Die Entdeckung der Minoer

Arthur Evans stößt in Kreta auf archäologische Goldmine

Die Heimat der Minoer befand sich auf Kreta, einer großen Insel im östlichen Mittelmeer. 250 Kilometer lang ist die Insel, sie liegt auf halbem Wege zwischen Ägypten und dem griechischen Festland. Eine Insel mit hohen Bergen, tiefen Tälern und fruchtbaren Ebenen. Der Legende nach lebte hier einst König Minos, der Sohn von Zeus und Europa.

Arthur Evans mit der Schlangenkönigin (Spielszene) Quelle: ZDF

Alles was wir über die Minoer wissen, verdanken wir dem britischen Archäologen Sir Arthur Evans. Seine Entdeckung des Palastes von Knossos und einer Kultur aus der Frühzeit der Geschichte war eine ungeheure Sensation. Vor 3500 Jahren war der riesige Palast von Knossos das Zentrum des minoischen Reiches, das sich über das gesamte Mittelmeer erstreckte. Lange vor der Gründung Roms baute man auf Kreta Paläste mit herrlichen Fresken und luxuriösen Bädern.

Spuren einer europäischen Hochkultur

Im Frühjahr 1900 kommt Evans nach Kreta um seine Ausgrabung zu beginnen. Der Schatzgräber hat einen Traum: In Antiquitätenläden in Athen hatte er Siegelsteine aus Kreta mit merkwürdigen Inschriften gefunden. Auf Kreta hofft er nun, die Spuren der ersten Hochkultur auf europäischem Boden zu entdecken: Ein Volk, das lange vor den Griechen und Römern lesen und schreiben konnte.

Auch Heinrich Schliemann hatte Kreta ins Auge gefasst. Aber der Entdecker von Troja und Mykenae wartete vergeblich auf eine Erlaubnis, dort zu graben. Evans dagegen gelingt es nach langen Kämpfen den Hügel von Knossos mit der Unterstützung seines reichen Vaters zu kaufen. Nun stehen ihm alle Wege offen.

Auf der Bühne der Weltgeschichte

Am 23 März 1900 beginnen seine Arbeiter mit der Ausgrabung. Dieser Tag markiert den Beginn eines Abenteuers, das Evans nicht nur einen Adelstitel und Weltruhm bringen wird, sondern ihn auch unsterblich macht. In einem kühnen Alleingang erobert er der verschollenen Kultur der Minoer einen Platz auf der Bühne der Weltgeschichte zurück.

Ausgrabungen auf Kreta (Spielszene) Quelle: ZDF

In Knossos ist Arthur Evans auf eine archäologische Goldmine gestoßen. Vom ersten Tag an bringen die Arbeiter zahllose Funde in sein Zelt. Um sie zu erklären, greift Evans zu den antiken Sagen. Es heißt, dass sich Parsiphae, die Gattin des König Minos, in einen prachtvollen weißen Stier verliebte. Von ihm empfing sie einen Sohn: den schrecklichen Minotaurus, ein Wesen halb Mensch, halb Stier. Um seine Schande zu verbergen, baute Minos das legendäre Labyrinth, aus dem es kein Entrinnen gab.

Erwartungen übertroffen

Schon die dritte Woche in Knossos beginnt mit einem Fund, der sämtliche Erwartungen Evans' übertrifft. In diesem Moment erkennt Evans, wie sehr sich all die Jahre des Wartens gelohnt haben. Knossos wird eine der aufregendsten Entdeckungen des neuen Jahrhunderts. Seine Arbeiter haben einen aus Stein gehauenen Sitz gefunden. Den ersten Thron auf europäischem Boden. Von der Form her schließt Evans, dass er einer Frau gehört. Er nennt ihn Ariadnes Thron. Ariadne war König Minos' Tochter. Sie verliebte sich in Theseus, der den schrecklichen Minotaurus töten wollte und gab ihm den Faden, der ihn sicher aus dem Labyrinth zurückführte.

Evans Arbeiten schreiten schnell voran. Knossos sieht aus wie eine riesige Baustelle, nicht wie eine archäologische Ausgrabung. Aus dreißig Arbeitern werden hundert - schließlich arbeiten tagtäglich dreihundert Männer in Knossos. Evans bezahlt sie aus eigener Tasche. Das Gebäude unter dem Hügel von Knossos ist riesig und überaus komplex. Es könnte das legendäre Labyrinth des Minotaurus sein.

Riesige Ausgrabungsstätte auf Kreta (Spielszene) Quelle: ZDF

"Knossos ist meine Idee"

Evans ist wie im Fieber - er will alles, am besten sofort. Was er auf diese Weise in nur fünf Jahren schafft, dafür bräuchten Archäologen heute viele Jahrzehnte. "Knossos ist meine Idee" schreibt er nach Hause. Und er beginnt, sein Bild der Minoer zu entwerfen.




Das riesige Gebäude, das Stück für Stück erscheint, muss der Palast des Minos sein, davon ist Evans jetzt überzeugt. Aus Ariadnes Thron wird jetzt einfach der Thron eines Königs.

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