Dichtung oder Wahrheit?

Forscher suchen den realen Kern der Argonauten-Sage

Die abenteuerliche Fahrt Jasons auf der Suche nach dem Goldenen Vlies zählt zu den berühmtesten Mythen der griechischen Antike. Die dramatische Story hat alles, was auch ein moderner Krimi braucht: Spannung, Action, Intrigen und Erotik. Doch was ist dran an verschiedenen Meldungen, hinter dem Heldenepos verberge sich der Bericht über eine wahre Begebenheit?

Vor etwa 3400 Jahren in Griechenland entstanden, beschäftigt der Mythos die Menschen bis heute. Mehrere Autoren der Antike, allen voran Apollonius von Rhodos und Homer, haben die sagenhaften Geschehnisse beschrieben oder zumindest erwähnt. Die bekannteste moderne, allerdings etwas eigenwillige Bearbeitung hat Ray Harryhausen 1963 in Hollywood produziert.

Versunkenes Jolkos

Jason stammte aus Jolkos in Thessalien. Nach jahrelanger Suche haben Archäologen die sagenumwobene Stadt am Rande des heutigen Volos in Nordgriechenland entdeckt. Die freigelegten Ruinen stammen aus mykenischer Zeit, zu der Jason gelebt haben könnte. Sie stimmen mit Homers Angaben überein. Mit Hilfe moderner Verfahren wie dem "underground scanning" rekonstruieren die Forscher den Ort.

Die Siedlung besaß einst einen blühenden Hafen. Ein großer Damm führte vom Meer zum königlichen Hauptbezirk. Eine Besonderheit innerhalb des Palastkomplexes bilden die typischen bienenkorbartigen Gräber. In ihnen fanden die Angehörigen mykenischer Herrscherfamilien ihre letzten Ruhestätten - reich ausgestattet mit Beigaben. Gelegentlich fördern die Wissenschaftler noch Stücke aus Gold ans Tageslicht.

Fernes Goldland

Viele Spezialisten glauben inzwischen, Jason und seine Argonauten seien keine reinen Sagengestalten, sondern historische Personen oder hätten zumindest solche zum Vorbild. Einige Forscher meinen sogar, der ausgeschmückten Schilderung vom Vorstoß nach Kolchis und der Rückführung des Goldenen Vlieses liege eine schlichte, wenn auch sehr bedeutsame Geschäftsbeziehung zugrunde.


Gold ist in Griechenland selten. Es musste immer importiert werden. In Georgien hingegen waschen die Menschen noch heute Gold mit Schaffellen aus dem Sediment von Bächen und Flüssen. Der Verdacht liegt nahe, dass Jason eher sprachgewandter Handelsbevollmächtigter in Sachen Goldtransfer als heroischer Königssohn war. Vermutlich ist ihm in dieser Funktion ein großer Coup gelungen, der zum Mythos um das Goldene Vlies hochstilisiert wurde.

Ware gegen Gold

Was hat Jason als Tauschware mitgeführt? Sein Name und Funde entsprechender Fläschchen und Vasen in den Vorratskammern des Palastes lassen Arzneien als Gegenwert vermuten. Jason bedeutet "Heiler". Schon als Knabe hat er von dem ihn behütenden Centauer medizinische Grundkenntnisse erfahren. Als weitere Tauschobjekte kommen Schaffelle in Frage - in Griechenland damals ein Massenartikel und in Kolchis dringend benötigt.

Die prinzipielle Möglichkeit, mit einem Schiff, wie es Homer und Kollegen beschreiben, von Griechenland nach Georgien zu fahren, hat der Schiffforscher Tim Severin überprüft. Seine "Argo II" war zwar deutlich kleiner als Jasons Argo für 50 Ruderer. Dennoch haben Tim Severin und seine neuzeitlichen Argonauten die Strecke nach drei schweißtreibenden Monaten geschafft. Vieles spricht also dafür, dass der Skipper aus Jolkos mit seinen Männern keine reinen Kunstfiguren antiker Schriftsteller sind.

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