Die Kammer des Königs

Hohlraum entpuppt sich als Sensationsentdeckung

Beim Verfolgen eines Korridors im Königspalast macht das Grabungsteam einen überraschenden Fund. Ein Hohlraum entpuppt sich als Zugang zur Grabkammer des Königs mit vielen Schätzen.

Das Bild von Qatna als Großmacht des Alten Orients ergibt sich aus einem neu erstellten Grundriss. Aus der Vorlage wollen 3D-Spezialisten und Architekten den Palast rekonstruieren. Die Bezeichnungen der zentralen Räume entlehnen sie der ähnlich aufgebauten Anlage von Mari.

15 Meter hohe Säulen

Die weite Audienzhalle mit dem zeremoniellen Feuer in der Mitte beherrschen 15 Meter hohe Säulen aus Zedernholz - als Stützen für eine Dachkonstruktion. In der nordöstlichen Ecke unterhielten die Priester eine Kultstätte. So die Annahme der Archäologen, die an der Stelle entsprechende Fundstücke geborgen haben. Gleich hinter einem prunkvollen Portal liegt der Thronsaal. Dort erledigte der König die Staatsgeschäfte. Direkt daneben ein zweiter, noch größerer Thronsaal.

Der eigentliche Coup aber: Er hat einen besonderen Ausgang. Dahinter eine Treppe. Sie führt zu dem langen Korridor, in dem das Tontafelarchiv geborgen wurde. Spuren an den Seitenwänden lassen auf eine Türkonstruktion schließen. Im weiteren Verlauf schließlich Vertiefungen für Deckenbalken. Der Gang muss einst unterirdisch verlaufen sein. Allmählich abfallend - über eine Distanz von vierzig Metern. Doch wo endet der Weg?

Eine Sensation bahnt sich an

Wenige Tage vor dem Ende der Herbst 2002-Kampagne schaffen sich die Arbeiter Meter für Meter durch den Gang voran. Plötzlich geht es steil nach unten. Es scheint, als sei das Ende der Wegstrecke erreicht, doch an der Wand gibt auf einmal das Erdreich nach. Grabungsarbeiter Suleyman Scheichmus riskiert einen ersten Blick. Vor seinen Augen ein Hohlraum, aber mehr kann er auf Grund der Tiefe zunächst nicht erkennen. Doch eine Sensation bahnt sich an.



Zunächst wird links in einer Ecke ein Sarkophag sichtbar, bei genauerer Untersuchung des Hohlraums ein Kopf aus Basaltstein direkt neben dem Eingang zur Grabkammer. Behutsam schälen sie ihn aus dem Sand. Auf der anderen Seite: eine weitere Büste. Insgesamt holen sie zwei große Statuen ans Licht. Sie messen knapp über einen Meter und sitzen auf einem hockerartigen Thron, gekleidet in Mäntel mit wulstigem Saum. Eine typische Darstellung, wie sie auf Siegeln vorkommt. In der Hand halten sie eine flache Schale. Dort legten die Untertanen ihre Opfergaben hinein. Die stattlichen Figuren sind Bildnisse von Königen.

Tückischer Feind

Seit dem großen Brand von Qatna lag die Kammer unter Schutt verborgen. Viertausend Jahre lang - so die Hoffnung - hat sie niemand betreten. Doch die Wissenschaftler können noch nicht ins Innere, denn dort lauert ein tückischer Feind - der Schimmelpilz. Deshalb muss die Grabstätte über mehrere Tage belüftet werden. Sonst droht Lebensgefahr.


Die losen Gesteinsbrocken im Eingangsbereich machen die Männer stutzig und lassen Zweifel aufkommen. Sind sie doch nicht die ersten? Keine ordnungsgemäße Zusetzung, keine Spuren von einer Tür, keine Sicherung. Das kann nur bedeuten, dass bereits vor dem Untergang des Palastes das Königsgrab offen stand - für jedermann zugänglich. Auch für Grabräuber.

Chaos in der Gruft

Das Team aus Deutschland will nicht glauben, was es sieht. In der Gruft herrscht Chaos. Hinten in der Ecke ein Sarkophag - ohne Deckel. Gesteinstrümmer überall auf dem Boden verstreut. Doch allmählich offenbart sich den Forschern ein anderes Bild.
Auf einer Alabastervase befindet sich die Inschrift "Sohn des Re, König von Ober- und Unterägypten" - die Titulatur des Pharao Amenemhat III. Mitten zwischen Schutt und Scherben entdecken Pfälzner und seine Leute eine Kostbarkeit nach der anderen. Kleinfunde zwar, doch bedeutsam für die spätere Beschreibung und Beurteilung des Totenkults von Qatna. Je mehr die Wissenschaftler entdecken, desto mehr wird das Grab für sie zum offenen Buch.



Ein Beschlag aus massivem Gold - mit Kampf- und Jagdmotiven. Wahrscheinlich schmückte er einst einen Pfeil-Köcher. Eine Rosette aus Lapislazuli, Karneol und Gold. Nach der Restaurierung entfaltet das filigrane Schmuckstück seine ganze Schönheit. Aus dem schimmernden Metall eine Plakette mit einem Motivkranz aus Greifenvögeln. Im 2. Jahrtausend vor Christus zierte sie die Kleidung eines Königs.

Goldschmiedkunst in Vollendung

Grabräuber hätten keinen der Schätze liegen lassen. Schon gar nicht das Entenpaar. Das Figürchen bekrönte einmal einen hölzernen Armreif oder bildete den Griff eines Schminkdöschens. Der Schnabel und die Federn sind bis ins Detail naturgetreu heraus gearbeitet. Goldschmiedekunst in Vollendung. Insgesamt mehr als zweitausend Einzelfunde.

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