Die Geschichte der Brüder Grimm

Mit unbändigem Wissensdurst in die Welt der Literatur

Begonnen hat die Leidenschaft der Brüder Grimm fürs Sammeln von Geschichten bereits in jungen Jahren. Zu der Zeit leben sie in Steinau, unweit ihrer Geburtsstadt Hanau. Ein Hauslehrer unterrichtet die wissbegierigen Buben in den Fächern Schreiben, Lesen, Religion, Latein und Geographie.

Die Erziehung der beiden Knaben folgt strengen Regeln. Ihr Stundenplan lässt wenig Freiraum. Dennoch sagte Jacob später, in jener Zeit hätten sie viel zuwenig gelernt. Der kränkelnde Wilhelm gilt als hoffnungsloser Träumer. Der ein Jahr ältere Jacob hingegen liebt naturwissenschaftliche Studien. Obwohl er schlechte Augen hat, vergräbt er seinen Kopf meistens in irgendwelche Bücher.

Harter Schlag

Eine behütete Kindheit in wohlgeordneten Verhältnissen. Philipp Grimm war ein gut bezahlter Amtmann. Doch die Idylle wird jäh unterbrochen. Jacob und Wilhelm sind im Alter von 11 und 10, als das Schicksal zuschlägt und der Vater schwer erkrankt. Hilflos erleben sie den Tod des Familienoberhaupts im Jahr 1796. Ein harter Schlag, der die beiden für immer zusammenschweißt. Das Band ihrer gegenseitigen Wertschätzung sollte jeder Zerreißprobe trotzen.

Um den sozialen Abstieg abzuwenden, schreibt Jacob im Namen seiner Mutter und der fünf Geschwister verzweifelt an Henriette Zimmer. Die unverheiratete Tante setzt sich dafür ein, dass die Familie wenigstens eine kleine Rente erhält. Doch das Geld reicht kaum zum Überleben. Jacob und Wilhelm werden deshalb 1798 als Kostgänger zu fremden Leuten nach Kassel geschickt. Auf sich gestellt, müssen sie sich in der ungewohnten Umgebung zurechtfinden. Der einzige Lichtblick: eine fundierte Ausbildung im herrschaftlichen Gymnasium der Stadt, die sie erfolgreich abschließen. Tante Henriette bezahlt.

In Bücher vernarrt

Die neue Heimat bringt ihnen Glück. Getrieben von unbändigem Wissensdurst stürzen sich die Brüder in die Welt der Literatur. Sie lesen unablässig und horten jede Menge Bücher. Was sie sich aus Kostengründen nicht kaufen können, leihen sie aus und schreiben die Texte Wort für Wort ab. Als 1805 der restliche Grimm-Clan nach Kassel zieht, scheint die Welt wieder in Ordnung. Zwar häufen die klugen Köpfe nie ein großes Vermögen an, aber meistens stehen sie als Bibliothekare und Rechtsgelehrte in Lohn und Brot.

Ihre tiefe Verbundenheit dokumentieren zahllose Briefe. In Zeiten der Trennung schrieben sie sich fast täglich: "Wie Du weggingst, da glaubte ich, es würde mein Herz zerreißen. Ich konnte es nicht ausstehen. Gewiss, Du weißt nicht, wie lieb ich Dich habe. Wenn ich abends allein war, meinte ich, müsstest Du aus jeder Ecke hervorkommen", klagt Wilhelm.

Geschichte der Poesie



Die Gemeinsamkeiten liegen so nahe beieinander, dass die Brüder sogar dasselbe Fach studieren - und zwar Rechtswissenschaften in Marburg. Dort eröffnet ihnen der Juraprofessor Carl von Savigny ungeahnte Horizonte. In der Bibliothek des Gelehrten entfacht Jacobs glühendes Interesse für altdeutsche Dichtungen. Er fasst den Entschluss, eine Geschichte der Poesie des deutschen Volkes zu verfassen.

Achim von Arnim und Clemens Brentano gehören schnell zum engen Freundeskreis. Heftig diskutieren die Brüder Grimm mit den Schriftstellern, wie Helden in Erzählungen beschaffen sein sollen. Von Arnim wirft dem gottesfürchtigen Jacob vor, er charakterisiere sie ausschließlich als fehlerfreie Menschen. Er selbst glaube aber, jeder noch so strahlende Held besitze sowohl gute als auch schlechte Eigenschaften.

Vertrauen in Gott

Doch für die Grimms existiert nur eine ideale Besetzung. Eine tugendhafte Seele - gemäß der biedermeierlichen Sittenlehre, die zu jeder Zeit Mitgefühl für andere aufbringt und den Irrungen und Wirrungen des Lebens mutig entgegentritt. Und was auch immer ihr widerfährt, sie vertraut auf die Gerechtigkeit Gottes, der alles zum Guten wendet.


In dieser Gesinnung treiben die beiden Germanisten ihre Sammeltätigkeit voran. Mit historischem Sachverstand arbeiten sie sich durch zahlreiche Volksdichtungen, erforschen die deutsche Sprache und schreiben bislang mündlich überlieferte Geschichten nieder. Insgesamt über 700 Publikationen haben die Grimms auf den Markt gebracht - darunter nordische Epen, Sagen, Balladen und viele Märchen.

Lang gehegter Wunsch



Während ihrer Lehrtätigkeit in Göttingen werden Jacob und Wilhelm auch politisch aktiv. Gemeinsam mit fünf Professoren setzen sie sich für Bürgerrechte ein und verlieren dafür ihren Job.
Die letzte Station führt an die Universität von Berlin. Dort endlich gelingt Jacob Grimm die Erfüllung eines langgehegten Wunsches: Er veröffentlicht die Geschichte der Deutschen Sprache. Seiner Meinung nach ist sie der volle Atem menschlicher Seele, ihre Geschichte der Spiegel des Volkes.

1849 beginnen die großen Denker mit einem weiteren gigantischen Werk, dem deutschen Wörterbuch. Doch sie kommen nur bis zum Begriff "Frucht". Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelangt das Mammutprojekt zum Abschluss. Wilhelm stirbt 1859, Jacob folgt vier Jahre später. In Berlin finden die Verfasser der weltberühmten Märchen die letzte Ruhe.

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