Die Kultur der Adena

Waldland-Indianer schufen beeindruckenden Erdwälle

Die geschickten Architekten Nordamerikas wirkten ausschließlich im Osten des Landes. Ihre Kultbauten entstanden in einem Zeitraum von 2500 Jahren. Vom Atlantik bis zum Mississippi, von Florida und dem Golf von Mexiko bis hinauf zu den Großen Seen an der jetzigen Grenze zu Kanada schmückten sie die Landschaft.

Die ältesten Stämme, bekannt unter den Namen "Adena" und "Hopewell", errichteten ihre Hügelzentren im heutigen Staat Ohio. In Illinois gründeten ihre Nachfolger die erste Großstadt des Kontinents: Cahokia. In jenem Gebiet schufen sie den "Mississippi-Stil" mit seinen typischen pyramidenförmigen Tempelbauten. Als krönender Abschluss entwickelte sich - hoch oben in Wisconsin - die "Späte Waldland-Kultur". Kennzeichnend: phantasievolle Erdwerke in Tiergestalt.

Rauchen als Ritual

In Ohio, dem Gebiet der Adena, durchziehen große Flüsse das Land - die Highways der Vorzeit. An ihren Ufern, von dichtem Waldland umgeben, entstanden um das Jahr 1000 vor Christus erste bäuerliche Siedlungen. Ihre Bewohner lebten in kleinen Dorfgemeinschaften. Die Grabstätten, die sie anlegten, zeichneten sich durch beachtliche Größe aus. So auch der 25 Meter hohe Grave Creek Mound - der Mammut-Hügel.

Das Wort Adena stammt von einer Farm gleichen Namens in Ohio. Dort machte ein Archäologe 1901 einen Aufsehen erregenden Fund: In einem der Erdwerke entdeckte er eine Pfeife - geschnitten aus Speckstein, in Form eines Menschen. Bis heute gilt das Figürchen als Prunkstück der ersten Hügelbauer. Seit Urzeiten gehört das Rauchen für die Indianer zu den wichtigsten Ritualen. Zahllose, erstaunlich gut erhaltene Pfeifen in Gestalt von Vögeln oder anderen Tieren holten die Ausgräber ans Licht. In die kunstvollen Rauchgefäße kam ein Gemisch aus stimulierenden Blättern und Baumrinden, verschnitten mit Tabak. Die Droge sollte beruhigen und die Gedanken reinigen.

Traditionelle Jagdmethoden



Ebenso charakteristisch für die Waldland-Indianer in der Steinzeit sind die Jagdmethoden. Eine Tradition, die ihre Nachfahren noch immer praktizieren. Pfeil und Bogen kannten die Adena nicht. Ihre Waffe war der Atlatl.

Damit ausgerüstet, pirschte sich der Jäger lautlos an das Wild heran und wartete geduldig auf einen günstigen Augenblick. Mit ruhiger Hand nahm er die Beute ins Visier. Im Bruchteil einer Sekunde fiel die Entscheidung - und die Lanze flog sicher ins Ziel. Das Gerät war versehen mit einer Flintsteinspitze und einem Schwungarm, der Stoßkraft und Flugbahn verbesserte. Neben der Jagd auf Wild bereicherte der Fischfang den Speisezettel der Ureinwohner Ohios. Die Flüsse boten reichlich Nahrung. Und die fruchtbaren Böden in den Tälern brachten üppige Ernten hervor.

Mounds als Relikte

Von kultischen Handlungen aus jener Zeit gibt es keine Überlieferungen. Lediglich die Erdwerke haben die Jahrtausende überdauert und erinnern an die Zeremonien der Adena. Dennoch hoffen die Forscher, den Ablauf der heiligen Feiern rekonstruieren zu können. Schauplatz des Geschehens war das Plateau der Anlage. Ein weiser Mann, der Schamane, übernahm die Hauptrolle. In Spielen von Tod und Wiedergeburt, in Fruchtbarkeitsritualen und ekstatischen Tänzen rief der Auserwählte die Schutzgeister an. Gemäß der indianischen Mythologie sind dies Hirsch, Wolf und Bär. Uralte Bildnisse aus dunklem Speckstein erinnern an die Vorstellungen, die vor mehr als 2000 Jahren das Leben der Einheimischen prägten.



Die Mounds der Steinzeit-Indianer waren dem Glauben nach die Treppe zum Himmel. Ein nach innen angelegter Wassergraben sollte den heiligen Bezirk vor bösen Geistern bewahren. Denn sie brachten Unheil und Verderben über die Gemeinschaft.

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