Die Macht des Wassers

Zwischen Meer und Küste tobt ein langer Krieg

Die meisten Wellen, die auf die Küsten treffen, wurden von Winden verursacht, die an weit entfernten Orten über den Ozean fegen. Dabei tragen sie gewaltige Energiemengen über Tausende von Kilometern über die Meere. Die Kräfte, die dabei freigesetzt werden, formen Küsten und zerstören das Land.

Flutwelle Quelle: ZDF

Wellen sind unglaubliche Energieträger, aber längst nicht die einzige Einflussmöglichkeit, über die Ozeane verfügen. Die Kraft, die Ebbe und Flut antreibt, stammt von unserem nächsten Nachbarn im Weltraum. Die Anziehungskraft des Mondes zerrt an den Wassermassen, während die Erde unter ihnen rotiert. Aber nicht immer beeinflusst der Mond allein die Gezeiten. An einigen Tagen im Jahr stehen Erde, Mond und Sonne auf einer geraden Linie. Dann ergänzen sich die Anziehungskräfte von Mond und Sonne und rufen im Amazonasbecken ein ganz außergewöhnliches Phänomen hervor. Beobachten kann man dieses Naturereignis vor allem dort, wo das Flusssystem des Amazonas auf den Atlantischen Ozean trifft.

Flutwelle am Amazonas Quelle: ZDF

Superwellen am Amazonas

Unter dem Einfluss von Sonne und Mond werden enorme Wassermassen vom Atlantik in Richtung des Amazonasbeckens gedrückt. Das Becken wird immer flacher und die aufgestauten Wogen vereinigen sich zu einer einzigen gigantischen Flutwelle. Der Begriff "Flutwelle" erhält hier allerdings eine völlig neue Bedeutung. Mit rund 40 Kilometern pro Stunde saust der Gigant gegen die Fließrichtung den Strom hinauf. Um die 400.000 Kubikmeter Wasser bewegt die Riesenwelle in jeder Minute. Das ist ungefähr vier Mal so viel Wasser wie in der gleichen Zeit die Niagarafälle hinunterstürzt. Solche Superwellen zeigen, wie viel Energie durch die Gezeiten freigesetzt wird. Allerdings ist die Macht des Wassers nicht überall für den Menschen so klar erkennbar wie am Amazonas.

Küstenstreifen Quelle: ZDF

Manche Küsten halten den Angriffen der Brandungswellen länger stand, weil das Wasser hier auf besonders harten Fels trifft. An der Nordwestküste Amerikas gibt es einige der dramatischsten Küstenlinien der Welt, die die Aktivitäten des Meeres eindrucksvoll dokumentieren. Vor 12 Millionen Jahren sahen diese Küsten völlig anders aus. Aber im Laufe der Jahrmillionen tragen die Ozeane auch die festesten Gesteine ab und fressen sich weit in die Kontinente hinein. Und dieser Prozess wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Der ursprüngliche Verlauf lässt sich nur noch anhand von Felsnadeln die aus dem Wasser ragen erahnen.

Bodenerosion an englischer Küste Quelle: ZDF

Ganze Städte im Wasser

An der Küste Englands trifft das Meer auf weiches Gestein und Sand, so dass die Erosion sogar noch schneller voranschreitet. Hier geschehen die Veränderungen in Zeiträumen, die wir Menschen wahrnehmen können. Vor 500 Jahren war die Küste in der Grafschaft Norfolk einen Kilometer weiter im Meer. Ganze Städte sind schon im Wasser verschwunden. Letztlich wird die Küste völlig umgeformt werden. Dieser Prozess wird durch den steigenden Meeresspiegel, den die globale Erwärmung mit sich bringt, weiter beschleunigt. Das sind allerdings nur die offensichtlichen Zeugnisse der gewaltigen Macht des Meeres. Die Ozeane formten die Kontinente. Man könnte fast von einem Krieg zwischen Meer und Land sprechen - einem Krieg, der schon seit Milliarden von Jahren tobt.

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