Die Flucht aus Ägypten

Verschiedene Theorien um den Fluchtweg

Die Bibel berichtet, dass Moses seine Leute zählen ließ. 603.550 wehrfähige Männer, dazu noch viele Frauen und Kinder. Tiere vervollständigten den Kilometer langen Tross, der Ägypten verlässt. Aber welchen Weg haben diese vielen Menschen genommen?

Bis heute rätseln Forscher, wie das Volk des Moses aus Ägypten floh. Drei Möglichkeiten stehen zur Diskussion. Drei mögliche Wege, die alle denkbar wären.

Drei Möglichkeiten

Am östlichen Rand des Mittelmeeres beginnt die Völkerwanderung, die Geschichte gemacht hat. Wahrscheinlich ausgehend von der Residenzstadt Pithom könnte Moses die alte Königsstraße eingeschlagen haben. Das wäre der einfachste Weg gewesen - aber auch einfach für mögliche Verfolger. Die andere Möglichkeit: zu Fuß am oberen Roten Meer durch den seichten Schilfgürtel, und dann zunächst nach Süden die Bergkette im westlichen Sinai zu machen. Oder, die dritte Möglichkeit verlief etwas südlicher: mitten durch das Rote Meer hindurch, dort wo etwa 40 Kilometer Wasserfläche zu überwinden sind. Das wäre zweifellos der schwierigste Weg gewesen. Denn das Rote Meer ist dort 300 Meter tief.



Auch drei Jahrtausende nach Moses hat sich die Landschaft am Roten Meer nicht viel verändert. Schroff und steil fällt das zerklüftete Ufer ins Meer. Das Rote Meer ist bekannt für sein reiches maritimes Leben. Ausgedehnte Korallenriffe und vielfältigste Fischarten sind hier zu finden. Ein Paradies für Taucher - aber auch für Fußgänger? Selbst wenn sich die Wassermassen auf göttlichen Befehl zurückgezogen hätten: Wie hätten Abertausende von Menschen und Tieren die steilen Klippen überwinden können?

Vom Meer verschlungen

Es ist wahrscheinlicher, dass der Tross den Weg durch das seichte Schilfmeer - gut 200 Kilometer nördlich - nahm. Diese Seefläche hätten selbst Kinder gefahrlos durchwaten können. Dass aber der nachfolgende Pharao mitsamt seiner Elitetruppe hier vom Meer verschlungen ward, wie die Bibel behauptet, ist kaum vorstellbar.


Bleibt die dritte Möglichkeit: Der Weg entlang des Mittelmeerufers. Der "alte Königsweg". Die wahrscheinlichste Option. Vieles spricht für diese Variante. Vor allem die Tatsache, dass auch Frauen, Kinder und Greise diesen ausgebauten Handelsweg bewältigen konnten. Das Meer, an dem laut Bibel Moses und sein Volk schließlich lagerten, wäre in diesem Falle aber nicht das Rote Meer gewesen, sondern das Mittelmeer.

Mit göttlicher Hilfe

Für die dritte Theorie spricht noch ein weiteres Argument: Die Truppen des rachesüchtigen Pharao jagen den Abtrünnigen nach - und nur auf gut befahrbaren Wegen kann so ein "Rollkommando" erfolgreich sein. Moses weiß, dass er einem "Militärschlag" nichts entgegenzusetzen hat - aber mit göttlicher Hilfe weist er den rettenden Weg: Mitten ins Meer hinein. Mitten in die Fluten, die sich durch einen "starken Ostwind wie Mauern zur Rechten und zur Linken seines Volkes auftürmten". Alles Legende - oder erklärbares Naturphänomen?

Vulkanausbruch als Ursache

Der Vulkanausbruch von Santorin könnte nicht nur die Ursache für die zehn Plagen gewesen sein - sondern auch für die Flutwelle, die irgendwann die östliche Seite des Mittelmeeres erreichte. Der Ablauf der Naturkatastrophe wäre so, wie es die Bibel sagt: zunächst zieht sich das Wasser zurück, um dann in einer gigantischen Welle über "Rosse, Reiter und Wagen des Pharao" zu stürzen.




Einige Wissenschaftler glauben, dass die Erklärung viel einfacher ist: Sonne und Hitze über der Wüste könnten der Trugbild erzeugt haben. Eine "Fata Morgana" - die etwas vorgaukelt, was nur aus Spiegelung und "heißer Luft" besteht. Die Bibel ist das Buch, das in dieser Welt geschrieben wurde. Im Orient, wo sich nicht nur in den "Geschichten aus 1000 und einer Nacht" Wirklichkeit und Phantasie vermischen. Das ertrinkende Heer des Pharao könnte eine tiefe Wunschvorstellung gewesen sein, die im Flimmern der Ferne wirklich Gestalt annahm.

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