Die Bauern kommen

Mildes Klima lockt neue Bewohner

Vor 10.000 Jahren gibt es in Europa Urwälder so weit das Auge reicht. Nur ein paar Jahrtausende zuvor fegten noch eisige Stürme von den Gletschern über baumlose Tundren. Jetzt lockt Europas mildes Klima immer neue Einwanderer: Waldbewohner und Bauern.

Die dichten Wälder sind zwar unwegsam, doch entlang der Ufer der zahllosen Flüsse und Seen dringen Jäger und Sammler immer tiefer in diese grüne Wildnis vor.

Eine neue Welt

Von den Küsten des Kontinents folgen die Menschen den Mäandern von Rhein und Donau, Rhône und Themse. Angelockt vom Fisch- und Wildreichtum und einer üppigen Vegetation. Europas Gesicht hat sich in wenigen Jahrtausenden völlig gewandelt. Verschwunden sind die Mammut- und Rentierherden, die Tausende von Kilometern weit über offenes Land zogen. Im dichten Unterholz ist wenig Raum für große Tiere, ihre Zahl ist zurückgegangen. Sie leben nicht in großen Herden, sondern ziehen eher als Einzelgänger oder in kleinen Verbänden durch den Wald. Dennoch wimmelt es von Leben.


Um Wild zu erlegen, schaffen die Menschen der Steinzeit überall kleine Waldlichtungen, aber der Mensch ist hier nicht der einzige Jäger. Schon früh zeigt sich, was bis in die heutige Zeit unser Verhältnis zu den Wildtieren prägt: Konkurrenz. Jeder nutzt seinen Vorteil: der eine effektiv konstruierte Waffen, die anderen die Macht der Überzahl.

Gemeinsames Interesse

Damals sind Erfolg und Misserfolg der Konkurrenten noch weitgehend gleich verteilt. Das sollte sich im Laufe der folgenden Epochen grundlegend ändern. Bei aller Konkurrenz haben Mensch und Raubtier damals doch ein gemeinsames Interesse: Sie müssen Beute machen, um satt zu werden. Aus diesen vorsichtigen Annäherungen entsteht ein neuer Zugang zur Welt: die Zähmung wilder Natur.


Während Jäger und Sammler das grüne Herz Europas durchstreifen, beginnt im Südosten eine neue Ära. Sie wird das Gesicht des gesamten Kontinents für immer prägen. Vor rund 8.000 Jahren machen sich Europas erste Bauern an die Arbeit und kultivieren Inseln und Küstenstriche des östlichen Mittelmeeres. Sie breiten sich aus, von Insel zu Insel, von Bucht zu Bucht. Immer auf der Suche nach fruchtbarem Boden. Sie bringen Ackerpflanzen mit, Werkzeuge und Haustiere. Eine bereits bewährte bäuerliche Kultur, entwickelt über Jahrtausende in Mesopotamien, einer der Wiegen der Zivilisation.

Erste große Revolution

Damit erreicht Europa die erste große Revolution. Die Bauern der Jungsteinzeit verändern ihre Umwelt radikal: Auf großen Flächen weichen Hunderte von Wildpflanzenarten einigen wenigen Kulturpflanzen: Emmer-Weizen, Gerste, Hafer und Ölbaum. Wären unsere Vorfahren Jäger und Sammler geblieben, würden die Urwälder Europas vielleicht noch heute stehen. Nun aber ist die Saat der Veränderung gesät. Die Landwirtschaft ernährt hundertmal mehr Menschen als die Jagd. Es gibt Nahrungsvorräte: die Menschen werden sesshaft.

Die Bevölkerung Europas wächst zehnmal schneller als je zuvor. Die dichten Wälder machen zusehends Feldern Platz. So sind es zum ersten Mal in der Geschichte des Kontinents nicht große geologische oder klimatische Umwälzungen, die den Wald zum Verschwinden bringen, sondern der Mensch.

Pferde verändern die Welt

Auf den Steppen des Ostens nutzen die frühen Siedler eine weitere revolutionäre Quelle der Zivilisation: Wildtiere, die sich leicht zähmen lassen. Pferde werden die Welt verändern. Aus dem mittleren Osten bringen wiederum die ersten Bauern Ziegen und Schafe mit nach Europa. Zusammen mit dem Ackerbau sorgen diese Tiere dafür, dass der Wald auf den gerodeten Flächen nicht wieder hochkommt. Von den Küsten des Mittelmeers breitet sich die neue Lebensweise über den ganzen Kontinent aus. Ihr Vormarsch ist nicht aufzuhalten.

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