Die minoische Eruption

Ungeklärte Fragen zum Schicksal der Inselbewohner

Robert Ballard, der Entdecker der "Titanic", und ein Team aus Wissenschaftlern wollen den ungeklärten Fragen des Vulkanausbruchs in der Bronzezeit auf den Grund gehen, der so genannten minoischen Eruption. In erster Linie brauchen die Forscher verlässliche Daten, um das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe einzuschätzen.

Minoisches Fresko

Die vulkanischen Ablagerungen auf dem Meeresboden sollen Aufschluss geben über die Stärke der Explosion. Und damit auch über die Folgen für das alte Thera und die umliegenden Inseln. Bislang nimmt die Thera-Explosion von 1645 vor Christus die 6 auf dem Vuklkanindex VEI ein. Ob die Einstufung zu niedrig ausfiel, will das Expeditionsteam vor Ort überprüfen. Dafür sollen tief im Meeresschlick Proben entnommen und ausgewertet werden.

Expedition in die Tiefe

Im Sommer 2006 dringt das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug "Hercules" in Regionen vor, in die kein Mensch mehr tauchen kann. Über ein mehr als drei Kilometer langes Kabel gelangen die Bilder in den Kontrollraum an Deck. Mit den Greifarmen der "Hercules" entnimmt das Forscherteam Ablagerungen und vermisst die vulkanischen Gesteinsformationen. Von dem Material erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über das tatsächliche Ausmaß der minoischen Eruption.


Als der Vulkan mit ungeheurer Wucht zerbarst, fielen die Magmakammern in sich zusammen. Bevor der Koloss in den Fluten versank, schleuderte er ungeheure Mengen Asche in die Stratosphäre. Das Schicksal der Inselbewohner lag lange im Dunkel. Niemand wusste, ob sich die minoische Bevölkerung rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Erst im 20. Jahrhundert entdeckten Archäologen auf Santorin verwertbare Hinweise. Der Grieche Spyridon Marinatos legte die bronzezeitliche Stadt Akrotiri im Jahr 1967 frei. Unmengen von Gegenständen schälte er aus dem Schutt. Das Highlight sind die ersten Spülklosetts der Weltgeschichte. Doch nirgendwo fand er ein Skelett.

Antike Spülklosetts

Blühende Wirtschaftsmacht

Dafür zeugen die prachtvollen Fresken vom Reichtum und dem luxuriösen Lebensstil der Siedler damals. Die Forscher glauben, dass die Minoer die Insel vor allem als Handelsniederlassung nutzten. Von Thera aus verschifften die geschickten Seefahrer Waren bis nach Ägypten und in den Vorderen Orient. Als blühende Wirtschaftsmacht unterhielten die Minoer eine stattliche Flotte. Mehr als 1000 Jahre beherrschten sie das östliche Mittelmeer. Bis die Natur um 1645 vor Christus unerbittlich zuschlug.

Dem archäologischen Befund zufolge konnten die Menschen die Insel verlassen. Zumindest haben Wissenschaftler weder konservierte Körper wie in Pompeji noch Skelette gefunden. Vielleicht deuteten die Minoer die Warnzeichen richtig und suchten Schutz auf Kreta, dem Sitz ihres Königs. Doch nachweislich stieß der Vulkan so viel glühendes Material aus, dass die Folgen des Ausbruchs weit über Thera hinaus reichten. Die Sedimente auf dem Meeresboden - ebenso wie der mächtige Krater - sprechen für einen außergewöhnlich hohen Wert auf dem Index.

Spielszene Menschen verlassen die Insel

Im Schatten des Vulkans

Vor der Stunde Null wohnten etwa 30.000 Menschen im Schatten des Vulkans. Familien, die Wein kultivierten, kleine Felder bestellten und Handel betrieben. Als der Feuerberg schließlich aktiv wurde, drohte zuerst den Bewohnern der nahe gelegenen Siedlung Akrotiri höchste Gefahr. Wie eine Glocke stülpten sich Tonnen von Lava und Asche über den blühenden Ort.

Ähnlich den Ruinen von Pompeji präsentiert sich die Stätte heute wie eine Momentaufnahme des Unglückstages. Der Nachwelt erlaubt sie wertvolle Einblicke in den Alltag der Bronzezeit. Eine Geisterstadt, in der es nicht einmal in den Wohnhäusern einen einzigen Hinweis auf Verletzte oder Tote gibt. Für Forscher noch immer ein Rätsel. Geblieben sind lediglich farbige Bildnisse - eindrucksvolle Porträts der Menschen, die einst dort wohnten und dann spurlos verschwanden.

Findige Fresken-Technik

Geologen gehen davon aus, dass der Gigant lange Zeit lautstark rumorte, bevor das glühende Gestein herausschoss. Zugleich sorgten seismische Aktivitäten für unterschiedlich starke Beben in der gesamten Region. Dass die Minoer um die ständige Bedrohung wussten, offenbart die Technik ihrer Fresken. Eine Mischung aus Feucht-Trocken-Malerei, die nicht nur leuchtende Farben garantiert, sondern auch massiven Erschütterungen standhält. So jedenfalls erklären Archäologen die findige Methode.

Ebenso stellten sie fest, dass die Treppenstufen bereits vor der Explosion zerbrachen. Ein weiteres Indiz, dass die Einheimischen ahnten, was auf sie zukam. Ebenso sprechen die vielen leeren Vorratskrüge eher für einen geplanten Abzug als für eine überstürzte Flucht der Bewohner. Die Hinweise lassen nur einen Schluss zu: Spätestens, als dunkle Rauchschwaden in den Himmel stiegen, verließen die Minoer die malerische Insel. Das bevorstehende Unheil werteten sie als Strafe der Götter. Der Anfang vom Ende.

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