Die Grizzly-Bilder meines Lebens

Rückkehr an den Ort des Bärenkampfs mit spektakulären Aufnahmen

Nach einem Jahr kehre ich wieder dahin zurück, wo der Bärenkampf stattgefunden hat. Nicht einmal mehr ein Knochen liegt von dem alten Bären in den Weidenbüschen. Für die Küstenbraunbären bricht jetzt die Zeit der Fülle an.

Andreas Kieling filmt Bären Quelle: ZDF/Andreas Kieling

Im Spätsommer treffen die großen Lachsschwärme zum Laichen ein. Mit den Lachswanderungen, wie ich sie schon so oft im Inland gesehen habe, ist das nicht zu vergleichen. Hier gibt es kaum Flüsse, die weit ins Inland reichen und keine Stromschnellen, die Lachse überwinden müssen. Die Jagd ist eröffnet, das große Fressen beginnt.

Bär zerlegt einen Fisch Quelle: ZDF

Vom Kopf bis zum Schwanz

Und dann drehe ich die Grizzlybilder meines Lebens: Bilder von den Grizzly-Giganten. Davon hab ich immer schon geträumt, dafür habe ich vieles gewagt und harte Strapazen in Kauf genommen. Die Bären fressen jetzt fast jeden Fisch und zwar vom Kopf bis zum Schwanz. Einige von ihnen bis zu 60 Stück am Tag. Bei den trächtigen Weibchen entscheidet ihr Ernährungszustand, ob die befruchteten Eizellen während der Winterruhe in ihrem Körper absterben oder zu Embryonen heranwachsen. Kein Bär kann es sich jetzt erlauben, wählerisch zu sein.

Am frühen Nachmittag wird es allmählich ruhig in der Bucht. Die meisten Bären haben sich die Bäuche voll geschlagen und zurückgezogen. Nur die beiden Halbstarken rangeln noch im Wasser. Aber auch sie wirken satt und träge. Obwohl die beiden Jungbären schon seit zwei Jahren selbständig sind, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bären-Brüder noch sehr ausgeprägt. Erst wenn sie geschlechtsreif sind, werden sie zu erbitterten Rivalen.

Eine kleine Bärenfamilie

Das Wohl der Jungen geht über alles

Die Mütter können ihre Jungen jetzt mit fettem Fisch und Muttermilch so gut versorgen, dass die Kleinen pro Woche mehrere Kilo an Gewicht zulegen. Einige Bärenkinder wiegen im Alter von nur zehn Monaten schon an die 50 Kilogramm. Trotz des Überflusses an Nahrung sehe ich immer wieder Bärinnen, die sich dennoch um den besten Fischplatz streiten und sich mit Konkurrenten anlegen. Das Wohl ihrer Jungen geht ihnen einfach über alles.

Noch einmal ziehe ich in den ganz hohen Norden: Ich will ins Eisbärengebiet, koste es was es wolle. Ein Grizzly sei dort gesichtet worden. Das wäre wirklich sehr ungewöhnlich. Dieser Beruf ist für mich nicht nur irgendein Beruf: er bedeutet Abenteuer, Leidenschaft und Herausforderung. Das ist der eigentliche Grund, warum ich mich immer wieder so quälen kann und diesen hohen Einsatz bringe. Und wenn ich hier draußen bin, dann denke ich überhaupt nicht darüber nach, wie schwer es ist und was ich mir da antue. Sondern dann habe ich ein Ziel, und das will ich erreichen. Fast nichts kann mich davon abhalten.

Eisbär Quelle: ZDF

Bei minus 40 Grad hört der Spaß auf

Der erste Eisbär taucht auf. Aber von einem Grizzly ist weit und breit nichts zu sehen. Der Polarbär hat mich noch nicht wahrgenommen. Es ist Zeit, einen sicheren Platz für mein Zelt zu suchen. Bei minus 40 Grad Celsius hört der Spaß auf. Bei dieser Temperatur sind natürlich auch kleinere Blessuren mit einzukalkulieren: Erfrorene Nasenspitze, die Wange weiß. Wenn man sich vorstellt, dass hier zwei, ja dreihundert Kilometer im Umkreis nichts ist, keine Straße keine Siedlung, kein Haus, fällt es einem nicht immer leicht, durchzuhalten. Selbst mir jagt das manchmal einen gewaltigen Schrecken ein.

Ende Oktober, nimmt das Sonnenlicht täglich mehr als 20 Minuten ab. In wenigen Wochen wird die Sonne gar nicht mehr am Horizont erscheinen. Sechs Monate dauert hier der polare Winter. Obwohl ich ein großes Feuer entfacht habe, lockt mein Essen einen gewaltigen Polarbären an. Der Herrscher der Arktis kennt keine Angst. Und mein Bärenabwehrspray ist eingefroren. Durch laute Rufe und wildes Gestikulieren versuche ich, den Bären auf Distanz zu halten. In dieser Nacht mache ich kein Auge zu. Ich beschließe, diese Expedition abzubrechen. Ich bin einfach zu spät gekommen. Und doch weiß ich genau, hierher kehre ich zurück. Aber das ist eine andere Geschichte, die mich nördlich des 65. Breitengrades zu den Eisbären führen wird.

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