"Die letzte regierende Königsfamilie"

Interview mit dem Ägyptologen Aidan Dodson über die Zeit der Ramessiden

Ramses III. gilt als der letzte große Pharao des Neuen Reichs, das vor mehr als 3000 Jahren seinen Niedergang erlebte. Im Interview spricht der britische Ägyptologe über die Bedeutung der Ramessiden und das politische Umfeld, in das Ramses III. hineingeboren wurde.

ZDF: Was ist so besonders an den Pharaonen der so genannten Ramessidenzeit?
Dodson: Sie waren die letzte regierende Königsfamilie des so genannten Neuen Reichs (circa 1550 v. Chr. bis 1070 v. Chr., 18. bis 20. Dynastie). Unter ihrer Herrschaft ereignete sich der langsame Niedergang des riesigen Reichs, das sie von der Familie der Thutmosiden (Herscherfamilie der 18. Dynastie) geerbt hatten, zu einem geteilten Land (Ober- und Unterägypten, oder Nord- und Südägypten unter verschiedenen Herrschern).

ZDF: Woher kamen die Ramessiden?
Dodson: Sie kamen aus dem nordöstlichen Delta und stammten aus Militärkreisen, ohne verwandtschaftliche Verbindung zum Königshof. Der erste König der Ramessiden, Ramses I. (erster König der 19. Dynastie), war zunächst ein Kamerad und diente später auch König Haremhab (letzter König der 18. Dynastie). Er war Haremhabs Vezier, bevor dieser ihn zu seinem Erben ernannte, da er wohl selbst kinderlos war.

ZDF: Auf welche Weise ist Ramses III. mit der Familie der früheren Ramessiden verbunden?
Dodson: Er war ein Sohn von Pharao Sethnacht, der Königin (!) Tausret (weibliche Pharaonen sind sehr selten) vom Thron gestürzt hatte. Wir wissen nichts über die Ahnen von Sethnacht, da sein Name aber den des Gottes Seth enthält, der als "Hausgott" der Familie Ramses I. gilt, kann man annehmen, dass er ein Angehöriger dieser königlichen Familie war.

ZDF: Wählte Ramses III. sich Ramses II. (den Großen) als Vorbild - und wenn ja, warum?
Dodson: Ramses II. war der am längsten regierende Pharao seit einem Jahrtausend (66 Regierungsjahre, vergleichbar nur mit Pepi II., der am Ende des Alten Reiches etwa genauso lang regierte), und er hatte mehr Tempel errichtet als jeder andere König. Außerdem hatte er nach Jahrhunderte langen Kriegen endlich Frieden mit den Hethitern geschlossen. Deshalb war er zu so etwas wie einer königliche Ikone geworden, nach deren Vorbild viele spätere Könige ihre Titulatur bildeten oder auch dessen Bildmotive übernahmen. So etwa die Prozession seiner Kinder an den Wänden der Tempel, das gab es vorher nicht. Ramses III. kam kurz nach einer Periode des Bürgerkriegs auf den Thron. Vielleicht stellte er sich deshalb so bewusst in die Nachfolge Ramses II., der quasi ein Leuchtfeuer der Stabilität war. Er benannte selbst seine Kinder nach denen von Ramses II., und, genau wie dieser, wählte er mehr als eine Frau – mit fatalen Folgen.

ZDF: Wie sah es mit der Thronfolge aus, wer war der Kronprinz?
Dodson: Der Thronerbe war theoretisch der älteste Sohn der Hauptfrau (große königliche Gemahlin). Da Ramses aber mehrere Frauen hatte, gab es wohl auch mehrere "älteste" Söhne. Der ernannte Thronerbe war der älteste Sohn von König Isis (Tyti) – der spätere Pharao Ramses IV. Aber Königin Teje wollte gern, dass ihr Sohn Pentawer der nächste König wird. Um dies zu bewerkstelligen, plante Teje, den König zu ermorden – mit Erfolg. Aber Ramses IV. konnte seine Position verteidigen, und so wurde Königin Teje, Pentawer und ihren Komplizen der Prozess gemacht.

Das Interview führte Heike Schmidt.

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