Die Minen der Pharaonen heute

Die blauen Steine der Pharaonen

Mit altem Dynamit aus der Zeit der russischen Besatzung und ohne Helm oder Sicherheitssystem riskieren die Arbeiter in den Minen ihr Leben.

Am Fuße des Minenberges residiert der älteste Lapishändler der Gegend. Hadschi Fais besitzt ein Haus am Rand der Siedlung. Schon seit 30 Jahren kauft und verkauft er das blaue Gold. Er gilt als Rupienmilliardär. Trotzdem verbringt er einen Großteil seiner Zeit in dieser staubigen Einöde. Seinem kundigen Blick entgeht keine Schwachstelle im Lapislazuli. Er sieht alle Kalkeinschlüsse und Unreinheiten, die den Wert des Minerals mindern. Um ihn festzustellen, leckt man den Stein an. Das ist das wichtigste Ritual im Lapishandel. Je blauer das Material, desto höher der Wert. Außerdem kann der Händler auf diese Weise auch noch feststellen, ob nicht mit Farbe nachgeholfen wurde. Gebot und Gegengebot werden nicht öffentlich ausgesprochen, sondern mit Fingerzeichen unter einem Tuch verhandelt. Auf diese Weise verliert niemand sein Gesicht, wenn die Meinungen zu weit auseinander gehen. Das Ritual des Feilschens ist mindestens genauso wichtig wie die Höhe des Preises.

Das Stollensystem

Die Stollen der Minen liegen mehr als 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Den größten Teil des Jahres sind sie von Schnee und Eis bedeckt. Daher können die Bergleute hier nur im Sommer arbeiten. Zu diesem Zweck haben sie beiderseits des reißenden Kokcha-Flusses eine kleine Siedlung errichtet. Tag für Tag klettern die Arbeiter 1000 Höhenmeter zu ihren Stollen hinauf. Jeden Winter reißen Lawinen Teile des Pfades in die Tiefe, und in jedem Frühjahr wird er gefährlicher. Der Stollen verzweigt sich in viele Gänge. Der älteste führt einen halben Kilometer tief in den Berg. Vom Ruß unzähliger Fackeln sind die Stollenwände schwarz gefärbt. Das Stollensystem erinnert an ein Labyrinth und führt tief hinunter in den Bauch der Erde. Bereits nach einem Fußmarsch von nur 500 Metern west nur noch das Licht der Petroleumlampen den Weg.

Die Sprengungen

Die Sprenglöcher werden mit einfachsten Mitteln geschlagen. Hier gibt es weder Helme noch Schutzkleidung, ganz zu schweigen von einer Belüftungsanlage. Der Schichtälteste verwaltet das Dynamit und die Zünder. Gesprengt wird mehrmals am Tag und wenn nötig auch in der Nacht. Die Dynamitstangen sind meist Vorräte aus der russischen Besatzungszeit. Sie werden zerbrochen und so zurechtgeklopft, dass sie in die Löcher passen. Die Zünder werden mit einem Holzpfropfen im Sprengloch fixiert. Metallteile könnten Funken schlagen und den überall herumliegenden Dynamitstaub entzünden.

Strapazen in der Gefahrenzone

Die Arbeit ist gefährlich und nicht gut bezahlt. Zwischen 50 und 300 Euro verdienen die Männer im Monat. Den Hauptgewinn streicht der jeweilige Machthaber der Region ein. Wird die Sprengladung gezündet, verbraucht die Explosion mit einem Schlag den gesamten Sauerstoff. Wer den Stollen nicht rechtzeitig verlässt, kann leicht ersticken. Dass es in den Bergwerken immer wieder zu Todesfällen kommt, erfährt man nur hinter vorgehaltener Hand. Nach dem Zünden haben die Männer nur 50 Sekunden, um der Detonation zu entgehen. Erst nach einer Stunde, wenn sich wieder genügend Atemluft im Stollen angesammelt hat, können sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Im fahlen Licht sammeln sie jeden verwendbaren Lapisbrocken aus dem Schmutz. Trotz der Staubschicht sehen sie genau, welche Steine verwertbar sind und welche nicht. Mit einfachen Tragen transportieren sie die Steine ab.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet