Die große Polar-Schmelze

Fuchs-Expedition dient auch der Klimaforschung

Neben eigenen Expeditionszielen hat sich Arved Fuchs auch den Schutz der Polarregion auf die Fahne geschrieben. Seit Jahren arbeitet der Deutsche eng mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen zusammen. Dabei spielt die Klimaforschung eine wesentliche Rolle.

Schmelzeis vor der Küste Spitzbergens Quelle: ZDF

Durch den stetigen Anstieg der Temperatur um knapp ein Grad Celsius pro Jahr ist das Eis der Arktis seit 1979 auf Rekordniveau geschrumpft. Für die Erde eine Katastrophe. In internationalen Projekten soll das Ausmaß des Klimawandels festgestellt werden. Gegenmaßnahmen kommen womöglich zu spät, befürchten die Experten. Der Wettlauf gegen die Zeit hat längst begonnen.

Karte zurückgehende Eisschicht auf der Nordhalbkugel Quelle: ZDF

Wertvolle Quellen

Dr. Dirk Notz vom Max-Planck-Institut sucht nach neuen Erkenntnissen über die Auswirkung der großen Schmelze. Der wissenschaftlichen Arbeit von heute helfen die ausführlichen Berichte und Bilddokumente vergangener Forschungsreisen. Die wertvollen Quellen liefern Vergleichsdaten aus unterschiedlichen Phasen der Veränderung.

100 Seemeilen nördlich der Sorge-Bay werden neue Proben genommen. Daraus entwickelt Dr. Notz später Daten für spezielle Computerprogramme. Sie sollen die künftige Entwicklung des Erdklimas berechnen. Da sich die Schmelze auf das globale Klimasystem nachhaltig auswirkt, ist eine Analyse des Drifteises die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen.

Bohrkern aus Eis Quelle: ZDF

Rasantes Tempo

Aus den Schollen die richtige zu wählen, fällt selbst den Profis nicht leicht. Schließlich muss sie einen Mann samt Ausrüstung tragen. Noch nie war das Meereis so durchlöchert wie im Sommer 2007. Das Tempo, mit dem der arktische Eispanzer schmilzt, nimmt seit Jahren rasant zu - nicht ohne dramatische Folgen. Mit einer Kernbohrung versucht Dr. Notz, dem Klimaproblem auf die Schliche zu kommen.

Fast unvorstellbar, wie viele Informationen in einem unscheinbaren Stück Meereis stecken. Nicht nur sein Salzgehalt gilt als wichtiger Indikator für die Klimaentwicklung weltweit. Auch unterschiedliche Temperaturen können im gefrorenen Material gemessen werden und geben Aufschluss über den Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre. Auf den Experten wartet noch eine Menge Detailarbeit, bis er aussagekräftige Ergebnisse in Händen hält. Dafür braucht er einen langen Atem. Wie viele andere, gehört auch Dr. Notz zu den stillen Stars der Wissenschaft - im unermüdlichen Einsatz für die Rettung der Erde.

Das Meer ist offen

Im September 2007 - dem gleichen Monat, in dem Ritscher damals schon unterwegs war, - ähnelt die Polarregion kaum noch einer weißen Winterlandschaft. Die aktuellen Eiskarten belegen: Das Meer ist offen. Nie zuvor konnte ein Motorsegler so dicht an den Nordpol heranfahren. Ein zweifelhafter Rekord. Die kommerzielle Nutzung der Nordost-Passage, von der Herbert Schröder-Stranz einst träumte - im 21. Jahrhundert rückt sie in greifbare Nähe.

Aktuelle Eiskarte Quelle: ZDF

Vielleicht fahren schon bald Handelsflotten durchs Polarmeer, um in Sibirien Ladung aufzunehmen oder zu löschen. So verheißungsvoll die Vision in den Ohren der internationalen Wirtschaftssyndikate auch klingen mag, so zerstörerisch - daran besteht kein Zweifel - wirken sich die Folgen für die Umwelt aus. Die Aufgabe der Wissenschaftler lautet also, erfolgreiche Konzepte zur Schadensbegrenzung zu entwickeln.

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