Die Große Nordische Expedition

Eine Vision Peters des Großen

Als Peter der Große 1689 an die Macht kam, begann er über ein Land zu herrschen, über dessen Ausmaße niemand genau Bescheid wusste. Sibirien war zwar für die Krone erobert, doch der achte Kontinent war noch voller weißer Flecken.

Es gab so gut wie keine Landkarten, von Kenntnissen um die Reichtümer unter der Erde ganz zu schweigen. Sibirien musste gründlichst erforscht werden, sollte es auf Dauer für Russland von Nutzen sein. So Peters Vision.

Venedig des Nordens

Sankt Petersburg an der Newa wurde 1703 von Peter dem Großen in den nordischen Sümpfen gegründet. Der Bau dieser Stadt nach europäischem Vorbild brachte Russland an den Rand des Ruins. Doch Peters Erben bauten sie noch prächtiger aus. Ausländische Baumeister hatten diese Pracht entfaltet. Doch dem russischen Volk keine Ruhmeshalle errichtet. Unzählige Menschen mussten bei diesem gigantischen Bauvorhaben ihr Leben lassen. Entstanden ist eine Fata Morgana in Russlands Norden, seit 1712 auch die Residenz der Zaren.



Der Stadtgründer Peter der Große war ein ungestümer Herrscher und voller Tatendrang. Es war seine Stadt. Doch er hatte noch Größeres vor. In den Archiven der von Peter gegründeten Akademie der Wissenschaften am Ufer der Newa lagern die kostbaren Bestände eines der größten Unternehmen, das je in der Weltgeschichte gestartet wurde: Die Große Nordische Expedition.

Peters Vermächtnis

Das Ziel der Expedition lautete Sibirien, der achte Kontinent. In den Archiven findet man alte Landkarten über sibirische Flussläufe mit dem exakten Uferverlauf des Baikalsees. Und eine Festschreibung der sibirischen Grenzen. Dazwischen die Blätter der "Flora Sibirica", eines gewissen Johann Georg Gmelin. Stiche sibirischer Pflanzen und die Aufzeichnungen von Gerhard Friedrich Müller. Es war sein Vermächtnis, auch wenn Peter der Große es selbst nicht mehr erlebte.

An der Vorbereitung der Großen Nordischen Expedition waren unzählige Menschen beteiligt, die oft genug gegeneinander arbeiteten und viele Entscheidungen erschwerten. Zum Planungsstab gehörten Angehörige des Admiralitätskollegiums, Mitglieder des Senats und der noch auf Initiative von Peter dem Großen 1725 gegründeten Akademie der Wissenschaften.

Hoch motivierte Männer

Die Regierungszeit Annas I. (1730 - 1740) erwies sich für die Durchführung eines so gigantischen Vorhabens als günstig. In politischen Dingen war ihre Herrschaft recht rückschritlich, doch zahlreiche Fortschritte auf kulturellem und vor allem wissenschaftlichem Gebiet sind nicht von der Hand zu weisen. 1733 startete in Sankt Petersburg eine Expedition hoch motivierter Männer nach Sibirien unter der Leitung des Dänen Vitus Bering. Die Große Nordische Expedition wurde in der Tat ein spektakuläres Unternehmen, auch hinsichtlich der Kosten, die 360.000 Rubel betragen haben sollen - eine fast unvorstellbare Summe in der damaligen Zeit.



Und eine gigantische Leistung in diesem noch immer kaum erschlossenen Land, in dem alle logistischen Probleme fast nur auf den Flüssen zu bewältigen waren. Mehr als tausend Menschen waren an der Expedition beteiligt. Von den Hilfskräften vor Ort ganz zu schweigen. Aus den frühen Kosakenfestungen waren inzwischen Dörfer und kleine Städte entstanden. Sie waren seltene Orientierungspunkte in der schier endlosen Weite.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet