Erde: Bodenschätze sichern den Fortschritt (3/4)

Metallherstellung wichtiger Faktor in der Entwicklung des Menschen

Um dem Element Erde wirklich nahe zu kommen, begibt sich Dirk Steffens in der dritten Folge unter die Erdoberfläche in die dunklen Tiefen unseres Planeten. Nicht nur Wasser und die Entdeckung des Feuers waren nötig, um Hochkulturen entstehen zu lassen und die Entwicklung des Menschen entscheidend voranzubringen, sondern auch die Geschenke des Elementes Erde.

Dirk Steffens beim Abstieg in eine ghanaische Mine
Dirk Steffens beim Abstieg in eine ghanaische Mine Quelle: ZDF

Gemeint sind damit nicht nur fruchtbarer Boden, der es bereits frühen Zivilisationen erlaubte, sesshaft zu werden und Ackerbau zu betreiben, sondern auch Gesteine und Metalle aus dem Erdinneren. In Ghana klettert Dirk Steffens mit einigen Arbeitern in eine traditionelle Goldmine hinab, in der das edle Metall noch wie vor Jahrtausenden in schweißtreibender Handarbeit abgebaut wird. Das Risiko, in den schmalen, nur durch Bambusstreben gesicherten Schächten verschüttet zu werden, ist groß. Trotzdem dringen Menschen seit Jahrtausenden in immer größere Tiefen vor.

Metalle als Fortschrittsmotor

Obgleich kein Metall die Fantasie des Menschen so anregt wie Gold, beeinflusste ein anderes Geschenk der Erde die Entstehung von Hochkulturen viel stärker: Kupfer. Aus Kupfer und Zinn stellten unsere Vorfahren Bronze her. Und mit energiereicheren Brennmaterialien gelang es vor 3000 Jahren schließlich, Eisen zu schmelzen. Die Nutzung von Metallen erlaubte es den Menschen, vielfältige Werkzeuge für immer komplexere Arbeitsbereiche herzustellen und ihre Siedlungen mit immer effektiveren Waffen zu verteidigen. Die Bedeutung der Metallherstellung für die Entwicklung des Menschen ist viel umfassender, als man bisher angenommen hatte.

Wo Metalle und Wasser zur Verfügung standen, entwickelten sich Zivilisationen. Frühe Beispiele sind Petra, Jericho oder auch der in der Antike beliebte Badeort Hierapolis. Wasser und Metalle stehen allerdings nicht zufällig an einem Ort zur Verfügung. Meist ist beides an den Rändern von Kontinentalplatten zu finden.

Hitze im Erdinneren
Hitze im Erdinneren Quelle: ZDF

Dort, wo die Ränder der Kontinente aufeinandertreffen, steigen heiße Materialien aus dem Erdinneren an die Oberfläche, zum Beispiel Metalle. Sie lagern sich in geringen Tiefen ab und können vom Menschen abgebaut werden.

Städte am Rande von Kontinentalplatten

Auf ihrem Weg nach oben schmirgeln die aufsteigenden Metalle das Gestein zu feinem Staub und reißen große Mengen Steinstaub mit sich. Dieser lagert sich als Ton ebenfalls an der Oberfläche ab und bildet ein natürliches Sammelbecken für Regenwasser, das der Mensch durch Brunnen leicht erreichen kann. Tatsächlich haben elf von 13 der wichtigsten antiken Hochkulturen ihre zentralen Städte am Rande von Kontinentalplatten gebaut.

Es könnte sogar sein, dass die Bronzeproduktion den internationalen Seehandel nötig machte. Als vor rund 3000 Jahren die Bronzeherstellung so richtig in Schwung kam, stieg der Bedarf an Kupfer und Zinn in den großen Städten immer weiter an. Viele dieser Metallzentren lagen im Mittelmeerraum, wo man zwar über ausreichend Kupfer, aber viel zu wenig Zinn verfügte. Bergbaufachleute suchten überall in der damals bekannten Welt nach neuen Zinnfundorten und reisten auf wackeligen Holzbooten bis nach Großbritannien und Skandinavien, um den begehrten Rohstoff zu finden.

"Global Player" im Zinnhandel

Ein Volk, das damals offenbar zu den "Global Playern" im Zinnhandel gehörte, waren die Minoer. Von ihren Stamminseln Kreta und Santorini aus beherrschten sie ein gewaltiges Handelsimperium. Die Nähe von geologisch aktiven Zonen brachte ihnen allerdings nicht nur Vorteile, sondern war auch eine große Bedrohung. Vor rund 3500 Jahren brach der Vulkan auf Santorini aus und zerstörte eben jene herausragende Händlergesellschaft der Minoer, die zuvor von den Schätzen der Erde enorm profitiert hatte.

Neue Projekte in gefährlichen Zonen

Neben Vulkanausbrüchen gehören auch Erdbeben zu den Risiken, die Gesellschaften eingehen, wenn sie nahe an Plattengrenzen siedeln. Die jüngsten Ereignisse in Fukushima zeigen, wie verheerend Erdbeben auch für heutige Gesellschaften sein können. Ein Blick auf die zwanzig bevölkerungsreichsten Metropolen der Welt zeigt jedoch, dass die Hälfte von ihnen auf seismisch aktiven Plattengrenzen errichtet wurde. Offenbar überwiegen selbst im 21. Jahrhundert die Vorteile des Standortes. Wasser, Bodenschätze und mineralreiche Böden für die Landwirtschaft sorgen für Wohlstand. Selbst dort, wo Wissenschaftler schwere Beben für die unmittelbare Zukunft vorhersagen, wachsen die Städte ungehindert weiter. Dirk Steffens besucht unter anderem den neuen U-Bahntunnel in Istanbul, der unter dem Bosporus hindurchführen soll und genau parallel zu einer der gefährlichsten seismischen Zonen der Welt verlaufen wird.

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