Die Erben der Skythen

Besuch bei den kasachischen Nomaden

Die beiden Wissenschaftler Vjaceslav Molodin und Hermann Parzinger machen sich auf den Weg zum Stammesältesten der Umgebung, um die Nomaden über den Grabfund zu informieren. Im Zelt des alten Mannes, der "Jurte", erhalten sie einen Einblick in das Leben des Wandervolkes.

Schon beim Betreten der Jurte erkennen die Forscher den hohen Rang ihres Gastgebers. Prächtige Wandteppiche, eine Vielzahl von Tierfellen und sogar einige Fotografien zieren die Wände und den Boden des großen Zeltes. Ihre Muster erinnern an den Schmuck in der Grabkammer. Es scheint, als hätten Teile der skythischen Kultur mehr als zwei Jahrtausende überdauert.

Gelebte Tradition

Auf einer Feuerstelle bereiten Frauen eine Mahlzeit für die europäischen Forscher zu. Gastfreundschaft galt den Nomaden schon immer als eine der höchsten Tugenden. Die Archäologen berichten dem Stammesoberhaupt detailliert von ihrem Fund und vergessen dabei nicht zu erwähnen, dass der Fund rein materiell nahezu wertlos ist. Die Goldreste sind zwar äußerst gering, aber für die Wissenschaft ist die Entdeckung nicht mit Geld aufzuwiegen. Die Forscher versprechen sich einen ähnlich großen Erkenntnisgewinn wie durch den Zufallsfund des europäischen Pendants: Ötzi.

Der Stammesälteste interessiert sich sehr für die Berichte der Archäologen und beginnt Sympathie für die beiden zu entwickeln. Stolz zeigt er den Gästen seine Pelzsammlung. Als Prunkstück präsentiert er das Fell eines Wolfes, den er vor vielen Wintern erlegt hat. Doch im Gegensatz zu den Skythen jagen die kasachischen Nomaden nicht mit Pfeil und Bogen vom Rücken der Pferde aus, sondern mit Adlern. Mit seinen Krallen kann der Greifvogel selbst große Tiere wie Dachse und Füchse töten. Die Jagdsaison ist im Winter, im Sommer werden die gefiederten Jäger für ihren Einsatz trainiert.

Sportfest im Altai

Nachdem die Archäologen ihre gemeinsame Mahlzeit mit den kasachischen Nomaden beendet haben, gibt ihnen der Älteste noch einen "Geheimtipp" mit auf den Weg: Auf keinen Fall dürften sie den bevorstehenden Wettkampf der Ringer verpassen. Mitten im Nichts der Steppe versammeln sich die Menschen aus der Umgebung bereits in den frühen Morgenstunden. Die Ringer sind die Helden der Mongolei, ihre Wettkämpfe Feiertage.

Die weiteren Untersuchungen des Grabes ergeben einige interessante Details. In einer Filztasche nebem dem Krieger entdecken die Forscher einen Bronzespiegel und einen Lederköcher mit Stoffabdeckung, in dem sich die hölzernen Pfeile des Skythen befinden. Das Eis hat die 2300 Jahre alten Geschosse konserviert; auch der Bogen ist erhalten.

Die Bogen der Reiternomaden galten seinerzeit als "Wunderwaffe", die die Skythen scheinbar unbesiegbar machte. Die komplizierte, mehr als einen Meter lange Konstruktion besteht aus mehreren Leisten, die verleimt und mit Tierhaut umwickelt wurden. So hatten sie eine besonders hohe Spannkraft. Die Bedeutung des Fundes ist nicht hoch genug einzuschätzen: Noch nie ist ein komplett erhaltener Bogen aus der Passarykultur geborgen worden.

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