Die "African Association"

Forschungsreisende öffnen den Blick Europas auf Inner-Afrika

Zwölf einflussreiche Männer gründen am 9. Juni 1788 in London einen Verein. Ihr Ziel: Die Erforschung und Erschließung des Inneren Afrika. Nach Verlust der amerikanischen Kolonien sucht Englands Wirtschaft neue Ziele. Noch sind weite Regionen Afrikas weiße Flächen auf den Karten der Geographen.

Schachtel mit Unterlagen der African Association
Schachtel mit Unterlagen der African Association Quelle: ZDF

Die St. Albans Tavern in London gilt in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts als Treffpunkt wichtiger Persönlichkeiten. Man speist gemeinsam und lässt sich dabei durch Vorträge über die aktuelle Weltlage unterrichten, um anschließend darüber zu debattieren. Afrika ist ein Thema, das brennend interessiert. Reiseberichte erzählen vom Reichtum alter Handelsmetropolen südlich der Sahara.

Forscher im Dienst der Association

Das sagenhafte Timbuktu lockt mit Elfenbein, Gold und Diamanten. Ein lohnendes Ziel beflügelt die Gesellschaft: Englische Waren für die Märkte Afrikas sollen neue Ströme des Goldes nach London leiten. Die African Association ist ein Verein, der Wege erkunden und ebnen soll, dies Ziel zu verwirklichen.

Dem Vorstand gehören bekannte Parlamentarier an und berühmte Wissenschaftler. Schatzmeister wird Joseph Banks. Der Botaniker ist Chef der königlichen Gärten. Er begleitete den Entdecker James Cook auf seiner ersten Weltreise von 1768 bis 1771. Wie andere Mitglieder der Association ist er erklärter Gegner der Sklaverei und pflegt internationale Kontakte zu gleich Gesinnten wie dem deutschen Naturforscher Georg Forster und dem Anatom und Anthropologen Johann Friedrich Blumenbach, der an der jungen Universität zu Göttingen lehrt. Eine Empfehlung Blumenbachs hat bei Joseph Banks in London Gewicht. Friedrich Konrad Hornemann bricht 1797 aus Göttingen im Auftrag der African Association nach Afrika auf. Ihm folgt 1806 Johann Ludwig Burckhardt.

Das Innere des schwarzen Kontinents

Burckhardt überzeugt die African Association (Spielszene)
Burckhardt überzeugt die African Association (Spielszene) Quelle: ZDF

Im Norden versperren muslimische Staaten für Europäer den Weg ins Landesinnere. Die Westküste Afrikas beherrschen seit Jahrhunderten die Portugiesen. Sie halten die alten Hafenorte besetzt. Auf der Suche nach Gold drangen sie weit ins Hinterland vor und zerstörten die gewachsenen Kulturen der Einheimischen. Der Sklavenhandel ist im 18. Jahrhundert die Geißel der Afrikaner und das große Geschäft ihrer Herren. Doch die Welt ist im Umbruch: Die African Association in London finanziert wagemutigen Forschungsreisenden riskante Ein-Mann-Expeditionen um ihren Förderern gesicherte Informationen aus erster Hand zu beschaffen. Der Nahe Osten, Westafrika und besonders der Niger sind ihre ersten Ziele.

Route Park
Route Park Quelle: ZDF

Ihren ersten bei den Expeditionen 1888/1889 verdankt die Association den Hinweis, dass ein möglicher Weg nach Timbuktu die alte Karawanenstrasse ist, die von Nubien aus vom Oberlauf des Nils die Sahara durchquert. Es folgen drei Aufsehen erregende Unternehmungen, die den Lauf des Nigers von der Westküste ins Landesinnere erkunden und letztlich tragisch enden. Doch können sie den Nachweis erbringen, dass der zunächst nordöstliche Verlauf des Flusses nahe der Stadt Timbuktu nach Süden abbiegt und vermutlich zum Atlantik führt. Damit schwindet die Hoffnung, den Niger als schiffbare Verbindung zur Durchquerung Afrikas von Westen nach Osten nutzen zu können.

Erfolg durch Verständigung

Der Göttinger Karl Friedrich Hornemann überzeugt das Komitee um Joseph Banks mit dem Plan über Kairo Anschluss an eine Karawane zu suchen, die ihn durch die Sahara an den Niger und nach Timbuktu führen soll. In Kairo gerät der Forscher in die Wirren von Napoleons Ägyptenfeldzug. Doch gelangt er auf dem Landweg an den Rand der Sahara und kann von Tripolis aus wertvolle Nachrichten nach London übermitteln. Danach verliert sich seine Spur in der Wüste.

Route Hornemann
Route Hornemann Quelle: ZDF

Johann Ludwig Burckhardt kennt die Berichte seiner Vorgänger und nimmt die Fährte Hornemanns auf. Als Kaufmann und Muslim indischer Herkunft getarnt reist er über Aleppo in Syrien ein und erreicht Kairo auf dem Landweg. Unterwegs arbeitet er an seiner Verwandlung in einen Muslim und erforscht die Gegend durch die er reist.

Burckhardt gelingt die Wiederentdeckung der alten Wüstenmetropole Petra. Eine Sensation, die ihm weitere Unterstützung aus London sichert. Mehrfach versucht er von Kairo aus entlang des Nils bis Nubien zu gelangen, dem Ausgangspunkt der sagenhaften Handelsroute durch die Wüste. Er entdeckt den versunkenen Tempel von Abu Simbel und erreicht als frommer Pilger Mekka. Seine geheimen Berichte enthalten wertvolle Informationen, die helfen, die Landkarten der Region zu verbessern. Burckhardts früher Tod in Kairo verhindert, dass er sein Ziel, Timbuktu, erreicht.

Die African Association besteht bis 1831. Der Zusammenschluss mit der neu gegründeten Royal Geographical Society schafft eine neue Basis für die wissenschaftliche und politische Eroberung des Schwarzen Kontinents.

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