Die Entdeckung des Wracks

Riesenschiff auf dem Meeresgrund

Bei einer Sinkgeschwindigkeit von maximal 30 Metern pro Minute dauerte allein der Abstieg der MIR-Boote bis zum Grund mehrere Stunden.

In fast viereinhalb Kilometern Tiefe erreichte die MIR 1 den Grund - ein selbst im Hightech-Zeitalter sehr seltenes Ereignis. Dank der starken Außenscheinwerfer war Sicht möglich. Doch auf die optische Orientierung verließ sich die Crew nur im Nahbereich. Für die "Fernsicht" sorgte das akustische Ortungs- und Navigationssystem. Das Sonar reichte ungefähr einen halben Kilometer voraus. Nach intensiver Suche erfasste das Gerät erste schwache Hinweise auf ein größeres Objekt zwischen den schlickigen Hügeln des Meeresbodens. Mit einer Geschwindigkeit von zwei Knoten glitt die MIR 1 voran.

Gigantische Schneise

Vor den Bullaugen von MIR 1 tat sich plötzlich eine tief gepflügte Furche im Untergrund auf. Für Mike McDowell und Doktor Sagalewitsch ein Rätsel: Kann die Furche von der Bismarck stammen? Das Tauchboot folgte der gigantischen Spur. Dann entdeckte Mike McDowell menschliche Spuren: Seestiefel - möglicherweise Überreste eines tödlichen Gefechtes. Das Wrack konnte nicht weit entfernt sein. Plötzlich zeichneten sich schemenhaft die Konturen eines gewaltigen Kriegsgerätes ab. Die Sensation war perfekt. MIR 1 hatte die Bismarck fast eine Seemeile von den bislang bekannten Koordinaten entfernt gefunden. Die Scheinwerfer einer MIR sind stark, doch das riesige Achterdeck des Stahlkolosses vermochten sie nur ausschnittweise zu beleuchten. Zum ersten Mal nach 60 Jahren besuchten Menschen den einstigen Stolz der deutschen Kriegsmarine.

Riesenschiff auf dem Meeresgrund

Bei einer maximalen Tauchzeit des Bootes von 48 Stunden und Sauerstoff-Vorräten für drei Tage konnten sich die Männer an Bord der MIRs Zeit lassen mit der Erkundung der Bismarck. Das überraschend gut erhaltene Riesenschiff dient zahlreichen Tiefsee-Organismen als Lebensraum. Der Bug der Bismarck, von Tiefsee-Organismen bewachsen, war einst schnittiger Frontpunkt einer schwimmenden Festung. Im Unterschied zum Weichholz-Decksbelag auf dem Wrack der Titanic, der von Bohrwürmern weggefressen worden ist, präsentiert sich die Teakbeplankung der Bismarck noch weitgehend intakt. See-Anemonen wachsen wie Friedensnelken auf den Kanonenrohren. In den leeren Barbetten der gewaltigen Geschütz-Türme patrouillieren heute farblose Tiefsee-Krabben. In maßgeschneiderten Hangars fanden die Bordflugzeuge Platz. Der vordere Kommandostand ist mit bis zu 36 Zentimeter starkem Stahl gepanzert. Auf dem Achterdeck prangt ein riesiges Hakenkreuz.

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