Die Kunde von der großen Katastrophe

Weltweit ist die Legende von der Sintflut verbreitet

Das Trinkwasser des einstigen Sees in der heutigen Schwarzmeer-Region wird durch die salzigen Fluten aus dem Mittelmeer ungenießbar, der Pegel beginnt langsam, aber unaufhaltsam zu steigen. Die Menschen beginnen zu begreifen, dass ihre Häuser, ihre Äcker und Siedlungen in den schwellenden Fluten versinken werden.

Spielszene: Menschen flüchten vor der Flut

Verzweifelt versuchen die Siedler ihr Hab und Gut zu retten, achten kaum auf die nasse Gefahr. Das Wasser wird ihre Heimat für immer verschlingen. Auch wenn die Siedler mit dem nackten Leben davonkommen, ihr größter Schatz, das Saatgut der Ackerbauern ist verdorben. Im nächsten Jahr wird es keine Ernte geben, kein Brot. Die Flut hat ihnen alles genommen. Und sie steigt und steigt. Jeden Tag dringt sie 100 Meter weiter in das Land vor, vergiftet das Salzwasser die einstigen Äcker - ein ganzes Menschenleben lang, erst dann kommt sie zur Ruhe.

Verzweifelte Odyssee

Eine verzweifelte Odyssee beginnt. Die Menschen verlieren alles, was sie sich in Generationen aufgebaut haben. Diese Katastrophe brennt sich in ihr Bewusstsein ein und lebt weiter, von Generation zu Generation überliefert. Die Kunde von der großen Katastrophe verbreitet sich weit über den Mittelmeerraum hinaus, bis nach Mesopotamien. Sie ist der historische Kern des ältesten Epos der Menschheit - der Gilgamesch-Saga. Viele Völker überliefern Mythen von der großen Flut, sogar die Pyramiden sollen aus Furcht vor ihr errichtet worden sein.

Pyramiden

Im antiken Rom und Griechenland wird die Sage von der untergegangenen Stadt Atlantis geboren - vage Erinnerung an eine Flutkatastrophe in grauer Vorzeit? Weit über Südeuropa hinaus ist die Legende von der Sintflut verbreitet, findet ihren Weg bis an den Rand des Nordmeers. Die Germanen dichten das Edda-Lied, in dem Himmelszeichen von einer großen Flut künden. "Die Sonne verlischt. Das Land sinkt ins Meer. Vom Himmel stürzen die Sterne. Hohe Hitze steigt himmelan."

Von Generation zu Generation

Fast jeder Indianerstamm auf dem amerikanischen Kontinent kennt einen eigenen Mythos von der Großen Flut, weitererzählt von Generation zu Generation. "Als die Flut zurückging, fand Mochba ein neues Land im Westen." berichtet die Mandan-Legende der Hawazoo - im Grand-Canyon-Gebiet, Tausende von Kilometern von der Küste, von jeglichem Meer entfernt. Die brasilianischen Tupi-Indianer haben noch im 20. Jahrhundert lange Reisen auf sich genommen, immer wieder ihr angestammtes Siedlungsgebiet aufgegeben, die gesamte Sippe in weit entfernte Gebiete gebracht - um dem vermeintlichen Untergang der Welt zu entgehen.

Verlassene Siedlung der Tupi-Indianer

Wie die Ägypter haben auch Menschen auf dem amerikanischen Kontinent mächtige Pyramiden errichtet, denen selbst eine gewaltige Flut nichts anhaben konnte. Einst sollen sie als Zufluchtsort gedient haben, so eine Legende der Azteken. Wie überrascht müssen die ersten Missionare im 16. Jahrhundert gewesen sein, bei den indianischen "Heiden" auf biblische Sintflutvorstellungen zu stoßen. Sie sehen darin den Beweis für die allgegenwärtige Macht Gottes auf Erden.

Mythos der Aborigines

Auch der fünfte Kontinent kennt die Kunde von der großen Flut. Von der Mythologie der Aborigines, der Ureinwohner Australiens, erzählen ihre Felsmalereien, Darstellungen der Regenbogenschlange. Selbst in den trockensten Gebieten, den entlegensten Wüstenregionen, findet man zahllose Bilder dieses Fabelwesens, für das ein Seepferdchen Pate gestanden haben soll. "Und die Schlange ging weg und sang ihr Lied. Sie ließ das Wasser steigen und brachte eine große Flut über das Land", erzählt der älteste Mythos der Aborigines - entstanden vor über achttausend Jahren, gleichzeitig mit den Legenden der Indianer und der Schwarzmeer-Katastrophe.

Denn mit dem Ende der letzten Eiszeit steigen die Meeresspiegel weltweit an. Auch die Beringstraße wird überflutet, die ehemalige Landbrücke, über die die Vorfahren der Indianer einst nach Amerika gelangten. Zeitgleich ist das heutige Australien nur Teil eines gigantischen Kontinents, von Neuguinea bis zum Ayers Rock eine zusammenhängende Landmasse. Erst die ungeheure Flut verschlingt einen Großteil der Erde. Das Ende der letzten Eiszeit markiert ein globales Desaster.

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