Die Minen von Limousin

Goldindustrie mit guter Infrastruktur

Abseits der großen Handelswege tief im Südwesten Frankreichs liegt das Limousin. Im großen Goldrätsel eine bisher wenig beachtete Randgegend des Keltenreichs. Dort wartet auf den Bergbauspezialisten Dr. Thomas Stöllner eine Überraschung.

Die Französin Beatrice Cauuet, ebenfalls Montanarchäologin, hat hier keltische Goldbergwerke entdeckt. Die Mineneingänge waren extrem schwer zu finden, berichtet Cauuet, zugewachsen von einem Urwald, oft auch verschüttet. Es war Knochenarbeit, sie freizulegen.

Reise in die Vergangenheit

Ein Volltreffer, an den Stöllner noch nicht so recht glauben mag. In der perfekten Bergmannsausrüstung von heute starten sie die Expedition in die einst nur von flackernden Kienspänen erhellte Finsternis, eine Reise in die Zeit vor 2500 Jahren. Der Stollen ist nicht gesichert. Die Archäologen vertrauen auf die Festigkeit des Gesteins. Die Spezialisten finden eine Rinne am Boden: ein Entwässerungskanal. Wasser im Stollen ist ein Problem, mit dem die Bergleute bis heute zu kämpfen haben.

Beatrice Cauuet hat bei ihren ersten Erkundungen viel Keramik ausgegraben. Sie datiert eindeutig in die Keltenzeit. Damit lassen sich auch die Abschlagspuren den keltischen Bergleuten zuschreiben, die hier unter heute unvorstellbaren Bedingungen Golderz abgebaut haben.

Ausgeklügelte Technik

Das Vordringen der Forscher wird durch immer stärker einsickerndes Wasser schwieriger und gefährlicher. Sie stoßen auf einen Sondierungsstollen, der nach wenigen Metern aufgegeben wurde. Vergeblich schlugen sich die Mineure durch das harte Gestein. Die erhoffte Goldader fanden sie hier nicht. Und auch die Montanarchäologen haben noch keine entdeckt. Die Kelten haben anscheinend ganze Arbeit geleistet und alles wertvolle aus dem Fels geschlagen. Wie ausgeklügelt muss die ihre Technik gewesen sein, um den schwierigen Goldbergbau hier im großen Stil betreiben zu können?

Eine weitere faszinierende Spur führt tief in die Wälder des Limousin: Eine Senke, 300 Meter lang und zehn Meter tief, entpuppt sich als "Goldgrube": Die Kelten haben hier Tagebau betrieben. Technisch zwar viel einfacher als die Arbeit im unterirdischen Stollen, extrem schwierig ist jedoch, die goldführende Erzader auszumachen. Das verlangt große geologische Kenntnisse. Eine Gesteinsprobe soll Auskunft geben, doch ob sie das begehrte Metall enthält, ist selbst für den Fachmann sehr schwer vorherzusagen. Das Gold ist in extrem geringen Konzentrationen im Erz eingeschlossen, mit dem bloßen Auge so gut wie nicht zu erkennen. Die Probe beinhaltet nur einen Hauch von Gold.

Immenser Hunger nach Gold

Welche Mühe, aber auch welches technische Know-how darin steckt, an das begehrte Material zu kommen, zeigen weitere Funde: Mühlsteine. Mit ihnen wurde das gebrochene Golderz gemahlen um an den reinen Goldstaub heranzukommen. Die Goldmühlen der Kelten stehen für eine hoch spezialisierte, arbeitsteilige Industrie, die den immensen Hunger nach dem seltenen Metall befriedigen musste.

Die Goldquelle ist zwar gefunden, trotzdem bleiben ungelöste Fragen. Die wohl wichtigste: Wie holten die Kelten das Gold aus dem Erz? Durch einfaches Auswaschen oder benutzten sie für die Goldscheidung einen komplizierten chemischen Prozess. Wer dieses Geheimnis kannte, hatte viel Macht. Die Druiden geraten dabei immer häufiger ins Visier der Forscher. Trugen die Priester ihre goldenen Sicheln als Zeichen des Wissens um die Mysterien der Goldverarbeitung? Damit wären sie die heimlichen Herrscher im Keltenreich gewesen, mächtiger als jeder Häuptling.

Ohne Rücksicht auf die Natur

Die Römer verwendeten Quecksilber. Ob die Kelten das gleiche Verfahren benutzten, um an das edle Metall zu kommen, liegt noch im Dunkeln. Klar ist hingegen, dass ihre Goldindustrie ohne Rücksicht auf die Natur produzierte. Entwaldete Landschaften und große ökologische Probleme waren schon damals der Preis für die Sucht nach dem "Stoff der Götter".

Aus der Goldschmelze machten die Kelten nicht nur phantastischen Schmuck. Sie übernahmen das Münzwesen von den Griechen und Römern und prägten bereits um 300 v. Chr. ihr eigenes Geld. Damit waren sie als erstes Volk in Mitteleuropa auf dem Weg zu einer Hochkultur. Die Münzen besitzen einen hohen Materialwert und eigneten sich deshalb ausgezeichnet, um Schätze zu horten.




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