Die Entdeckung des Serapeum

Ausgräber Auguste Mariette findet unterirdischen Stier-Friedhof

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt eine Expedition nach Ägypten nur dann als erfolgreich, wenn die Forscher möglichst viele wertvolle Schätze mit nach Hause bringen. Der französische Ausgräber Auguste Mariette hat in Sakkara, südlich von Kairo, 1851 den Zugang zu einem Grab entdeckt. Hier vermutet er reiche Funde.

Ausgrabungen in Sakkara Quelle: ZDF

Ein Jahr hat Mariette gesucht, um den Grabeingang aufzuspüren. Endlich ist der Moment gekommen, an dem seine Bemühungen belohnt werden. Mariettes Methoden sind rustikal aber effizient. Mögliche Zerstörungen durch Sprengungen nimmt er in Kauf. Das alte Ägypten hielt so viele Fundstücke bereit, dass es auf den einen oder anderen Verlust nicht ankommt.

Suche nach dem heiligen Stier

Statue Apis Stier Quelle: ZDF

In Sakkara ist Mariette dieses Mal aber nicht auf der Suche nach einem Königsgrab. Er fahndet nach dem heiligen Apis Stier. Der Apis wurde schon seit der 1. Dynastie um 3000 vor Christus als Fruchtbarkeitsgott verehrt. Der Stierkult hielt mehr als drei Jahrtausende an. Selbst die Könige des Neuen Reiches führten noch regelmäßig den Beinamen "Starker Stier". Für die alten Ägypter war der Apis der irdische Repräsentant des Schöpfers der Welt.



Der Legende nach wurden die Stiere mit ähnlich viel Schätzen wie die Pharaonen begraben, in riesigen Särgen, in der Nekropole von Sakkara, nahe dem einstigen Regierungssitz Memphis. Wissenschaftler vermuten, dass 70 Prozent der Grabanlagen von Sakkara noch immer unter dem Sand begraben liegen, denn es war die Nekropole für viele Dynastien. Vom alten Reich bis in die Spätzeit ließ sich hier die altäygptische Elite bestatten.

Unterirdische Stollen mit Stiersärgen

Grund genug für Mariette, sich in den freigelegten Eingang des Stierfriedhofs zu wagen. Generationen von Grabräubern vermuteten hier reiche Beigaben. Doch alle Schatzgräber hatten bisher vergeblich nach den unterirdischen Stollen gesucht, die zu den Stiersärgen führen sollen. Mariette und seine Helfer denken, sie seien die ersten, die die kalten Katakomben seit Jahrtausenden betreten. Sie stoßen auf einen Sarg - doch offenbar war jemand vor ihnen da.

Demotische Steintafel Quelle: ZDF

Obwohl der Sarkophag leer ist, gibt es keine Hinweise auf Plünderungen, wie sie Mariette in Gräbern der Pharaonen schon oft gesehen hat. Wurden die Stiere und die Schätze vor langer Zeit aus Angst vor Grabräubern doch an einer anderen Stelle begraben? An den Wänden sind Schrifttafeln angebracht. Wenn es eine Erklärung für eine Umbettung der Apis Stiere gibt, dann muss sie in die Tafeln eingraviert worden sein. Mariette hat sich intensiv mit den Hieroglyphen beschäftigt. Aber die seltsamen Zeichen kann er nicht entziffern.

Noch heute ein mysteriöser Ort

Noch heute ist der unterirdische Stier-Friedhof, das so genannte Serapeum, ein mysteriöser Ort. Der Granit für die 100 Tonnen schweren Sarkophage wurde aus dem 1000 Kilometer entfernten Assuan herangeschafft und jeder der Särge aus einem einzigen Stück gefertigt. Insgesamt 24 Sarkophage findet Mariette im Serapeum. Jedoch ohne jede Spur eines balsamierten Stiers. Bis heute ist ungeklärt, ob in Sakkara wirklich Stiere bestattet worden sind.

Steinerner Stier-Sarg Quelle: ZDF

Mariette veröffentlicht einen genauen Plan des Serapeums. Denn er ist nicht nur Schatzsucher, er ist auch einer der ersten Ägyptologen. Der Franzose tritt in Sakkara in die Fußstapfen der griechischen Gelehrten, die bereits um 25 vor Christus über das Serapeum berichteten. Zumindest diesen wissenschaftlichen Erfolg der Wiederentdeckung der Stiergräber kann ihm nun keiner mehr nehmen. Zur Einordnung seines Fundes fehlt Mariette allerdings die Übersetzung der rätselhaften Aufzeichnungen in Demotisch.

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