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Die Eroberung Sibiriens - Teil 1

Abenteurer und Kosaken

Sibirien: Land der Superlative, ein Kontinent, der achte Kontinent. Allein der Klang dieses Namens genügt, um an Tod und Vergessen, an Strafe und unsägliche Qualen zu denken. Und dann der ganze Kosmos: Stille und Ödnis, riesige Wälder, reißende Flüsse, Sümpfe und Mückenschwärme und natürlich: Schnee, Eis, Stürme, Endlosigkeit. Es gibt wohl kaum eine Region dieser Erde, bei der Schönheit und Traurigkeit so dicht beieinander liegen.

Schlachtbild von Tobol
Schlachtbild von Tobol Quelle: ZDF

Es dauerte lange, bevor das riesige Land hinter dem Ural, das Land hinter dem "Großen Felsen", ins europäische, ja sogar ins russische Bewusstsein drang. Doch dann kamen sie in Scharen. Eine Eroberung ohne Beispiel begann. Sie verlief in drei wichtigen Etappen, deren unbekannte, äußerst spannende Geschichte die dreiteilige Fernsehdokumentation erzählen will. Wie wurde Sibirien zu dem, als was es sich heute weltweit präsentiert? Eine gigantische Landmasse, unbezwingbar und fast unregierbar. Die Antwort liegt unter den Klischees verborgen und ist doch Teil dieser selbst.

Das Land jenseits des Urals

Kosaken vom Don und von der Wolga waren die ersten, die den mutigen Schritt über den Ural wagten und in bis dahin völlig unbekanntes Land vorstießen. Es war die Regierungszeit Iwans des Schrecklichen, der den Weg nach Osten ermöglicht hatte. Doch es mussten noch dreißig Jahre vergehen, bevor der russische Zar erkannte, welch möglicher Reichtum ungenutzt vor seinen Füßen lag. Und hätte es nicht die clevere Kaufmannsfamilie der Stroganows gegeben, so wäre Sibirien wesentlich später erobert worden.

Die Stroganows, die eigentlich aus Nowgorod stammten, hatten ihre Handelsgebiete bis an den Ural ausgedehnt und waren interessiert genug, noch weiter zu expandieren. Von Iwan dem Schrecklichen mit zahlreichen Privilegien ausgestattet, warben sie einen bunten Haufen abenteuerlustiger Kosaken an, damit sie das Land weiter im Osten, jenseits des Urals, erkundeten. 1582 startete die Kosakenexpedition im Permer Gebiet. Ihr Anführer war ein gewisser Jermak Timofejew, ein Kosakenataman mit sehr schillernder Vergangenheit. Über achthundert Mann soll er um sich geschart haben, um der "Sonne entgegen" zu ziehen.

Angriffslustige Tataren

Der Marsch über den Ural verlief problemlos, denn es war Winter und die Erde war fest gefroren. Doch jenseits des Gebirges mussten die Männer feststellen, dass hier angriffslustige Tataren lauerten. Es kam zu Scharmützeln, doch die Kosaken waren militärisch gut gerüstet. Sie folgten, wie auch die meisten Eroberer nach ihnen, den sibirischen Flüssen. Und wieder stand ein Winter bevor, den die Männer in unbekanntem Land kaum überlebt hätten. Rechtzeitig kam es im Oktober 1583 zu einer Entscheidungsschlacht mit den Tataren. Die Kosaken waren siegreich und konnten die Hauptstadt des Khanat Sibir einnehmen.

Sie waren weit nach Westsibirien eingedrungen, bis in die Gegend des heutigen Tobolsk. Von hier aus unternahmen sie weitere Expeditionen, belegten die einheimische Bevölkerung mit Steuern, die diese als Zobelfelle abliefern musste. Diese Felle wogen damals schwerer als Gold, aber in Sibirien gab es sie im Überfluss. Auch Zar Iwan kam in den Genuss dieses Reichtums, denn Jermak entsandte eine Delegation nach Moskau, um im Kreml wertvolle Geschenke abzuliefern.

Unvorstellbare Strapazen

Man kann sich heute kaum vorstellen, welche Strapazen die "Männer der ersten Stunde" auf sich genommen haben. Ein unwirtliches Klima, ein völlig unbekanntes Territorium, feindliche Tataren, Mangel an Verpflegung und Unterkünften. Und doch: der erste Schritt war getan. Jermak starb im August 1585 nach einem Tatarenüberfall. Er gilt als der "Eroberer Sibiriens" schlechthin. Um ihn rankten sich bald Legenden und Sagen, die bis heute weiter leben.

Nach ihm sollten noch viele andere Expeditionen folgen. Kosaken drangen in wenigen Jahren bis an das Nördliche Eismeer vor, erkundeten die großen sibirischen Ströme und standen schließlich - nur sechzig Jahre nach Jermaks Aufbruch - am Ozean. Die Dokumentation folgt auch dem Wechsel der Jahreszeiten und vor allem der grandiosen Natur des westlichen Sibiriens.

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