Die goldene Maske

Schliemann findet ein königliches Gräberfeld in Mykene

Das öffentliche Interesse an Heinrich Schliemanns Arbeit ist gewaltig, das Publikum liegt ihm zu Füßen. Doch die wissenschaftliche Akzeptanz fehlt weiterhin. Als Beweis für Homers Troja will Schliemann das Grab des mykenischen Oberbefehlshabers im Krieg gegen Troja finden.

Vermeintliche Maske des Agamemnon Quelle: ZDF

Homer schildert, wie der mykenische König Agamemnon die Griechen mit einer Armada aus über tausend Schiffen über die Ägäis führt. Er kommt nach Troja und rächt den Raub der schönen Helena. Die heutigen wissenschaftlichen Ergebnisse legen jedoch ganz andere Gründe für einen Überfall nahe. Pro Grabungskampagne werden in Troja bis zu zwei Tonnen Scherben aufgelesen. Es sind keineswegs nur Erzeugnisse aus der Region. Im Boden liegen die Überreste von Keramik aus dem gesamten Mittelmeer-Raum - aus Griechenland, Ägypten und Zypern.

Tonscherben Quelle: ZDF

Begehrlichkeiten der Nachbarn

Troja liegt strategisch günstig an den Dardanellen, einer wichtigen Schiffspassage zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Die sagenumwobene Stadt war nach den archäologischen Befunden schon im dritten Jahrtausend vor Christus ein bedeutendes Handelszentrum. Belegt sind Beziehungen bis in das 4000 Kilometer entfernte Afghanistan. Der damit verbundene Wohlstand Trojas weckte sicher Begehrlichkeiten der Nachbarn. Besonders die Mykener gierten nach Vieh, Weideland und den Schätzen der Anrainer. In der Ilias betitelt Achilles ihren Heerführer Agamemnon als den "Habgierigsten Aller".

Für Schliemann war der Grund des Überfalls auf Troja in Homers Versen überliefert: Rache für den Raub der Helena. Und Agamemnon, den Anführer der Griechen, würde er in dessen Heimat finden: Mykene. Anders als bei Troja war der Platz, an dem das alte Mykene liegt, immer bekannt. Mehrere antike Schriftsteller beschrieben den Hügel auf der griechischen Halbinsel Peleponnes als die Burg des Agamemnon.

Hügel Agamemnons Festung Quelle: ZDF

Glück wie kein Zweiter

Für Schliemanns Engagement in Mykene gibt es neben seiner Vision von der historischen Wirklichkeit in Homers Dichtung noch einen weiteren Grund. Mykene war der Überlieferung nach noch reicher als Troja. Und der Schatzsucher hat Glück wie kein Zweiter. 1876 findet er tatsächlich ein königliches Gräberfeld. Der spektakulärste Fund: eine Maske aus purem Gold. Schliemann glaubt, endlich das Antlitz von Agamemnon zu sehen. Mit den Königsgräbern entdeckt Heinrich Schliemann die bis dahin völlig unerforschte mykenische Kultur - und schenkt Griechenland damit tausend Jahre Geschichte.

Nach dem Gold von Troja hatte Schliemann nun auch den größten Goldschatz in der Geschichte Griechenlands entdeckt. Der Mann mit dem genialen Spürsinn liegt allerdings erneut falsch: Agamemnon war es sicher nicht, die goldene Maske gehörte wohl einem bedeutenden König der 400 bis 500 Jahre vor der Zeit des trojanischen Krieges lebte.

Schliemann mit der Goldmaske Quelle: ZDF

Den Zeilen des Dichters vertraut

Für die Existenz Agamemnons fehlt noch immer ein archäologischer Beweis. Ist der Kampf der Griechen um Troja das Produkt von Homers Phantasie - oder hat es den Krieg tatsächlich gegeben? Schliemann hatte den Zeilen des Dichters vertraut und war auf der Suche nach dem Palast des Priamos - ohne es zu realisieren - auf die Überreste eines ersten großen Krieges zwischen Europa und dem Orient gestoßen.

Das Publikum liebt den Außenseiter. Seine Bücher werden Bestseller. Mit einem Urknall befördert er die neue Wissenschaft Archäologie in das öffentliche Bewusstsein. 1881 wird ihm auch die ersehnte wissenschaftliche Anerkennung zuteil. Dank der Fürsprache von Rudolf Virchow wird Schliemann zum Ehrenmitglied der anthropologischen Gesellschaft und zum Ehrenbürger von Berlin ernannt.

Schliemanns Ehefrau Sophia Engastroménou Quelle: ZDF

Der Realität nahe gekommen

Gegen jede Kritik ließ Schliemann den Ur-Mythos des Abendlandes Wirklichkeit werden. Und schuf gleichzeitig seine eigene, phantastische Legende. Die Pointe der Geschichte ist, dass der Besessene bei aller Übertreibung der Realität ziemlich nahe kommt. Als Schliemann Weihnachten 1890 stirbt, weiß er, dass er weder den Schatz des Priamos noch die Maske des Agamemnon gefunden hat. Trotzdem ist er der berühmteste Archäologe der Welt. Seine Frau, die zu Beginn der Ehe "lieber sterben wollte", hält sein Lebenswerk in Ehren. Heinrich Schliemann ist es zu verdanken, dass Troja nicht nur als Mythos weiterlebt, sondern als realer Ort im Atlas der Weltgeschichte zu finden ist.

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