Die großen Stämme der Indianer

"Rothäute" auf verlorenem Posten

Als sich die ersten weißen Siedler in Amerika niederlassen, ist der neue Kontinent keineswegs menschenleer. Die indianische Bevölkerung Nordamerikas zählt zu dieser Zeit bis zu einer Million Menschen. Sie verteilen sich auf mehr als 500 Stämme, deren Lebensweisen sich unterscheiden. Gemeinsam fühlen sie sich als Teil der Natur. Die Indianer wollen ihren Kontinent nicht besitzen. Sie sehen sich als seine Kinder.

Die Irokesen

Indianer beim Fischen
Indianer beim Fischen Quelle: ZDF

Häuptling Hiawatha vom Volk der Onondaga gründet 1570 aus sechs untereinander verwandten Stämmen, darunter die Mohikaner und die Seneca, den mächtigen Bund der Irokesen, auch "die sechs Nationen" genannt. Ursprünglich gehören sie zu den Waldindianern auf dem Gebiet des heutigen Staates New York. Sie leben in festen Dörfern vom Ackerbau, vom Handel und von der Jagd. Als Händler befahren sie die großen Flüsse mit ihren aus Baumrinde gebauten Kanus. Schon zur frühen Kolonialzeit werden sie im englisch-französischen Konflikt zu Verbündeten der Engländer - auch, weil ihre Todfeinde, die Huronen, auf Seiten der Franzosen stehen.

Irokesen
Irokesen Quelle: ZDF

Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) kämpfen die Irokesen mit den Briten und müssen nach der Niederlage ihre Heimat verlassen. Die meisten von ihnen gehen nach Kanada, wo ihre Nachkommen heute nördlich des Ontariosees leben. Andere gehen in den Süden und erleiden dort das gleiche Schicksal wie alle Stämme im mittleren Westen der USA.

Die Mandan

Die Mandan sind Prärieindianer und gehören zur Sprachenfamilie der Sioux. Sie leben als sesshafte Ackerbauer in der Prärie in festen Siedlungen in den heutigen Bundesstaaten North Dakota und South Dakota. Lewis und Clark begegnen den Mandan auf ihrer ersten Erkundungsfahrt zum Pazifik (1804-1818). Sie loben die Gastfreundschaft und beschreiben eine reiche, fremdenfreundliche Kultur, die neun große Siedlungen verbindet. 1832-1834 besuchen der deutsche Prinz Maximilian zu Wied und sein Malerfreund Carl Bodmer den Stamm der Mandan und werden herzlich aufgenommen. Ihr Bericht und die Bilder des Malers prägen nachhaltig die Vorstellungen Europas vom Leben in der Prärie. Später, erst wenige Monate zurück in Deutschland, erhält der Prinz Nachricht aus Amerika von einer Tragödie. Eine von Händlern eingeschleppte Pockenepidemie dezimiert innerhalb von Wochen den Stamm der Mandan bis auf weniger als hundert Überlebende. Ihr Häuptling, Mato Topah, stirbt, nachdem er zuvor seine Familie und fast alle Menschen seines Dorfes eigenhändig beerdigt hat.

Die Shawnee

Tod durch Seuchen
Tod durch Seuchen Quelle: ZDF

Die sesshaften Jäger und Ackerbauern gehören zur großen Sprachenfamilie der Algonkin, deren unterschiedliche Stammesverbände in den nordöstlichen Waldgebieten Amerikas leben. Zu ihnen gehören unter anderen die Blackfoot, Cheyenne, Cree, Delawaren und Arapaho. Die Shawnee verbringen den Sommer in großen, mit Baumrinde gedeckten Häusern nahe ihren Feldern. Im Winter wechseln sie in kleineren Gruppen in ihre Jagdlager. Die Irokesen verdrängen die Shawnee im 17.Jahrhundert aus dem Ohio-Tal. Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg halten die Shawnee zu den Briten. Nach der Niederlage sind sie auch in ihrem neuen Siedlungsgebiet östlich des Mississippi nicht mehr lange sicher. Ihr großer Häuptling Tecumseh bringt noch einmal eine starke Koalition von Indianerstämmen zusammen, die sich der amerikanischen Westexpansion in den Weg stellt. Nach Tecumsehs Tod und der vernichtenden Niederlage am Tippecanoe (1811) zerfällt mit der Koalition auch der Stamm der Shawnee.

Die Cherokee

Im Südosten Nordamerikas beheimatet, gehören die Cherokee zur Sprachfamilie der Irokesen. Beeinflusst von der Mississippi-Kultur, leben sie bei Ankunft der Europäer in Blockhäusern und Dörfern hauptsächlich vom Ackerbau. Mais, Bohnen und Tabak bringen reiche Ernten. Freundlich gegenüber den Siedlern aus Europa, unterstützen sie die Amerikaner und kämpfen an ihrer Seite. Mischehen mit Weißen sind bei ihnen nicht selten. Sie erkennen die Regierung der Vereinigten Staaten an. Die Cherokee lernen Handwerkstechniken der Weißen, schicken ihre Kinder auf Missionsschulen und viele bekennen sich zum Christentum.

Cherokee besuchen Missionsschulen
Cherokee besuchen Missionsschulen Quelle: ZDF

Sequoya, der Sohn eines Deutschen und einer Häuptlingstochter entwickelt das erste indianische Alphabet. Die meisten Cherokee beherrschen es in kurzer Zeit. Und mit dem "Cherokee Phoenix" erscheint die erste indianische Zeitung. Obwohl die Cherokee dem Präsident helfen, Florida zu gewinnen und die Seminolen zu besiegen, und obwohl sie vor amerikanischen Gerichten erfolgreich klagen, zwingt Präsident Andrew Jackson die Cherokee zur Aufgabe ihrer Heimat und schickt sie im Winter 1838/39 auf den "Pfad der Tränen" nach Oklahoma.

Die Sioux

Die Stämme der Sioux bilden den zweitgrößten Sprachenkreis der nordamerikanischen Indianer. Zu ihnen gehören neben anderen: die Assiniboin, Mandan, Crow, Osagen, Winnebago und als die berühmtesten, die Dakota. Ihr Siedlungsgebiet reicht vom Mississippi bis zu den Rocky Mountains. Während die Mandan Ackerbauern bleiben, werden die Dakota durch die Bekanntschaft mit Pferden und Feuerwaffen zu gefürchteten Reiterkriegern. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg sind die freien Stämme der Prärie die letzten Indianer, die der vollständigen Herrschaft der Siedler im Wilden Westen Amerikas im Wege stehen. Als weiße Goldsucher in die den Indianern heiligen Black Hills eindringen, gelingt es Sitting Bull, dem Häuptling und Medizinmann der Hunkpapa-Teton-Dakota, eine Allianz der letzten frei lebenden Stämme zusammenzubringen. Die Schlacht am Little Big Horn, am 26.Juni 1876, ist ihr letzter großer militärischer Sieg. 1890 beendet das Massaker der US-Armee am "Wounded Knee" die Indianerkriege.

Die Apachen

Die Apachen und die mit ihnen verwandten Kiowa durchqueren im 13. Jahrhundert Nordamerika von Nord nach Süd und siedeln in den trockenen Regionen des Südwestens. Sie leben in kleinen Gruppen und lernen von den Pueblo-Indianern Weben und Korbflechten. Nur zu kriegerischen Unternehmungen schließen sie sich unter einem Häuptling zusammen. Als sich einige von ihnen 1680 am Aufstand der Pueblo-Indianer gegen die Spanier beteiligen, gelangen sie in den Besitz von Pferden und Gewehren. Den Amerikanern, die auf der Suche nach neuem Weideland und Bodenschätzen in ihre Stammesgebiete an der Grenze zu Mexiko eindringen, leisten die Apachen ebenso wie die Navajos erbitterten Widerstand. Zu einem Schreckgespenst für die Weißen wird der berühmte Häuptling Geronimo. Nachdem Soldaten 1858 seine Familie getötet haben, führt er mit seinen Kriegern einen beinahe 20 Jahre dauernden Kleinkrieg gegen Amerikaner und Mexikaner. Es ist der längste Feldzug der amerikanischen Armee gegen Indianer. Geronimo stirbt 1909 in einem Militärgefängnis. Sein Volk lebt da bereits seit 30 Jahren im Reservat.

Seminolen

Die Seminole gehören zu den indianischen Völkern, die bereits früh Kontakt zu den Einwanderern aus Europa aufnehmen und versuchen, von den neuen Mitbewohnern zu lernen. Ihr ursprünglicher Lebensraum ist Florida. In kleinen Gruppen gelang es ihnen, ihre Lebensweise an die schwierige Umwelt der Everglades anzupassen. Jagd, Fischfang und ein wenig Ackerbau bilden ihre Lebensgrundlage. Im 18. Jahrhundert schließen sich versprengte Familien der Cree den Seminolen an und viele entflohene Sklaven. Unter dem wachsenden Druck amerikanischer Angiffe (1817 und 1835 ) entscheiden sich die Seminolen unter ihrem Häuptling Osceola zum Widerstand. Als Osceola jedoch in einen Hinterhalt gelockt wird und stirbt, geben die meisten von ihnen auf. Sie teilen das Schicksal der Cherokees, die eben noch für die Amerikaner gegen sie gekämpft haben, auf dem "Pfad der Tränen". Viele sterben, bevor das Ziel Oklahoma erreicht ist. Kleine Gruppen der Seminolen ziehen sich jedoch in die Sümpfe zurück. Erst um 1930 schließt die Regierung der USA mit ihnen Frieden.

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