Die Frankfurter Dinosauriermumie

Selten komplettes Exemplar einer Edmontsauriermumie

Im Senckenberg-Museum Frankfurt am Main ist eine der beiden Dino-Mumien zu sehen, die Charles Sternberg 1910 in Wyoming entdeckt hat. Es handelt sich um die Art Edmontosaurus annectens, der wahrscheinlich auch Dino-Mumie "Dakota" angehört.

Skelett eines Edmontosaurus Quelle: Sven Tränkner, Senckenberg Forschungsinstitut

Von Dinosauriern werden meist nur versteinerte Knochen oder Zähne gefunden. Es gibt aber neben Knochen auch andere fossile Dokumente, die auf die Anwesenheit dieser Tiere hinweisen, die vor vielen Millionen Jahren die Erde bevölkerten. Gar nicht selten sind versteinerte Fußabdrücke und Fährten, die in einigen Fällen Rückschlüsse auf die einstige Lebensweise der Tiere, etwa das Leben in Herden, zulassen. Auch fossiler Dinosaurierkot ist bekannt.

Versteinerter Mageninhalt

Diese so genannten Koprolithen können Reste der Nahrung enthalten und damit Auskunft darüber geben, was die Tiere einst gefressen haben. In einigen Fällen gibt es sogar direkte Nachweise der letzten Mahlzeit eines Dinosauriers in Form von versteinertem Mageninhalt. Selten sind Überlieferungen von Weichteilen, etwa der Haut, denn es müssen hierzu ganz besondere Fossilisationsbedingungen vorliegen. Die Haut ist dann entweder als Abdruck im Gestein erhalten geblieben oder als phosphatisierter Bakterienrasen, der einst den Körper beim Verwesungsprozess bedeckte und nun als Abbild der ehemaligen Weichteilstruktur der versteinerten Leiche aufgeprägt ist. Besonders selten sind Hinweise auf die Muskulatur oder gar innere Organe.

Im Fall der so genannten Edmontosaurusmumie des Frankfurter Senckenbergmuseums liegt eine besonders seltene Art der Fossilisation vor. Zunächst ist das Exemplar trotz seiner Größe von fünf Metern Länge nahezu vollständig erhalten. Derart komplette, zusammenhängende Skelette sind in dieser Größe selten. Meist bestehen die in Museen montierten Dinosaurier aus den Resten mehrer gleichgroßer Individuen.

Skelett eines Edmontosaurus annectens Quelle: Sven Tränkner, Senckenberg Forschungsinstitut

Hautreste als Highlight

Zudem ist das Fossil nicht durch die Auflast des umgebenden Gesteins flach zusammengedrückt, sondern räumlich in seiner ursprünglichen Todeshaltung erhalten geblieben. Und als besonderes Highlight ist an einigen Körperstellen die Haut überliefert. Dies betrifft die rechte Körperflanke, den Hals, Partien entlang der Wirbelsäule sowie beide Vorderbeine, insbesondere die Hände. Hauterhaltungen sind bei kleinen, unter zwei Meter langen Dinosauriern inzwischen gar nicht mehr so sehr selten. Gerade in den letzten zehn Jahren sind in China und der Mongolei zahlreiche solcher Funde zum Vorschein gekommen, bei manchen Dinosaurierarten sogar zusammen mit federähnlichen Körperbedeckungen.

Der einzigartige Erhaltungszustand der Frankfurter Mumie eines Edmontosaurus wird allgemein dadurch erklärt, dass der Kadaver zunächst einer schnellen und effektiven Austrocknung durch trockene Luft und einer entsprechend hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt war. Hervorgerufen durch die den Wasserentzug begleitende Schrumpfung der Muskelmasse ist der Kopf durch den entstandenen Zug der Nackenmuskulatur und Ligamente in charakteristischer Weise nach hinten gebogen.

Vor Verwitterung bewahrt

Ähnliche Todeshaltungen findet man auch heute bei in Wüstengebieten verendeten Kamelen oder Zebras. Der auf diese Weise natürlich mumifizierte Körper des Edmontosaurus muss später von feinkörnigem Sand oder Sandschlamm zugedeckt und somit vor drohender Verwitterung bewahrt worden sein. Danach konnte sukzessive die Versteinerung der ausgetrockneten Leiche erfolgen. Dabei blieben an einigen Körperstellen Abdrücke der Haut erhalten. Diese bestand aus drei bis fünf Millimeter großen Schuppen, die an Reptilienhaut erinnern. Sie ist besonders gut an den Sohlen der Hände zu sehen.

Die an den Zehen der Finger befindlichen Hautabdrücke erinnern an Schwimmhäute, die zu der ursprünglichen Annahme geführt haben, dass die damals noch als Trachodon bezeichnete Dinosaurierart eine aquatische Lebensweise aufwies. Aber auch hierbei kam es durch den Wasserentzug zu einer Schrumpfung des Weichkörpers, die das ursprünglich massige Sohlenpolster abflachte.

Kauf durch umfangreiche Spende

Bein des Edmontosaurus Quelle: Sven Tränkner, Senckenberg Forschungsinstitut

Das Frankfurter Edmontosaurusexemplar wurde 1910 von dem amerikanischen Fossiliensammler Charles Sternberg und seinen Söhnen in Wyoming, USA in den etwa 70 Millionen Jahre alten kreidezeitlichen Gesteinsschichten der Lance Formation gefunden. Es wurde 1911 vom Senckenbergmuseum erworben. Den Kauf ermöglichte eine umfangreiche Spende des bedeutenden Mäzens und späteren Direktors des Senckenbergmuseums Arthur von Weinberg.

Das Exemplar ist eines von zwei weltweit einzigartigen Edmontosaurusmumien. Das erste wurde zwei Jahre zuvor ebenfalls von den Sternbergs entdeckt. Dieses ist heute im American Museum of Natural History in New York ausgestellt. Im Bauchbereich des Frankfurter Exemplars befanden sich fossilisierte Nadeln und Zweige von Nadelbäumen sowie Reste von deren Zapfen. Möglicherweise handelt es sich dabei um die letzte Mahlzeit des Dinosauriers. Beide Exemplare besitzen entlang der Wirbelsäule fossilisierte verknöcherte Sehnen. Diese dienten der Stabilisierung der Wirbelsäule, die sich beim Gehen auf den Hinterbeinen waagerecht wie eine Balancierstange über dem Becken bog.

Exemplar mit Zacken

Ein in Montana entdecktes Edmontosaurusexemplar, das heute in St. Gallen ausgestellt ist, weist an der Oberseite seines Schwanzendes hornige Zacken auf. Möglicherweise verliefen diese Zacken vom Hinterkopf bis zur Schwanzspitze. Ähnliche Erhaltungen sind auch von Diplodocus, einem bis zu 28 Meter langen Langhalssaurier, bekannt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet