Die Chagga-Kanäle

Ausgeklügeltes Wassersystem

Während Christoph Winter das System der Chagga-Kanäle erforscht, hofft sein Kollege Andreas Hemp bisher unbeschriebene Pflanzenarten zu finden.

20 unbekannte Farnarten hat Hemp bereits entdeckt. Erstaunlicherweise nicht nur im tiefen Dschungel, sondern auch dort, wo der Mensch seit 2000 Jahren wirtschaftet, rund um die Kanäle.

Minimales Gefälle

Im Fluss ist ein einfacher Damm aus Steinen aufgeschichtet. Der Beginn eines Chagga-Kanals. Von hier wird der Kanal abgeleitet. Eine ingenieurtechnische Meisterleistung, in den blanken Fels gehauen, erklärt das Wunder des angeblich bergauffließenden Wassers. Der Kanal führt das Wasser trotz vieler Hindernisse horizontal an einer steilen Talwand entlang auf den Bergrücken, wo die Gehöfte der Chagga liegen. Wer keinen Kanalanschluss hat, muss sein Wasser vom Fluss holen. Ethnologe Christoph Winter hat in unzähligen Messungen festgestellt, dass die Kanäle nur ein minimales Gefälle haben und mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Sie halten beinahe das Höhen-Niveau, auf dem man das Wasser vom Fluss abgezapft hat.

Mehrere hundert Kilometer Kanäle hat Winter in seine Karte eingezeichnet, das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Wichtig ist dabei neben dem Höhenverlauf das ausgeklügelte System von Nachtspeichern. So wird das Wasser nicht nur dorthin geliefert, wo es gebraucht wird, sondern auch exakt wann. Ein Bauer leitet das Wasser aus dem Verteiler-Kanal auf seine Felder ab. Die Wasser-Zuteilungen sind von der Kanalgenossenschaft genau festgesetzt: Alle vier Tage hat er drei Stunden lang das Entnahmerecht. Ein komplexes Rechtssystem, das eine hoch entwickelte Sozialordnung voraussetzt.

Frühe Plantagenwirtschaft

Winter hat herausgefunden, dass die Chagga sehr früh eine Plantagenwirtschaft entwickelten. Dank der Bewässerung werden die Frauen vom Wasserholen entlastet und sammeln in dieser Zeit Grünfutter für das Vieh, das dadurch im Stall gehalten werden kann. Der Mist wird dann zum Düngen der Felder genutzt. Intensivierung der Landwirtschaft nennt man das im modernen Europa. Die Chagga wirtschaften so seit 800 Jahren.

Über die Baumwipfel des Bergwaldes ragt ein 30 Meter hoher Turm, über den Radioprogramme der evangelischen Weltmission ausgestrahlt werden. Gleichzeitig dient er Andreas Hemp als Messstation. Klimadaten wie Windstärke und -richtung, Temperatur, Niederschlagsmenge, Luftdruck und -feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung werden im Ein-Stunden-Rhythmus automatisch erfasst. Der Sendemast ist das Werk eines deutschen Tüftlers: Martin Ahnert. Der Ingenieur für Nachrichtentechnik begleitet den Biologen manchmal, wenn er die Daten abliest. Der Turm ist eine von 30 Messstationen in den verschiedenen Höhenstufen des Kilimandscharo. Erstmals gelingt so eine umfassende Klimaerfassung am höchsten Berg Afrikas. Via Datalogger werden Hunderttausende von Wetterdaten blitzschnell ausgelesen.

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