Die Eröffnungssalve

Der Krakatau erwacht

Indonesien besteht aus einer Kette von mehr als 1700 Inseln. Zu den größten des Archipels zählen Java und Sumatra, getrennt durch die Sundastraße, ein stark frequentierter Schifffahrtsweg. Für die Seeleute, die sie im 19. Jahrhundert passieren, ist die Vulkaninsel Krakatau zu einer vertrauten Landmarke geworden, von der sie nichts Schlimmes befürchten. Doch der Krakatau "schläft" nur.

130 Kilometer östlich von Krakatau an der Nordküste Javas liegt die Hafenstadt Batavia. Batavia, das heutige Jakarta, war die Hauptstadt des holländischen Ostindiens und die Drehscheibe für den asiatischen Gewürzhandel. Seit dem 17.Jahrhundert behauptete sich Holland als die dominierende Handelsmacht im Fernen Osten. Eine große Zahl von Frachtschiffen war ständig zwischen hier und Europa unterwegs. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Arbeiten auf einem Pulverfass

Dr. van der Stok, ein namhafter Wissenschaftler aus Utrecht, lebt 1883 als Direktor des Magnetischen und Meteorologischen Observatoriums in Batavia. Unterstützt von Schuurman, einem ehrgeizigen jungen Wissenschaftler, gehört es zu seinen Aufgaben, seismische Aktivitäten den Behörden zu melden. Außerdem ist es das Ziel der beiden, die geologischen Vorgänge Indonesiens nicht nur zu verstehen, sondern auch einen Weg zu finden, mögliche Katastrophen verlässlich vorauszusagen.

Die zwei Forscher arbeiten in einer der vulkanisch aktivsten Regionen unserer Erde. Immerhin 17 Prozent aller heute aktiven Feuerberge befinden sich in Indonesien. Der Grund: die geographische Lage. Das Archipel verdankt seine Entstehung der Tatsache, dass hier zwei tektonische Erdplatten zusammenstoßen. Dabei schiebt sich die schwerere australische Platte stetig unter die leichtere, asiatische Platte. Diesen Vorgang nennt die Wissenschaft Subduktion.

Wie auf einer Perlenschnur

Die harte Erdkruste schiebt ins heiße Erdinnere und beginnt zu schmelzen. Durch Risse und Spalten dringt dann das geschmolzene Gestein bis zur Erdoberfläche: Ein Vulkan bricht aus. Wie auf einer Perlenschnur liegen Indonesiens Vulkane auf einer solchen Subduktionszone. Doch damit nicht genug: Zwischen Java und Sumatra ändert die Subduktionszone abrupt ihre Verlaufsrichtung. Dieser Knick führt zu zusätzlichen Spannungen. Besonders große Risse und Spalten entstehen genau im Bereich des Krakatau.

200 Jahre lang verbreitete der Vulkan Krakatau eine trügerische Ruhe. Doch im März des Jahres 1883 zeugen erste, kleine Beben tief im Inneren von der aufkommenden Gefahr. Von den Einheimischen werden sie zunächst nicht wahrgenommen. Erst zwei Monate später, in den frühen Morgenstunden des 22. Mai, werden Fischer beim Schlagen von Holz für den Bootsbau von den Ereignissen überrascht. Plötzlich entlädt sich die Spannung unter der sonst so friedlichen Insel Krakatau. Die Hölle bricht los. Nur mit knapper Not können sich die Männer retten.

Ein Vulkan "entkorkt" sich

Wenige Augenblicke später sind die Druckwellen in Ketimbang zu spüren. Die Stadt liegt an der südlichen Spitze von Sumatra, knapp 40 Kilometer von der Vulkaninsel Krakatau entfernt. Bereits nach wenigen Minuten erreicht die Druckwelle Batavia. Der Krakatau ist endgültig aus seinem Schlaf erwacht.

Doch was ist geschehen? Mike Rampino ist Professor für Geologie an der Universität von New York. "Über 200 Jahre lang hat ein zähflüssiger Pfropfen aus erstarrtem Magma und Gestein den Schlund des Vulkans verstopft. Dieser konnte dem im Inneren des Vulkans stetig wachsenden Druck letztlich nicht länger standhalten und sprengte die Bergkappe", erklärt er den überraschenden Vulkanausbruch. "Die plötzliche Druckentlastung in der Magmakammer hatte eine ähnliche Wirkung wie das Entkorken einer Sektflasche, die man vor dem Öffnen noch kräftig schüttelt. Diese heftige Eruption war die Eröffnungssalve für eine Serie von Ausbrüchen in den folgenden Monaten."

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