Die große Herausforderung

1951: Erkundung der Südroute

Der Mount Everest hat bis in eine Höhe von etwa 8850 Meter schroff aufragende Felsen, Eis und Schnee. Im Winter sinkt die Temperatur manchmal auf minus 60 Grad. Im Sommer können an einem einzigen Tag bis zu drei Meter Neuschnee fallen: ein echtes Wagnis.

Der Everest liegt an der Grenze zwischen Nepal und Tibet. Er spielt vor allem in der Geschichte des britischen Bergsteigens eine besondere Rolle. Um 1850 wird der Felsriese zum ersten Mal vermessen - von einer Expedition aus Großbritannien. Sie stufen ihn als höchsten Berg der Erde ein. Er erhält den Namen des ehemaligen General-Landvermessers, Sir George Everest. 70 Jahre später sichern sich britische Diplomaten von der tibetanischen Regierung die Erlaubnis für die erste einer Reihe von Expeditionen.

Ganz Großbritannien besessen

Vor dem Zweiten Weltkrieg gibt es keinen Wettlauf um den Everest, weil andere Nationen nicht nach Tibet einreisen dürfen. Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg führen die Briten sieben Expeditionen durch, aber keine erreicht nachweislich das Ziel. Im Jahr 1924 verschwinden George Mallory und Andrew Irvine - nachdem sie knapp unterhalb des Gipfels gesehen wurden. Seitdem ist ganz Großbritannien besessen von dem Gedanken, den dritten Pol als Erste zu erobern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ändern sich die politischen Verhältnisse. 1950 marschieren Truppen der Volksrepublik China in Tibet ein. Damit ist die traditionelle Nordroute zum Mount Everest abgeschnitten. Als die eine Tür versperrt wird, öffnet sich eine andere. Viele Jahrhunderte lang war das geheimnisvolle Königreich Nepal Fremden verschlossen geblieben. Zu Beginn der fünfziger Jahre liegt Nepal hermetisch abgeschieden. Nie zuvor durften sich Bergsteiger dem Mount Everest von Süden aus nähern. Doch ein paar Luftaufnahmen wurden bereits gemacht. Sie zeigen einen möglichen Weg zum Gipfel.

Expedition ins Unbekannte

1951 erhält eine kleine Gruppe von Briten die exklusive Erlaubnis der nepalesischen Behörden, die erste Erkundung der Südroute durchzuführen. Der legendäre Eric Shipton leitet die Expedition ins Unbekannte. Shipton nahm an vier Vorkriegsexpeditionen teil. Ein alter Hase, der genau weiß, dass die Südroute ganz andere Anforderungen an die Bergsteiger stellt.

Von Norden her gesehen, steht der Mount Everest allein, inmitten des tibetanischen Plateaus. Die Route zum Gipfel ist relativ steil. Der Weg auf nepalesischer Seite scheint deutlich flacher und damit leichter zu sein, doch der Schein trügt. Am Fuß des Berges versperrt ein riesiger, geborstener Gletscher den Weg: der berüchtigte Khumbu-Eisfall. Shipton glaubt zunächst nicht, dass sein Team die 700 Höhenmeter durch die gewaltigen Eisbrocken überwinden kann. Aber nach mehreren, nervenaufreibenden Versuchen gelangen sie zur Spitze des Eisbruchs. Dort zwingt eine riesige Gletscherspalte die Expedition zur Umkehr. Dennoch ist Shipton davon überzeugt, dass auch von Nepal aus der Gipfelsturm möglich ist.

Alarmierende Neuigkeiten

Shipton will 1952 einen neuen Versuch starten, aber in London erwarten ihn alarmierende Neuigkeiten. Nepal erlaubt nur eine Expedition pro Jahr - und die Schweizer haben für 1952 die Genehmigung erhalten. Das britische Everest-Komitee versucht, die Schweizer zu einer gemeinsamen Expedition unter der Leitung von Eric Shipton zu überreden. Aber die Eidgenossen entscheiden sich für den Alleingang.

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