Die Bergung der versunkenen Fracht

Nach über 60 Jahren wird der Inhalt eines Fasses überprüft

Auf dem Grund des Tinnsees im Süden Norwegens, am Fuß des Kraftwerks Norsk Hydro, sollen in 430 Meter Tiefe über 50 Fässer mit Schwerem Wasser liegen, die einzigen unerforschten Zeugnisse des deutschen Atomprojekts.

Ein norwegisch-amerikanisches Forscherteam wagt sich an die Erkundung der versunkenen Fracht. Mehr als 60 Jahre sind vergangen, seit Atomphysiker und Militärs dem Schweren Wasser hinterher jagten. Brett Phaneuf ergatterte jetzt die Genehmigung, eines jener Fässer zu bergen, die einst mit der Fähre Hydro untergingen.

Große Herausforderung

Der Tinnsee ist einer der tiefsten Seen der Welt. Trotz Ausrüstung mit Unterwasser-Robotern ist dies selbst für das erfahrene Team eine Herausforderung. Um Lecks in den Ölpipelines der Nordsee aufzuspüren, konstruierten die Norweger Spezial-Roboter mit Kameras. Das Forscherteam rechnet nicht mit einer langen Suche nach den Fässern. Sie liegen mit dem Wrack der Hydro auf dem Grund des trüben Gewässers. Die Fähre war ein großes Schiff, und die Koordinaten des Untergangs sind kein Geheimnis.

Aufmerksam beobachtet das Team das beleuchtete Areal. Zunächst ist nicht viel zu sehen, doch dann fängt das Objektiv die vier Fenster der Brücke ein. Langsam tastet sich das Vehikel weiter zum Heck. Brett Phaneuf braucht erst einmal einen Gesamteindruck von der Fundstelle. Der Vergleich mit den Plänen lässt keinen Zweifel: Es ist das gesuchte Schiff. 60 Jahre nach dem Untergang präsentiert sich die Hydro in erstaunlich gutem Zustand. Das eiskalte, sauerstoffarme Wasser des Sees verlangsamt die Fäulnisprozesse um ein Vielfaches. Das nasse Holz sieht beinahe wie neu aus.

Die ersten Fässer in Sicht

Nahe dem Schiffskörper erfasst die Kamera eine Eisenplakette. Sie schmückte einen der Güterwaggons, die auf der Fähre waren. In den Wagen reisten die Fässer mit dem Schweren Wasser. Beim Herabsinken hat sich der Koloss gedreht und mit dem Dach in das Sediment gebohrt. Nur die Räder liegen frei. Was auf den ersten Blick wie ein großer Behälter aussieht, entpuppt sich rasch als Schornstein. Doch dann entdecken sie eines der Fässer. Wenige Meter weiter taucht ein anderes auf.

Die Expedition steht vor einem entscheidenden Moment. Sie brauchen nur ein einziges Fass - gefüllt mit Schwerem Wasser. Auf den ersten Blick scheint der Fund intakt. Der weiche Schlick hat den Aufprall offenbar abgefedert. Thor untersucht das Objekt vorsichtig auf Lecks. Er muss sich entscheiden. Denn die Hydro gilt offiziell als Kriegsgrab. Die norwegische Regierung hat der Tauchaktion nur unter einer Bedingung zugestimmt: Es darf lediglich ein Behälter gehoben werden.

Problematische Bergung

Ein speziell konstruierter Greifarm soll in das Profil des Fasses einrasten, damit es auf dem langen Weg zur Oberfläche nicht abrutscht. Gleichzeitig müssen die Experten darauf achten, dass der Metallarm die Tonne nicht zerdrückt oder ein Loch hinein bohrt. Wenn in das Fass Seewasser eindringt, macht eine Analyse des Inhalts keinen Sinn mehr. Problematisch für das Unternehmen wäre, wenn der Behälter auf halber Strecke aus der Halterung gleitet.

Ein unglücklicher Sturz zurück auf den Grund könnte das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg schwer beschädigen. Nach einer Stunde sind die 430 Meter Kabel mit dem brisanten Fang aufgerollt. Dann endlich wird sich klären, was sich in dem Fass verbirgt, das 1944 die Fabrik der Norsk Hydro verließ. Eine PH-Analyse soll über den Inhalt Aufschluss geben. Lagert darin Schweres Wasser?

Norwegische Wertarbeit


Welchen Reinheitsgrad können die Experten feststellen? Zunächst will Johnny die Code-Nummer auf dem Behälter finden. Es ist die 26, der Drehverschluss mit dem Dichtungsring lässt sich mühelos öffnen. Der Gummi ist nicht einmal porös: Norwegische Wertarbeit. Das kostbare Nass fließt in einen sterilen Glaszylinder, so kann Dave Wark den PH-Wert messen.

Der Wert liegt knapp über 14. 60 Jahre alt - und noch genau wie an dem Tag, als es abgefüllt wurde. Der Beweis, dass im Fass tatsächlich Schweres Wasser lagert, ist erbracht. Doch in welcher Konzentration? Auf der Ladeliste von 1944 ist der exakte Reinheitsgrad der Fässer von der Hydro festgehalten. Fass 26 enthielt ein Destillat von nur 1,64 Prozent. Erst die Gegenprobe im Labor in London kann belegen, ob die Angaben auf der Liste mit der Qualität von der Tonne aus dem See übereinstimmen.

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