Die Höllenfahrt beginnt

Fangboote als Rettung

Die drei kleinen Fangboote können nur 200 Pfund Schiffszwieback und 270 Liter Wasser aufnehmen. Sie setzen Behelfssegel und erhöhen die Dollbords, um die Boote besser vor überlaufendem Wasser zu schützen. Um sie herum - tausende Kilometer Wasserwüste.

Kapitän Pollard will mit Hilfe der Passatwinde die polynesischen Inseln ansteuern. Tahiti liegt 3000 Kilometer im Südwesten.

Autorität untergraben

Aber wieder einmal untergräbt Owen Chase die Autorität seines Vorgesetzten. Er hat Gerüchte gehört, dass auf den Inseln Kannibalen leben sollen. Seltsam, dass die Männer aus Nantucket nicht wissen, dass Tahiti schon vor 50 Jahren entdeckt wurde. Kapitän Cook war hier - und Missionare haben den Polynesiern längst jede wilde Ursprünglichkeit ausgetrieben. Kurs Polynesien, das hieße Rettung.

Aber Chase und der zweite Maat schlagen einen südöstlichen Kurs vor: Richtung Chile. Das heißt, die doppelte Strecke zurück legen und gegen vorherrschende Strömungen und Winde segeln. Wieder ist der Kapitän unschlüssig und unterwirft sich schließlich. Die Männer werden auf drei Boote verteilt. Pollard wählt drei Seeleute aus Nantucket aus. Chase fährt mit den übrigen weißen Kameraden. Der zweite Maat muss die schwarzen Männer übernehmen. Ohne Navigationsinstrumente haben sie kaum eine Chance zu überleben.

Unerträglicher Hunger, quälender Durst

22. November 1820: Nur widerwillig verlassen die Schiffbrüchigen das Wrack der "Essex", seit über einem Jahr ihr einziges Zuhause. Ausgesetzt sein in winzigen Nussschalen, mitten im Ozean, ist der Albtraum eines jeden Seemanns. Gerade einmal sechs Tage sind sie auf See, da scheint sich die Natur erneut gegen die ausgesetzten Männer zu verschwören. In gespenstischer Nacht wird Pollards Boot von einem Orca angegriffen, einem Killer-Wal. Innerhalb weniger Tage verdirbt überschlagendes Meereswasser einen großen Teil des Schiffszwiebacks. Jeder Bissen ist salzig und verschlimmert nur noch den quälenden Durst. In der dritten Woche geht die Verpflegung zur Neige. Sengende Sonne dörrt die Männer aus, kein Fisch beißt an. Der nagende Hunger wird unerträglich.

Nach einem Monat qualvoller Fahrt sind nur noch ein paar Krümel Schiffszwieback übrig - und wenig Hoffnung. Endlich ist Land in Sicht. Aber Land, das sie nicht angesteuert haben. Ungünstige Winde und Meeres-Strömungen haben die Boote nach Südwesten abdriften lassen. Henderson-Island, ein winziges Korallen-Atoll: 50 Quadratkilometer Sand- und Buschland. Ist das Eiland die Erlösung? Sie fangen Seevögel, sammeln Krabben und Muscheln und glauben sich im Schlaraffenland. Aber die Glückseligkeit scheint nur vorgegaukelt. Wenn die Gestrandeten nicht schnell Wasser finden, ist ihr Schicksal besiegelt.

Innerhalb von fünf Tagen haben die Männer jedes greifbare Lebewesen verspeist. Sie haben nur einen Hoffnungsschimmer. Günstige Winde könnten die Boote bis zur winzigen Osterinsel treiben: 1000 Kilometer weit im Osten. Drei Männer entscheiden sich, auf der Insel zu bleiben. Der Rest der Mannschaft hofft auf ein Wunder. Auch wenn sie sich gegenseitig Trost spenden, glaubt doch insgeheim keiner, den anderen jemals wieder zu sehen.

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