Die Macht der Eunuchen

Perfekt informierte Schattenwesen

Cixi, die machtbewusste Mutter des kleinen Thronfolgers, versucht mit dem Mut der Verzweiflung, eine Entscheidung zu erzwingen. Seit Wochen hat man sie vom Kaiser ferngehalten. Jetzt kämpft sie sich mit ihrem Sohn zum Sterbenden durch.

Das sechsjährige Kind erweicht das Herz des Vaters. Nicht die Brüder des Todkranken, sondern die Hauptfrau des Kaisers und Cixi sollen gemeinsam für den Sohn die Regierungsgeschäfte führen.

Traditionsbruch mit Folgen



Eine Entscheidung von ungeheurer Tragweite: Cixi, eine ehemalige Konkubine, wird jetzt zur einflussreichen Herrscherin. Und für die Beamten am Hof ist es ein Traditionsbruch von unvorstellbarem Ausmaß: Frauen erhalten das kaiserliche Siegel und damit die Macht über das ganze Reich. Und mehr noch, die Hauptfrau des Kaisers hat an Politik und Macht wenig Interesse. So fällt alle Macht der einzigen Konkubine zu.

1861: Der Kaiser ist tot, es lebe der neue Kaiser. Aber der ist erst sechs Jahre alt. Das Kind sitzt auf dem Drachenthron und zwei Frauen bestimmen darüber, was es beschließen soll. Mit Rücksicht auf die konservativen Beamten müssen sie hinter einem Vorhang Platz nehmen - ein Schattenkabinett, dem der Hofstaat huldigt. Denn diese drei sind im Besitz des kaiserlichen Siegels, des Schlüssels der Macht.

Unvorstellbare Macht

Für uns ist heute unvorstellbar, welche Macht ein Gegenstand wie das kaiserliche Siegel verkörperte: Macht über Leben und Tod. Der rote Stempel kann das Schicksal von Angeklagten besiegeln, eine bloße Laune in ein Gesetz verwandeln, das tägliche Leben von Millionen Menschen über Nacht verändern.


Doch auch die Kaiser auf dem Drachenthron sind von anderen Menschen abhängig. Sie brauchen Bewacher, Diener, Köche - Hauspersonal, dem sie blind vertrauen können. In der Verbotenen Stadt sind das entweder Frauen oder Eunuchen. Auch im 20. Jahrhundert unter Kaiserin Cixi hat sich daran nichts geändert. Ihre Leibwache sind kastrierte Männer. Manche von ihnen lassen sich erst als Erwachsene freiwillig entmannen. Meistens aber wird der Eingriff schon bei Kindern vorgenommen - sozusagen als Investition in eine Karriere.

Jahrtausende alte Tradition

Die Entmannung hatte eine Jahrtausende alte Tradition am chinesischen Hof und folgte einem strengen Ritual. Mit der Operation wird der Eunuch Teil der abgeschlossenen Welt bei Hof. Alle bisherigen sozialen Bindungen werden mit dem Schnitt des Kultmessers durchtrennt. Der Eunuch teilt die Einsamkeit des Herrschers, er wird zu seinem Instrument und zu seinem Schatten. In der Verbotenen Stadt teilen Tausende von Kastraten das traurige Schicksal der völligen Isolation.

Weil sie selbst viel leiden müssen, neigen die Eunuchen dazu, andere zu quälen. Neuankömmlinge werden täglich ausgepeitscht. Schwere Vergehen werden mit dem Tod durch Ersticken geahndet - in Gegenwart aller als Warnung. Bedingungslose Herrschaft über alle Untergebenen ist das erzieherische Ziel solcher Barbarei. Terrorherrschaft und blinder Gehorsam sollen den starken Zusammenhalt garantieren. Er macht die Eunuchen zu einer mächtigen verschworenen Gemeinschaft. Aber wer am Hof den Chef-Eunuchen gegen sich hat, dessen Tage sind gezählt. Nicht nur Übeltätern geht es so, sondern ganze Dynastien sind Opfer mächtiger Eunuchen geworden.

Luxus mit Schattenseiten



Der äußere Schein eines reibungslos funktionierenden Hoflebens in größter Harmonie trügt. Zwar servieren die Eunuchen der Regentin Cixi täglich 118 Gänge. Das ist aber ein Luxus, der auch seine Schattenseite hat. Denn die 3000 Eunuchen bei Hofe erhalten dadurch Zugang zu intimsten Geheimnissen. Sie sind perfekt informierte unsichtbare Schattenwesen, die viel mehr kennen, als bloß die Speisefolge der Regentin. Und sie wollen ihren Anteil an dem ausufernden Luxus, mit dem sich Cixi umgibt.

Zu ihrem 60. Geburtstag lässt sich Cixi einen neuen Sommerpalast errichten, obwohl das Reich große finanzielle Probleme hat. War dieser Traumpalast vielleicht der Grund für die Katastrophe, die danach über China hereinbrach?

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