"Die Krise" von Bougainville

Raubbau durch Minenkonzern

Die Insel Bougainville, benannt nach ihrem Entdecker Louis-Antoine de Bougainville, gehört zu Papua-Neuguinea und damit zur wilden, weit entlegenen Südsee. Bis 1914 war Bougainville deutsche Kolonie.

Zu Füßen des aktiven Vulkans Bagana sieht die Insel aus wie eine Art Lummerland der Südsee. Doch der erste Eindruck täuscht: Fast 15 Jahre lang war Bougainville die gefährlichste Insel der Südsee.

Rückkehr nach zehn Jahren

Jetzt kehren die ersten der vielen tausend Flüchtlinge auf ihre Insel zurück. Und versuchen zu begreifen, was genau passiert ist. Am Flughafen trifft Surei Stevenson weitere Heimkehrer. Seit zehn Jahren war sie nicht auf Bougainville. Jetzt will sie herausfinden, ob ihr Haus noch steht, in dem sie ihre zwei Kinder groß gezogen hat. Sureis alter Freund Dominic wird sie begleiten.

Früher wäre Surei auf dem Flughafen von Kieta angekommen. Heute überwacht hier ein Sicherheitsdienst nur noch die stillgelegte Landebahn. Fast alle Gebäude sind dem Erdboden gleich gemacht, Straßen und Brücken sind unpassierbar. Und so muss Surei sich im Jeep auf den Weg ins "Happy Valley" machen, ins "glückliche Tal", ihrem früheren Zuhause. Was geschehen ist, nennt Surei wie alle hier stets nebulös "die Krise". Zerstörte Gebäude und Strom-Masten sind längst von Schlingpflanzen überwuchert. Ganz Bougainville sieht heute aus wie ein Werbespot mit dem Slogan "Zurück zur Natur". Doch 15.000 Einwohner haben die "Krise" mit dem Leben bezahlt.

Tabus der Südsee-Kultur

Eine unbewaffnete Truppe im Auftrag der UN versucht inzwischen, den Konflikt der Kulturen zu schlichten. Denn die "Krise" begann, weil ein Minen-Konzern auf Bougainville nach den Regeln der westlichen Industriegesellschaft nach Gold, Silber und Kupfer schürfen ließ, ohne die Tabus der Südsee-Kultur zu beachten.

15 Jahre "Krise" haben Surei Stevensons Heimat von der Moderne zurück in die Ursprünglichkeit gebeamt: Der einzige Highway von Bougainville ist eine Schotterpiste mit mehr als einem Dutzend Fluss-Durchquerungen. Für die 150 Kilometer vom Flughafen ins Happy Valley wird Surei gut acht Stunden brauchen. Doch mit Dominics Jeep geht es ihr besser als den meisten Einwohnern von Bougainville: Jeden Sonntag laufen sie in stundenlangen Fußmärschen zum christlichen Gottesdienst - dem religiösen Vermächtnis der deutschen Missionare.

Ganze Landstriche verwüstet

Die UN-Friedenstruppe überwacht mit ihren Hubschraubern die dramatischen Folgen der vorerst letzten Welle westlicher Eroberer: ein australischer Minen-Konzern hatte nur wenige Kilometer von den Südsee-Stränden entfernt die größte Kupfer-, Gold- und Silbermine der Welt in die Berge von Bougainville gegraben. In der Panguna-Mine erwirtschafteten 4000 Arbeiter die Hälfte des Bruttosozialproduktes von ganz Papua Neuguinea. Nur ein Prozent der Gewinne blieb auf Bougainville. Dabei hat der Tagebau mit aggressiven Chemikalien ganze Landstriche im Süden der Insel verwüstet.

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