Die Mumien von Casa Blanca

Jäger verlorener Schätze - Das Geheimnis der Wolkenmenschen

Savoys Bergsteiger sind unermüdlich auf der Suche nach einem intakten Felsgrab. Die Inka glaubten, die Chachapoya bestatteten ihre Toten in Felswänden, damit sie dem Reich des Kondors nahe sind, dem heiligen Vogel, der dem Sonnengott entgegen fliegt. Aus der Entfernung lenkt Savoy einen Bergsteiger zu einer weiß getünchten Kammer, die er Casa Blanca nennt.

Die Dachkonstruktion der Kammer ist eingestürzt, aber die Mumienbündel scheinen unberührt zu sein. Die einbalsamierten Toten sind in Tücher eingewickelt, mit einem Lattenrost geschützt und von Strohseilen umgürtet. Auffällig ist die kegelartige Form der Mumiensärge, in denen die Toten in Hockstellung sitzen.

Leben nach dem Tod

Aufgeschnittene Stroh-Bündel zeigen, dass auch Casa Blanca von Grabräubern heimgesucht wurde. Möglicherweise haben Inkakrieger als erste die Totenruhe gestört. Bergsteiger Richard macht auf einen Schaft mit sternförmiger Steinkeule aufmerksam, die nur Inka benutzten. Haben die Eroberer etwa die Sargkegel der Chachapoya zerstört und ihre eigenen Mumienbündel ins fremde Nest gelegt?

An einer Mumie ohne schützenden Kokon sieht man deutlich die Hockstellung, in die Verstorbene vor der Erstarrung gezwängt wurden. Die Mumifizierung war Teil der Begräbnisriten aller Anden-Kulturen. Die Indios glaubten an ein Leben nach dem Tod: aber nur, wenn der Körper unversehrt blieb.

Haltung eines Fötus

Im Dorfmuseum des Andenortes Leimebamba werden Chachapoya-Mumien aufbewahrt. Die Mumien-Expertin Sonja Guiellén meint: "Erst entnahm man den Leichen die inneren Organe. Dann wurden sie mit geheimen Pflanzensäften und Chemikalien einbalsamiert. So sind sie trotz der hohen Luftfeuchtigkeit erhalten geblieben. Sie haben die Haltung eines Fötus, der bereit ist zur Wiedergeburt."

Als wären sie mit einem letzten Schrei gestorben. Man glaubt, dass es sich in einigen Fällen um Geopferte handelt, die ihren Herren im Jenseits dienen sollten. Vielleicht flehten Mumien die Götter auch nur um Regen an.
Leider ist das Museum kaum mehr als ein Lagerraum für 200 Mumien. Aus Geldmangel konnten die delikaten Schätze bisher nicht wissenschaftlich untersucht werden. Auch eine genaue Datierung ist dadurch nicht möglich.

"Stadt der Toten"

Savoy erinnert sich daran, dass eine seiner Expeditions-Teams 1968 einen Ort entdeckten, den sie "Stadt der Toten" nannten. Es waren viele, aus Lehm gebaute Totenhäuser, tausend Meter über dem Utcubamba-Fluss. Sie fanden auch anthropomorphe Figuren, Mumiensärge in Menschenform, die aus Stroh und Lehm geformt waren.

Aber Savoy kam zu spät. Grabräuber hatten auch die Sarkophage der Chachapoya unwiederbringlich zerstört. Savoy setzte sich immer wieder für den Schutz des Kulturerbes Perus ein, aber das Land hat keine Mittel für die Überwachung abgelegener Gebiete.
Wenn die Toten an bestimmten Tagen im Jahr verehrt wurden, stieg man zu den Grabstellen hoch, nahm die Mumien heraus und stellte sie auf Kammern, damit sie über das Land schauen konnten, das sie einst beherrschten. Mit geschultem Blick bauten sie die Mausoleen immer an den eindrucksvollsten Plätzen.

Phallische Form

Die Lehmstatuen im Carajía-Canyon sind einzigartig in der Anden-Kultur. Nur adlige Chachapoya wurden so majestätisch beigesetzt. Die phallische Form der Sarkophage symbolisiert das Leben nach dem Tod. Aus einigen Figuren wachsen Zwillingsköpfe. Sie repräsentieren wahrscheinlich Diener oder Feinde der Toten.

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