Die letzte Reise des Nomaden

Bergung und Konservierung der Eismumie

In einem improvisierten Feldlager arbeiten die Restauratoren beinahe rund um die Uhr. Die kostbaren Funde müssen schnellstmöglich und zugleich sorgfältig konserviert werden. Doch die große Frage ist: Wie können sie die Funde in die Akademie der Wissenschaft transportieren, ohne sie zu zerstören?

Nach den Grabbeigaben wollen die Archäologen nun den Leichnam des Skythen-Kriegers bergen. Kein leichtes Unterfangen, denn der Körper ist äußerst zerbrechlich. Zuerst hieven die Archäologen einen der schweren Holzbalken aus der Grube. Das Lärchenholz wird mit einem speziellen Gerät im Querschnitt durchbohrt und kann anhand der Jahresringe datiert werden. Die Untersuchung bestätigen die bisherigen Schätzungen: Seit fast zweieinhalb Jahrtausenden ruht der Skythe in seinem kalten Grab.

Bedauerlicher "Gesichtsverlust"

Ein großer Vorteil für die Bergung ist die Lage des Kriegers. Er ist nicht vom Eis umschlossen, sondern liegt obenauf. Nach der Bestattung des Toten drang Oberflächenwasser ein und bedeckte lediglich den Boden des Grabes. Dies führte allerdings dazu, dass das Gesicht des Mannes nahezu vollständig zerstört wurde, denn wenn Wasser zu Eis wird, nimmt es bekanntlich an Volumen zu. Der Leichnam wurde angehoben, so dass sein Gesicht an den Holzbohlen zerdrückt wurde.

Dennoch: Der Fund der fast vollständig erhaltenen Eismumie ist ein Meilenstein in der archäologischen Erforschung der Skythen-Kultur. Bis in die Politik schlägt der Erfolg der Ausgrabung Wellen: Nambaryn Enchbajar, Präsident der Mongolei, war derartig fasziniert von der Nachricht aus dem Altai, dass er sich zu einer kurzen Visite entschloss.

Flugreise eines Reiternomaden

Der überraschende Besuch des Staatsoberhaupts kommt den Archäologen wie gerufen. Nachdem sie dem Gast am Steingrab den Fund erläutert haben, machen die Forscher dem Präsidenten die Dringlichkeit der Konservierung klar. Eine mehrtägige Fahrt im Jeep würde der Leichnam nicht heil überstehen. Kurzerhand erklärt sich Enchjabar dazu bereit, seinen Hubschrauber für den Transport der Eismumie zur Verfügung zu stellen.

Sorgfältig verpackt werden sämtliche Funde und der Leichnam des Kriegers verstaut. Die letzte Reise des skythischen Reiternomaden, nicht auf dem Rücken eines Pferdes, sondern im Innern eines Hubschraubers, kann beginnen. Der blonde Krieger wird in die Hauptstadt der Mongolei, Ulan Bator, geflogen. Dort soll er im Hochsicherheitstrakt der mongolischen Akademie der Wissenschaften gut gekühlt aufbewahrt werden.

Untersuchungen erst am Anfang

Wenige Tage nach der Landung der wertvollen Fracht, treffen auch Hermann Parzinger und Vjaceslav Molodin in Ulan Bator ein. Die Archäologen machen sich ein Bild von den Lagerbedingungen und entnehmen erste Proben. Noch haben sie "ihren" Skythen-Krieger für sich. Doch das wird sich bald ändern.

Wie beim Fund des Steinzeitmenschen Ötzi, der wohl am besten untersuchten Leiche der Welt, wird sich in Kürze eine Hundertschaft internationaler Forscher mit der Eismumie aus dem Altai beschäftigen. Mit Ansätzen aus verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen wollen sie Informationen über das genaue Alter, Herkunft, Ernährung, Krankheiten und sogar die Todesursache ermitteln. Sie werden dem vor über zwei Jahrtausenden Verstorbenen noch so manches Geheimnis entlocken.

Weiter mit: ^n"Der Dreh war einer der härtesten"

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