Die letzten Drachen

Über die Lebensweise der Komodo-Warane

Bei ihrem Anblick wähnt man sich in die Zeit der Saurier zurück versetzt oder fühlt sich an mittelalterliche Drachendarstellungen erinnert. Die schaurige Faszination, die von diesen großen Echsen ausgeht, hat bereits kurz nach ihrer Entdeckung für lange Besucher-Schlangen in den Zoos geführt und lockt heute immer wieder Touristen in die entlegene Heimat der Tiere.

Komodo-Waran frontal Quelle: ZDF

Die Komodo-Warane leben auf einer handvoll Inseln westlich von Bali, die geographisch zu den kleinen Sundainseln Indonesiens gehören. Schätzungen zufolge gibt es noch circa 5000 Tiere, von denen die meisten auf den beiden Inseln Komodo und Rinca leben.

Verwandte der Schlangen

Die westliche Welt wusste bis Anfang des 20. Jahrhundert nichts von der Existenz der großen Echsen. 1910 erfuhr ein Offizier der holländischen Kolonialverwaltung, der auf der Insel Flores stationiert war, Geschichten von riesigen "Land-Krokodilen", die auf der kleinen Nachbarinsel Komodo vorkämen. Er erlegte ein über zwei Meter großes Tier und schickte es an den Zoodirektor Peter A. Ouwens auf Java, der es 1912 erstmals wissenschaftlich beschrieb und ihm den offiziellen Namen Varanus komodoensis gab. Man erkannte früh, dass die Tiere außergewöhnlich und selten waren und arbeitet bereits 1915 an Schutzkonzepten.

Komodo-Waran mit langer Zunge


Bis zu drei Meter groß und circa 70 Kilogramm schwer können die urtümlich wirkenden Echsen werden, die näher mit Schlangen als mit Krokodilen verwandt sind. Die Familie der Warane entwickelte sich vor circa 60 Millionen Jahren, als die Blütezeit der Dinosaurier gerade endete. Außer ihrer beeindruckenden Erscheinung verbindet die Warane jedoch wenig mit ihren urzeitlichen Vettern.

Schnellstartende Wegelagerer

Die tagaktiven "Drachen" verbringen die Nacht in selbstgegrabenen Erdhöhlen und müssen sich wie alle wechselwarmen Tiere in der Sonne aufwärmen, ehe sie ihre volle Leistungsfähigkeit entwickeln. Dann können die manchmal so träge wirkenden Tiere blitzschnell angreifen und bis zu 20 Kilometer pro Stunde rennen. Sie sind daneben geschickte Kletterer und gute Schwimmer.

Ihre Verwandtschaft mit den Schlangen wird vor allem an ihrer gespaltenen Zunge sichtbar. Mit diesem empfindlichen Organ können Warane Duftstoffe aus der Luft aufnehmen und so ihre Beute über Kilometer verfolgen. Ausgewachsene Tiere betätigen sich bei der Jagd vorwiegend als Wegelagerer. Sie verbergen sich im hohen Gras oder Gebüsch, zum Beispiel an einem Wildwechsel, und warten oft tagelang, bis ein mögliches Opfer in ihre Nähe kommt.

Warten auf den Tod des Opfers

Gefressen werden kleine Reptilien und Vögel bis zu Hirschen und sogar alte Wasserbüffel. Beim Angriff kommen ihre rund 60 messerscharfen Zähne zum Einsatz. Manchmal nehmen sie auch ihre scharfen Klauen zur Hilfe. Kleinere Beutetiere werden gleich und im Ganzen verschlungen, größere Opfer werden manchmal einfach nur gebissen, ohne das Tier weiter anzugreifen.

Danach heißt es einfach nur Geduld haben. Denn durch den hochinfektiösen Speichel bekommen die Gebissenen schnell eine Blutvergiftung und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sterben. Tagelang bleiben die Warane ihnen auf der Spur, bedrängen die verendenden Tiere oder warten einfach nur ab. Wenn ein Opfer dann seinen Verletzungen erlegen ist, beginnt das große Fressen: Bis zu 80 Prozent des eigenen Körpergewichts kann der extrem dehnbare Magen der Komodos aufnehmen. Doch meistens müssen sich die Jäger ihre große Beute teilen, denn der Geruch von Blut und Verwesung lockt weitere Artgenossen an. Auch wenn die Tiere ansonsten Einzelgänger sind, teilen sie sich oft ihre Mahlzeiten.

Kampf der Giganten

Komodo-Waran frisst Ziege


In der Paarungszeit, meist zwischen Mai und August, ist es mit dem friedlichen Miteinander vorbei. In aufrechter Haltung, gestützt auf ihre kräftigen Schwänze, liefern sich die paarungwilligen Männchen blutige Ringkämpfe. Dabei wird der Gegner mit den Vorderbeinen attackiert und jeder versucht, den anderen zu Boden zu werfen. Erst wenn der Unterlegene bewegungslos liegenbleibt oder das Weite sucht, ist die Auseinandersetzung vorbei. Dann umwirbt der Sieger das Weibchen, indem er seine Zunge über ihrer Schnauze und den Körper gleiten lässt, bevor er sich mit ihr paart.

Die Weibchen legen ihre Eier in Erdhöhlen, die sie an Hängen oder Böschungen graben oder sie nutzen die Nester von Großfußhühnern als Brutstätte. Circa Neun Monate dauert es, bis die etwa 40 Zentimeter langen und weniger als 100 Gramm schweren Mini-Echsen schlüpfen. Danach beginnt eine gefährliche Zeit, denn die Kleinen können schnell Opfer ihrer Artgenossen werden. So flüchten sie für das erste Lebensjahr in die Bäume, wo sie sich von Eidechsen, Insekten und Vögeln ernähren.

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