Die Frau an seiner Seite

Eine Frau ist ihrer Zeit voraus

Die vierzehnjährige Therese Heyne ist beeindruckt. Dem Besucher, den ihr Vater Anfang des Jahres 1779 ins Göttinger Elternhaus mitbringt, eilt ein großer Ruf voraus. Erst 24 Jahre alt, hat doch bereits die ganze Welt gesehen. Der junge Mann, der ihr den Hof macht, ist Professor in Kassel und gilt als Hoffnung der Wissenschaft.

Therese Huber (frühere Forster, geborene Heyne)
Therese Huber (frühere Forster, geborene Heyne) Quelle: gemeinfrei

Georg Forster hinterlässt tiefen Eindruck bei Therese. Ihr Vater, Christian Gottlob Heyne gilt als Begründer der modernen Altertumsforschung. Als Leiter der Göttinger Bibliothek leistet er bahnbrechende Aufbauarbeit. Therese ist seine Lieblingstochter. Mit Caroline Schelling, Dorothea Schlözer und andere gehört sie zu den "Göttinger Universitätsmamsellen". Sie sind Professorentöchter, untereinander befreundet und sie dürfen, anders als damals für junge Frauen üblich, Bildung erwerben und an der Arbeit ihrer Väter teilnehmen. Sie werden zeitlebens miteinander Kontakt halten und sich einmischen in das Geistesleben ihrer von der Aufklärung und der französischen Revolution bewegten und geprägten Zeit.

Heirat und Kinder

Georg Forster wirbt sechs Jahre um Therese. Als er den Ruf an die junge Universität Wilna erhält, fällt das junge Paar die Entscheidung: Ostern 1784 wird in Göttingen Verlobung gefeiert. Ein Jahr darauf folgt die Hochzeit, Therese und Georg Forster übersiedelt nach Wilna. Die Ehe der Forsters steht unter keinem guten Stern. Therese, die unerfahren die Verbindung eingegangen war, wird ihrer Freundin Caroline später gestehen, dass die Ehe der Forsters von Beginn an unter Spannungen litt.

Dennoch, 1786 bekommt Therese ihre erste Tochter, der noch drei weitere Kinder mit Georg Forster folgen werden. Das Leben in Wilna ist hart, die finanziellen Probleme der Familie sind drückend. Als dem jungen Professor die Leitung einer russischen Südseeexpedition in Aussicht gestellt wird, kündigt er seine Stellung in Wilna und kehrt mit der Familie kehrt nach Göttingen zurück. Doch als Krieg ausbricht zwischen Russland und dem Osmanischen Reich, scheitern die Expeditionspläne. Vermutlich durch Vermittlung von Thereses Vater erhält Georg Forster eine Stelle als Bibliothekar in Mainz, wo das Paar ab 1788, am Vorabend der französischen Revolution, Wohnung nimmt.

Mainz, unruhige Zeiten und Trennung

Ludwig Ferdinand Huber
Ludwig Ferdinand Huber Quelle: ZDF

In Mainz verliebt sich Therese in einen Freund ihres Mannes. Ludwig Ferdinand Huber ist Sekretär der sächsischen Gesandtschaft im Kurfürstentum Mainz. Auch Caroline Schelling, die inzwischen verwitwete Freundin Thereses, lebt in Mainz und wohnt zeitweilig im Haus der Forsters. Georg Forster duldet die Beziehung seiner Frau zu Ludwig Huber. Er ist viel auf Reisen und gemeinsam mit seinen Freunden begeistert er sich für die Ideale der Französischen Revolution. Am 21.Oktober 1792 besetzen französische Truppen das Kurfürstentum Mainz. Im November tritt Georg dem neu gegründeten Jakobinerclub der Stadt bei. Er wird Vizepräsident der Mainzer Republik und besitzt gute Aussichten auf eine weitere politische Karriere.

Rund um Mainz ziehen die Preußen Truppen zusammen. Therese fühlt sich in der Stadt nicht mehr sicher. Am 2. Dezember 1792 verlässt sie in Begleitung Ludwig Hubers mit ihren Kindern Mainz. In Straßburg findet sie Zuflucht. Caroline Schelling nimmt sich des Verlassenen Georg Forsters an. Therese wird ihren Mann nur noch ein Mal wieder sehen. Anfang November 1793 treffen sich die Eheleute für drei Tage in der Schweiz, wo Therese inzwischen lebt. Georg Forster willigt in die von seiner Frau geforderte Scheidung ein, in der Hoffnung auf ein freundschaftliches Verhältnis. Seine Briefe an Therese bezeugen, dass er diese Hoffnung nie aufgab. Doch zu Scheidung kommt es nicht mehr. Am 10.Januar 1794 stirbt Georg Forster verarmt und einsam in Paris.

Therese Huber, Schriftstellerein und Journalisten

Am 10.April 1794 heiratet Therese in zweiter Ehe Ludwig Huber. Mit ihm wird sie sechs weitere Kinder haben. Allerdings erreichen nur vier ihrer insgesamt 10 Kinder das Erwachsenenalter. Ihr Vermögen in Mainz hatten sowohl Therese als auch ihr Ehemann verloren. Für Georg Forster hatte Therese Übersetzungen angefertigt und so das Schreibhandwerk geübt. Um den Familienunterhalt zu sichern beginnt sie, Geschichten zu schreiben, die jedoch zunächst unter den Namen ihres Mannes veröffentlicht werden. Ludwig Huber erhält Anstellung bei dem Verleger Cotta, für dessen "Allgemeine Zeitung" er arbeitet. Als Ludwig Ferdinand Huber 1804 stirbt, erbt Therese ein kleines Vermögen und eine Rente.

Titel des Morgenblatts für gebildete Stände 1816
Titel des Morgenblatts für gebildete Stände 1816

Um die Ausbildung ihre Kinder zu finanzieren, bewirbt sich Therese Huber, neben ihrer Tätigkeit als freie Schriftstellerin um Stellungen als Erzieherin. 1816 vertraut der Verleger Johann Friedrich Cotta ihr in Stuttgart die redaktionelle Leitung seiner Zeitung: "Morgenblatt für die gebildeten Stände" an. Sieben Jahre bleibt sie für das vielgelesene Blatt verantwortlich. In Stuttgart gehört die erste Frau in Deutschland, die eine Zeitung leitet, zu den angesehen Persönlichkeiten der Stadt. Ihre letzten Lebensjahre verbringt Therese Huber in Augsburg, bei ihrer Tochter Claire, wo sie am 15.Juli 1829 stirbt. Zum Nachlass der Schriftstellerin gehören Romane und Erzählungen, sowie ein umfangreicher Briefwechsel mit führenden Persönlichkeiten ihrer Zeit.

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