Die Argonautensage des Apollonius

Jasons heldenhaftes Leben endet im Desaster

In der Herzog-August-Bibliothek von Wolfenbüttel liegt eine Abschrift der sagenumwobenen Geschichte von den Argonauten. Weltweit existieren nur fünf vollständige Exemplare. Sie gehen auf das verschollene Manuskript des griechischen Dichters Apollonios aus dem 3. Jahrhundert vor Christus zurück. Nach damaliger Vorstellung war die Erde eine Scheibe, umgeben von einem Ringfluss und blutrünstigen Ungeheuern. Dorthin vorzudringen, kam einem Himmelfahrtskommando gleich.

Argonautika in der Herzog August Bibliothek
Argonautika in der Herzog August Bibliothek Quelle: ZDF/Rüdiger Kortz

Alles beginnt mit einem Orakelspruch. Es geht um die Macht im Königreich Thessalien. Ein Priester übermittelt König Pelias die warnenden Worte einer Seherin. Die heilige Frau weiß um das Schicksal des Herrschers. Pelias muss um den Thron fürchten, den er seinem Bruder vor langer Zeit entrissen hat. Vor einem Einschuhigen soll sich der Monarch, der in der griechischen Hafenstadt Jolkos residiert, hüten.

Pelias' List

Göttermutter Hera greift in Gestalt einer Greisin ins Geschehen ein. Sie bittet Pelias' Neffen Jason, ihr bei der Überquerung eines Baches zu helfen. Dabei verliert der junge Grieche einen Schuh. Mit dem vermeintlichen Missgeschick des Prinzen erfüllt sich die Prophezeiung des Orakels. Als Jason vor seinen Onkel tritt, sieht der Monarch sofort, wen er vor sich hat. Entschlossen greift Pelias zu einer List. Er verspricht seinem Neffen den Thron, wenn er das Goldene Vlies vom Ende der Welt in die Heimat zurückholt. Eine Reise ohne Wiederkehr, wie der König glaubt.

In Jolkos bereiten sich Jason und seine Gefährten auf das Abenteuer ihres Lebens vor. Für das Unternehmen hat der Held das größte Schiff seiner Zeit zimmern lassen: die Argo, benannt nach ihrem Baumeister. Die Besatzung stellen etwa 50 Adlige aus dem ganzen Land. Den Anführer begleiten unter anderem auch Herakles, Orpheus, Kastor und Pollux. Jeder aus der Mannschaft muss sich durch besondere Fähigkeiten auszeichnen, um das Schiff sicher zu navigieren und anstehende Gefahren zu meistern. Von Jolkos durch die nördliche Ägäis, die Dardanellen und den Bosporus bis zu den Goldminen am Schwarzen Meer müssen die Pioniere 1200 Seemeilen bewältigen.

Gefährliche Bosporus-Durchquerung

Das erste Hindernis, die Dardanellen, passieren die Argonauten ohne Zwischenfall. Doch vor ihnen steht mit der Durchquerung des Bosporus eine noch größere Herausforderung - König Pelias rechnet damit, dass Jason dort den Tod findet. Von zwei zusammenschlagenden Felsen, von turmhohen Wogen und reißenden Strudeln berichtet der Mythos. Trotzdem gelingt den mykenischen Helden mit Hilfe einer Taube das Kunststück. Bevor die Felsen wieder zusammenschlagen, kann der Vogel hindurchfliegen. Für die Argonauten das erlösende Zeichen: Der Weg ist frei. Beim Zurückprallen der Steinwände gelingt es den kühnen Männern, die Argo blitzschnell hindurchzusteuern. Apollonios schreibt die Leistung der Schutzgöttin Athene zu. Sie verleiht Jasons Schiff den rettenden Schub.

Nach dem glorreichen Sieg über die Elemente nimmt die Argo Kurs auf das Land Kolchis. In Etappen rudert die Mannschaft entlang der Küste. Die Gefährten wollen in die Hauptstadt am Fluss Phasis. Jason und seine Männer erreichen sicher ihr Ziel. Kolchis kommt ihnen vor wie ein Schlaraffenland - mit blühenden Gärten, üppigen Früchten und Brunnen, aus denen der Wein in Strömen fließt. Doch in Kolchis steht Jasons Leben und das seiner Kameraden erneut auf dem Spiel. Der Auftrag, das Goldene Vlies aus dem Hain des Königs Aietes zu rauben, birgt ein hohes Risiko. Denn ein furchterregender Drache soll das heilige Widderfell bewachen.

Schwere Prüfungen in der Kolchis

Am Morgen nach der Ankunft in Phasis tritt Jason vor den König und seine Familie. Der Herrscher wundert sich über den Fremdling im Reich am Ende der Welt. Als der Grieche das Goldene Vlies fordert, erkennt der Monarch die drohende Gefahr. Denn wenn er das Widderfell verliert, ist sein Leben verwirkt, wie ein Orakel weissagte. Aietes verspricht dem Eindringling das Goldene Vlies, wenn er eine schwere Aufgabe löst: Jason soll die wilden Stiere des Gottes Hephaistos vor einen Pflug schirren und ein großes Feld umpflügen. In die Furchen soll er die Zähne eines Drachen säen, aus denen eiserne lanzenbewehrte Riesen erwachsen. Diese gilt es, im Kampf zu besiegen.

Eigentlich eine unerfüllbare Bedingung. Doch Medea, die schöne Tochter des Regenten, verliebt sich in den strahlenden Helden aus dem fernen Thessalien. Das Mädchen beschließt, dem Besucher aus Jolkos zur Seite zu stehen. Dank Medeas Zauberkraft und entscheidenden Tipps meistert Jason die übermenschlichen Prüfungen. Während die Argonauten ihm zujubeln, wagt Medea nicht, ihre Freude zu zeigen. Denn noch ahnt ihr Vater nichts von der Liebesbeziehung und den Hilfestellungen. Als sich der König trotz der erfüllten Bedingung weigert, das Fell herauszugeben, setzt Medea alles auf eine Karte: Wenn der Grieche sie zur Frau nimmt, hilft sie ihm, das kostbare Fell zu rauben.

Mit Medeas Zauberkräften zum Thron

Jason und Medea kämpfen um das Goldene Vlies
Jason und Medea kämpfen um das Goldene Vlies Quelle: ZDF

Des Nachts schleichen Medea und Jason zur heiligen Stätte. Noch einmal muss die junge Frau ihre magischen Kräfte unter Beweis stellen. Rund um die Uhr wacht der schlaflose Drache über den verbotenen Ort. Mit süßem Gesang ruft die Königstochter die Götter des Schlafes an, das Ungeheuer einzulullen. Als der Leib des Monsters schwer zu Boden sinkt, sprengt ihm Medea noch einen wirksamen Zaubertrank in die Augen. Noch in derselben Nacht eilen Jason und Medea mit dem kostbaren Schatz zu den Gefährten auf der Argo. Gemeinsam treten die Seefahrer die Flucht in die ferne Heimat nach Thessalien an. Ruhm und Ehre sind den mutigen Pionieren gewiss. Doch wieder benötigt er die Hilfe von Medeas Zauberfähigkeiten, da sich König Pelias weigert, den Thron seinem Neffen zu überlassen.

Die Freude im Regierungspalast in Jolkos währt nur kurz, denn der Sohn des verstorbenen Königs Pelias vertreibt die beiden aus dem Land. Jason und Medea fliehen nach Korinth, zeugen zwei Kinder, und leben lange in glücklicher Ehe. (Wäre dies ein Märchen der Gebrüder Grimm, wäre hier Schluss, doch griechische Sagen nehmen selten ein gutes Ende.) Das friedliche Familienleben ändert sich schlagartig, als Jason sich der schönen Tochter des Korintherkönigs zuwendet. Medeas Rache ist fürchterlich: Erst tötet sie die Rivalin, dann ihre beiden Söhne, um den untreuen Gatten jeglichen Trosts zu berauben. Als Medea sich auf der Flucht in einem drachenbespannten Wagen in die Lüfte erhebt, stürzt sich Jason in auswegloser Verzweiflung in sein eigenes Schwert.

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