Die Krimgoten

Auf der Suche nach einem besseren Leben

Auch die Goten gehörten zu jener Völkerlawine, die dem Römischen Reich gefährlich werden sollte. Von der Weichsel zogen sie entlang des Dnjeprs in Richtung Schwarzes Meer.

"Auch aus ihrer 'zweiten Heimat' waren die Goten mit Weib und Kind ausgewandert. Sie waren auf der Suche nach neuem Siedlungsland, das sie aufnehmen und sie ernähren konnte." Warum waren ganze Völkerscharen auf Wanderschaft? Aus Not, wegen erschöpfter Ackerböden, wegen Überbevölkerung?

Es gibt viele Erklärungen. Aber immer schon suchten Menschen auch in der Fremde ein besseres Leben. Sesshaftigkeit gehört nicht zur genetischen Grundausstattung des Menschen. "Unstetig und flüchtig sollst Du sein," hieß es schon im Alten Testament. Wie auf kein Volk der Antike traf dies auf die Goten zu. Erst als die Goten raubend an den Grenzen des Römischen Reiches auftauchten, wurden sie auch von Rom beachtet. Im Jahr 257 nach Christus gelangte ein Teil von ihnen auf die Halbinsel Krim bis an die Gestade des Schwarzen Meeres.

Bündnispartner des Imperiums

Die Ruinen der griechischen Hafenstadt Chersonesos - sie gehörte zum Machtbereich Roms. Hier stießen die Goten zum ersten Mal auf die antike Zivilisation. Die Krimgoten wurden Bündnispartner des Imperiums. Im bergigen Hinterland war genug Platz. Hier fanden sie als erste der wandernden germanischen Völker eine bleibende Heimat, für Jahrhunderte. Ihre Städte bauten sie in die bizarre Schönheit der Felsen.

Die so genannten "Gotenburgen" sind einmalige, nie zuvor gezeigte Zeugnisse der Völkerwanderung. Ein Beispiel ist ihre Hauptstadt Dori. Die Straßen sind mitten in den Fels gehauen, rechts und links befinden sich die Häuser. Insgesamt 60.000 Goten lebten auf der Krim. "Von allen Völkern sind sie die gastfreundlichsten, sie sind geschickt im Ackerbau und fähige Krieger." Noch im 17. Jahrhundert war auf der Krim die gotische Sprache zu hören.

Zeichen der Goten

Die wichtigsten Zeugnisse der wandernden Germanen befinden sich auch auf der Krim in den Gräbern, wie zum Beispiel ein reich verziertes Diadem aus Gold mit Edelsteinen, wie es bei den Goten Mode wurde. Typisch für die Tracht der Goten sind "Bügel-Fibeln", eine Art großer Sicherheitsnadel, mit der sie ihre Umhänge und Kleider zusammenhielten: praktisch und prunkvoll zugleich.

Nicht nur oströmische Goldschmiede arbeiteten für die Krimgoten, sie begannen auch selbst Schmuck zu kreieren - nach eigenen Vorstellungen und Wünschen. Von den Steppenvölkern des Ostens übernahmen sie den Adler als Motiv. Die Krim ist überreich an solchen Funden. Der Adler wird zum unvergleichlichen Zeichen der Goten.

Geschichte im Dunkeln

Während ein Teil der Goten auf der Krim schon eine Heimat gefunden hatte, waren andere Gotenstämme immer noch unterwegs. Von ihrer Wanderschaft sind nur Sagen überliefert. Ihre wirkliche Geschichte bleibt im Dunkeln.

Unterwegs hinterließen sie keine Spuren. Neue Generationen waren herangewachsen, seit sie vor mehr als 60 Jahren ihre Heimat in Polen verlassen hatten. "Kinder, Frauen und vom Alter geschwächte Eltern schleppten sie mit sich. Nach langer Irrfahrt ließen sich einige dort nieder, wo der Mangel an jeglichen Mitteln sie hinversetzte, andere blieben erschöpft am nächstbesten Ort zurück." So hat Seneca der Ältere das Los der Wandernden beschrieben. Heute würde man sie wohl Wirtschaftsflüchtlinge nennen.

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