Die letzte Zarenfamilie

Zar Nikolaus und die deutsche Fürstin in gewohnter Pracht

Im Herbst 1894 heiratet der zukünftige Zar Nikolaus Romanow die deutsche Fürstin Alix von Hessen-Darmstadt - die sich in "Alexandra Fjodorowna" umbenennt. In der alten Krönungskirche des Moskauer Kreml findet zwei Jahre später die offizielle Thronbesteigung des neuen Zarenpaares statt.

Zum letzten Mal wird die Krone Russlands einem neuen Träger weitervererbt. Noch einmal feiert sich die Herrscherdynastie der Romanows mit gewohnter Pracht.

Staatsraison vor Mitleid

Doch auf die rauschende Ballnacht fällt ein dunkler Schatten. Bei einer Massenpanik während der Feierlichkeiten sterben 1000 Menschen. Die Nachricht rührt die neue Zarin zu Tränen, wie sie in ihrem Tagebuch schreibt. Sie habe weitergetanzt - Staatsraison geht vor Mitleid.


Dabei sind Zar Nikolaus und seine Frau keineswegs gefühllos, wie ihre persönlichen Briefe zeigen. Tausende von diesen Briefen sind erhalten - Zeugnisse einer großen Liebe. Die Wiederentdeckung der persönlichen Dokumente der letzten Zarenfamilie ist eine Sensation. Denn unbeachtet und dadurch unbeschadet haben sie im Moskauer Staatsarchiv die Jahrzehnte der kommunistischen Herrschaft überstanden. Unter den Fundstücken befinden sich auch die privaten Fotoalben der Romanows.

Zar Nikolaus' Welt

Der Zar ist nicht nur fotobegeistert. Es wird überliefert, dass er alle technischen Neuerungen liebte: Grammophone, Automobile, Flugzeuge, aber vor allem: Filme. Er hat seine Welt filmen lassen, ausgiebig, mit allen Details. Sommeridyll ohne das kleinste, dunkle Wölkchen: Der Zar höchstpersönlich beim Schnappschuss als Regisseur einer koketten Mädchenschar, die Zarenkinder auf Hoher See - und bei der übermütigen Polonaise im Schlossgarten. Aber es gibt auch andere Aufnahmen, die andere gemacht haben - und die die Wirklichkeit im Riesenreich der 175 Millionen Menschen ehrlicher wiedergeben.



Realität im Zarenreich: Zwangsarbeit; Häftlinge bauen unter Lebensgefahr Eisenbahnlinien durch Sibirien. Die Lage der Bauern ist schlecht - ihre Lebenserwartung liegt bei knapp 40 Jahren. Um Aufrührer und Unruhestifter kümmert sich die zaristische Geheimpolizei - Vorbild für Gestapo und Stasi. Ihre im Staatsarchiv erhaltene Agentenkartei umfasst viele Tausend Namen.

Schwache Führung

Polizei und Militär sind die verlässlichsten Stützen der Monarchie. In ihrer Gesellschaft fühlt sich der Zar am Wohlsten - Lehren aus der Geschichte zieht er hingegen nicht. Die Flotte ist sein ganzer Stolz - seit Peter dem Großen träumt die Landmacht Russland von Ruhmestaten auf Hoher See. Doch auch hier steht ein Kurswechsel bevor. Im Jahr 1904 wird die Marine in Alarm versetzt: Krieg mit Japan - doch das Zarenreich ist darauf nicht vorbereitet. Jetzt erweist sich, wie schwach die politische Führung geworden ist. Auch auf dem Panzerkreuzer "Aurora" zeigt sich im Gefecht der schlechte Zustand der russischen Streitkräfte. Der Feind siegt auf ganzer Linie. Der Kommandant der "Aurora" stirbt auf seiner Kommandobrücke - der Krieg ist verloren.

Verletzter Nationalstolz, Mangelwirtschaft, Hunger und Elend - das Volk geht auf die Straße. Der Zar lässt schießen - seine größte politische Dummheit.




"Weiter so!"

Am Zarenhof versucht man nach dem "Blutsonntag" im Februar 1905 weiterzumachen , als ob nichts geschehen sei. Doch auch hinter den Mauern des Palastes ist das "Weiter so!" ein politisches Konzept, das nicht aufgehen kann.

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