Lebenselixier Wasser (2/4)

Kriege der Zukunft werden sich um das kostbare Nass drehen

In der zweiten Folge von "Macht der Elemente" ist Dirk Steffens dem Element Wasser auf der Spur. Seine Reise beginnt dort, wo man den Wert des Wassers am besten schätzen kann: mitten in der Wüste. Ohne Wasser kann der Mensch nicht überleben. Nirgendwo sonst wird unsere Abhängigkeit von diesem Element so deutlich wie in der Sahara.

Mono-Lake bei Los Angeles
Mono-Lake bei Los Angeles Quelle: ZDF

Hier lebten vor Jahrtausenden an vielen Orten Menschen. Sie hinterließen prächtige Felsbilder, die die Sahara als üppige Savannenlandschaft mit Elefanten, Giraffen und Antilopen zeigen. Sogar Krokodile tummelten sich, wo heute nur noch trockener Wüstensand zu finden ist. Vor rund 6000 Jahren verschwand das Wasser schließlich und mit ihm die Pflanzen, Tiere und die unbekannten Felskünstler.

Winziger Rest Süßwasser

Das Vorhandensein von Wasser legt auch heute noch fest, wo Menschen leben können und wo nicht. Betrachtet man die Erde vom Weltall aus, so scheint es reichlich Wasser zu geben. Drei Viertel der Erdoberfläche ist von diesem Element bedeckt und verleiht dem Planeten seine charakteristische blaue Farbe. Die größte Menge ist für den Menschen bislang jedoch völlig nutzlos. Mehr als 97 Prozent der irdischen Wasservorräte sind salziges Meerwasser, das wir weder trinken noch zum Bewässern von Nutzpflanzen verwenden können. Von dem winzigen Rest Süßwasser hängt bis heute das Überleben der Menschheit ab.

Lebensader Nil

Sanddünen in der Sahara
Sanddünen in der Sahara Quelle: ZDF

Überall auf der Welt stößt Dirk Steffens bei seinen Reisen auf Hinweise, wie das Wasser Zivilisationen entstehen und wieder untergehen ließ. Not macht bekanntlich erfinderisch, und tatsächlich sind einige wichtige Entdeckungen auf akuten Wassermangel zurückzuführen. Die Sichel beispielsweise ist eine solche Erfindung. Vermutlich wurde sie entwickelt, als ein Klimawandel in Nordafrika zu Dürreperioden führte. Mit diesem neuen Instrument war es möglich, sich in der Nähe von Flüssen niederzulassen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben und Vorräte einzulagern. Frühe Hochkulturen entstanden bevorzugt an großen Flussläufen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Ägypten, das allein den Fluten des Nils und dem fruchtbaren Nilschlamm seinen Aufschwung verdankte. Ein umfangreicher Verwaltungsapparat entstand einzig und allein zu dem Zweck, Wasser und Vorräte sinnvoll zu verteilen. Damit wird Wasser zum Hauptfaktor für die Bildung komplexer gesellschaftlicher Strukturen.

Erfolgreiches Wassermanagement

Allerdings regt nicht nur Wassermangel den Menschen zu Höchstleistung an, auch ein Überfluss an Wasser stellte Gesellschaften zu allen Zeiten vor große Probleme, die zu erstaunlichen Lösungen führten. In Indien stößt Dirk Steffens beispielsweise auf eine ungewöhnliche Brückenkonstruktion. In Cherapunji, das als regenreichster Ort der Welt gilt, haben Brücken aus gewöhnlichem Baumaterial nur eine begrenzte Lebenszeit. Der Monsun lässt die Flüsse regelmäßig zu reißenden Strömen anschwellen, die die Ufer mitreißen. Die Lösung sind lebendige Brücken: Die Wurzeln von Gummibäumen werden hier über den Fluss gezogen und so verwoben, dass sie eine begehbare Brücke bilden. Wird das Ufer vom Monsunwasser weggespült, repariert sich die Brücke selbst, indem die Bäume einfach wachsen und sich mit immer neuen Wurzeln immer tiefer im verbleibenden Ufer verankern.Besonders erfolgreich kontrollierten die Khmer im heutigen Kambodscha die Wassermassen des Monsuns. Heute sind sie vor allem als Erbauer der ausgedehnten Tempelanlage rund um Angkor Wat berühmt. Weniger beachtet, aber mindestens ebenso bedeutend war jedoch ihr erfolgreiches Wassermanagement. Vor über 1.000 Jahren schafften sie es, einen Fluss über die Strecke von 80 Kilometern zu teilen. Sie bauten Auffangbecken und Kanäle, die das System auf 1.000 Quadratkilometer erweiterten. Insgesamt 600 Millionen Kubikmeter Monsunwasser konnten hier aufgefangen werden. Auf diese Weise stand Süßwasser für Millionen Menschen zur Verfügung. Die Bevölkerung explodierte. Die Khmer herrschten bis zum 15. Jahrhundert. Dann reichte das Wasser vermutlich nicht mehr aus, um die Bevölkerungsmassen zu versorgen.

Angkor Wat
Angkor Wat Quelle: ZDF

Unsere Abhängigkeit vom Wasser hat sich seit den Zeiten der Khmer kaum geändert. Noch immer häufen wir Süßwasser an. Und weil das meiste davon in Sammelbecken auf der dichter bevölkerten Nordhalbkugel aufgestaut ist, wirkt sich das zusätzlicheGewicht sogar auf die Drehung der Erde um ihre Achse aus. Das führt beispielsweise dazu, dass ihre Geschwindigkeit leicht zunimmt und der Erdentag im Verlauf der letzten 40 Jahre um den achtmillionsten Teil einer Sekunde verkürzt wurde. Welche Auswirkungen unser massiver Zugriff auf das Element Wasser in Zukunft für den Wasserhaushalt der Erde haben wird, ist noch unklar. Allerdings steht für Experten schon lange fest, dass der Zugriff auf die Ressource Wasser bei steigenden Weltbevölkerungszahlen immer wichtiger wird. Die Kriege der Zukunft werden sich nicht mehr um Öl drehen, sondern um Wasser.

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