterial ergänzt. Bei diesem Verfahren werden fotorealistische Ansichten digital erstellt und in den Hintergrund eingesetzt. Seien es die gewaltigen Türme der Bastille, das Panorama von Wien oder die Tempel der Aztekenstadt Tenochtitlan - mit Hilfe von Matte Painting bekommt der Zuschauer einen lebendigen Eindruck der einstigen Brennpunkte der Weltgeschichte.

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