Die Metropole am Edsin Gol

Stadt der verlorenen Schätze

Seit Wochen ist das Team auf Sven Hedins Spuren unterwegs. Die pausenlose Anspannung zehrt an der Kondition - und zerrt an den Nerven. Dann tauchen wie eine Erscheinung die halbversunkenen Bauwerke von Kharakhoto aus den Dünen auf.

Die Extremwüste verzeiht keinen Fehler und die bedrückenden Symbole des Todes sind unübersehbar. In der Nähe ragen merkwürdige Holzstümpfe aus dem Sand: die abgestorbenen Überreste eines Waldes.

Erster Hinweis auf die vor langer Zeit mächtige Stadt Kharakhoto. Ihr Name bedeutet: "Die schwarze Stadt" - das letzte Denkmal des mongolischen Reiches in China. Vor 650 Jahren ging die kosmopolitische Metropole am Edsin Gol unter, weil ihr die chinesischen Erzfeinde das Wasser abgruben. Viele Legenden ranken sich um das einst so prächtige Handelszentrum, das in seiner Blütezeit die Karawanen auf der Seidenstrasse kontrollierte.

Unermessliche Reichtümer

Die Geschichten erzählen von unermesslichen Reichtümern - vergraben von ihren Bewohnern, als sie Kharakhoto aufgeben mussten. Doch trotz ehrgeiziger Suchkampagnen von Archäologen und Abenteurern sind die Schätze nie entdeckt worden. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob sie nicht insgeheim geraubt wurden - oder nie existierten. Vielleicht liegen sie aber immer noch tief in der Erde verborgen. Überall kommen die Überreste der Vergangenheit ans Tageslicht.

Vielleicht wartet der sagenhafte Schatz irgendwo doch noch auf seinen glücklichen Finder. Die Chinesen hatten die unbotmäßige Festung belagert und ließen ihre Bewohner verdursten - die Stadt wurde zerstört und geplündert. Nachts sollen die Ruinen von den Geistern der Verdursteten heimgesucht werden. Und der ehemalige Fürst der Stadt spuke auf den zerstörten Mauern - so weiß der Volksglaube. Kharakhoto bleibt bis heute voller Geheimnis.

Wie ein Fremdkörper

Die Ankunft am Edsin Gol ist ein Schock: Der Fluss ist völlig ausgetrocknet. Vor 75 Jahren lag Hedins Karawanencamp noch an einem idyllischen Wasserlauf. Er führte so viel Wasser, dass der Forscher sofort eine Bootsfahrt unternahm.


Das Wasser des Flusses muss einen weiten Weg zurücklegen, wenn es bis in diese Oase gelangen soll. Es stammt von den bis zu 7000 Meter hohen Bergen am Rande der Wüste. Das Schmelzwasser aus den eisigen Schneefeldern und blau schimmernden Gletschern lieferte dem Edsin Gol immer währenden Nachschub - bis der Mensch es umgeleitet hat. Reißende Bäche durchströmen wilde Schluchten, bevor sie aus dem Gebirge in die Gobi und Taklamakan gelangen. In breitem Strom ergießt sich dann das Wasser wie ein Fremdkörper durch die Sandebenen.

Bitterarme Dörfer

In der Lop Wüste hat China seine Atomwaffenversuche durchgeführt. Viele Hundert Kilometer von jeglicher Zivilisation entfernt stößt man auf wagemutige Schatzsucher, die in der verstrahlten Erde wühlen. Es ist der Lockruf des Goldes - Inbegriff von Glück und Reichtum! Die jungen Goldgräber träumen davon, eines Tages heiraten zu können, das Haus der Eltern zu reparieren, ihr Kind in die Schule zu schicken. Dafür arbeiten sie hart, von früh bis spät, für 100 Euro im Monat. Doch viele von ihnen sehen ihre bitterarmen Dörfer nie wieder.

Das geförderte Erz müssen sie über 20 Kilometer weit zur Waschanlage transportieren. Tag und Nacht dreht sich unaufhörlich das Mahlwerk. Der leichtere Gesteinsstaub wird vom Wasser fortgespült - nur das edle Metall sammelt sich am Boden. Mit dieser Methode gewinnt man mit Glück sechs Gramm Gold aus einer Tonne Erz. Aber oft ist wochenlang alle Mühe vergebens. Doch für die Schürfer gibt es keine Alternative.

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