Die Kölner Dauer-Baustelle

Seit 760 Jahren entsteht der Lieblingsdom der Deutschen

Die Bauarbeiten an der drittgrößten Kirche der Welt beginnen im Jahr 1248 - und dauern immer noch an. Zum Glück für die Menschheit, denn die Kölner sind überzeugt, dass die Welt untergeht, sollte die Kathedrale eines Tages fertig sein. Damit ist nicht zu rechnen: Sind die Handwerker an einer Ecke des Doms fertig, können sie gerade wieder an der anderen anfangen.

Baugerüst am Kölner Dom
Baugerüst am Kölner Dom

80 Fachleute gehören zum Team der Dombaumeisterin Professor Barbara Schock-Werner. Seit zehn Jahren stellt sich die studierte Architektin und Kunsthistorikerin und erste Frau auf diesem Posten der enormen Herausforderung, den Kölner Dom vor dem Verfall zu bewahren. Besonders die zunehmende Umweltverschmutzung und der saure Regen machen ihr schwer zu schaffen: "Alle gotischen Kirchen haben einen bedeutend größeren Erhaltungsaufwand, weil sie eine so große komplizierte Oberfläche haben, das heißt eine Oberfläche an der sehr viel kaputt gehen kann. Die ganzen zerstörten Teile müssen erneuert werden, andere versuchen wir durch Konservierung, durch Festigung zu retten." Dombaumeisterin Prof. Barbara Schock-Werner über die besondere Dachkonstruktion des Kölner Doms.

Doch auch der ganz normale Verwitterungsprozess der Steine verlangt das Können von Experten. Durch die Jahrhunderte lange Bauzeit sind acht unterschiedliche Haupt-Steinsorten zum Einsatz gekommen - und jede von ihnen muss anders behandelt werden. So könnte beispielsweise der Griff zum falschen Konservierungsmittel fatale Folgen haben. Daher lautet das Prinzip von Barbara Schock-Werner: "Es gibt kein Rezept, sondern man muss jedes Mal nachdenken."

Umstrittenes Fenster

Seit fast acht Jahrhunderten fasziniert auch das Innere des Doms. Staunend betrachten heutzutage täglich bis zu 25.000 Besucher die hell strahlenden Meisterwerke gotischer Glasmalerei. Doch Feuchtigkeit und der Dreck der Umwelt bedrohen die fragile Kunst. In der zur Dombauhütte gehörenden Glaswerkstatt konservieren und restaurieren zehn Spezialisten die historischen Glasmalereien. Viele der Kirchenfenster werden unter der Leitung der Kunsthistorikerin Ulrike Brinkmann repariert, darunter auch so genannte Stifterfenster, einst gespendet vom Adel oder wohlhabenden Kaufleuten.

Von den 8000 Quadratmetern historischer Fenster lassen sich allerdings nicht alle restaurieren. Einige sind komplett zerstört und müssen durch neue ersetzt werden. Kunstglaser rekonstruieren diese dann nach alten Vorlagen - oder es werden zeitgenössische Künstler mit der Gestaltung beauftragt. So ist im Südquerhaus auch ein riesiges abstraktes Bild entstanden. Das aus mehreren tausend Quadratfeldern zusammen gefügte Fenster von Gerhard Richter hat zur Eröffnung 2007 für heftige Kritik gesorgt. Sie ist längst verstummt.

Mittelalterliche Statik

Da der Kölner Dom auf einer schon Jahrhunderte lang als Kultstätte genutzten Fläche steht, bietet er auch reichlich Betätigungsmöglichkeiten für Archäologen. Das Reich von Grabungsleiter Dr. Georg Hauser liegt neun Meter unter dem Kirchenboden. In der Unterwelt des Doms stapelt sich jahrtausende alte Geschichte - eine riesige archäologische Landschaft tut sich auf. Ganz unten: die Reste der Römerzeit. Knapp darüber: die Grundmauern karolingischer Bauten und die Mauern und Böden der Vorgänger-Kirchen.

Barbara Schock-Werner über das Fundament des Kölner Doms

"Das ist das Glück für uns Archäologen, dass man, wenn man eine neue Kirche gebaut hat, nicht erst mal Tabula Rasa gemacht hat, sondern wirklich viele Reste stehen gelassen hat, ja sogar aus ökonomischen Gründen manchmal alte Fundamente wieder weiter benutzt hat und mit der Fußbodenhöhe eben entsprechend höher gekommen ist und etwas in der Erde gelassen hat," freut sich der Archäologe über die zahlreichen Funde. Spätestens seit dem sechsten Jahrhundert werden an dieser Stelle Kirchen erbaut, abgerissen, erneuert. Gigantisches haben die Wissenschaftler freigelegt, auch das mittelalterliche Fundament: Es ist 11 Meter dick und 16 Meter tief. Hier zeigt sich die Umsicht mittelalterlicher Stadtbauer - anders als heute ...

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