Die Nase der Sphinx

Wer "entstellte" die Wächterin?

Spekulationen kursieren bis zum heutigen Tag über die Frage, wer das Gesicht der erhabenen Wächterin zerstörte. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Napoleon Bonaparte habe die Nase der Sphinx abschießen lassen.

Im Jahr 1797 fasste Napoleon den Plan, das Land am Nil zu erobern. Vor den Pyramiden gewann er eine legendäre Schlacht. Haben seine Kanoniere das Heiligtum der Pharaonen zerstört?

Respekt vor der Kultur

Der korsische General war von Ehrfurcht für die Vergangenheit des eroberten Landes beseelt. "Jahrtausende blicken auf uns herab", soll er beim Anblick der gewaltigen Monumente gesagt haben. Nicht nur Soldaten hat der Feldherr ins Land der Pharaonen gebracht, mit ihm reiste ein beeindruckender Stab von Künstlern und Wissenschaftlern. Sie hoben die ägyptische Antike aus dem Staub der Geschichte, sammelten zahllose Artefakte.


In Europa lösten ihre Entdeckungen eine beispiellose "Ägyptomanie" aus. Eine Zerstörung der Sphinx hätte Napoleon wohl kaum zugelassen. Die Zeichnungen seiner Künstler zeigen das Denkmal bereits ohne Nase. Das Ergebnis der Expedition ist die berühmte Description de L'Égypte. Das Original wird im Ägyptischen Museum in Berlin aufbewahrt. Ein Heer von Malern und Kupferstechern hat faszinierende Bilder einer versunkenen Kultur erschaffen.

Fanatischer Bilderstürmer

Ägyptologen glauben, dass ein strenggläubiger Derwisch namens Mohamed Saim el-Dahr der Sphinx die Nase abgeschlagen hat. Ein fanatischer Bilderstürmer, der Männer anheuerte, um religiöse Irrtümer zu berichtigen. Er kam zur Sphinx und stellte fest, dass man sie noch immer als Gott verehrte. Er verabscheute diesen Kult und zerstörte die Nase der Sphinx, um den Menschen zu zeigen, dass sie ein Stein und kein Gott war. Noch heute nennen die Araber die Sphinx "Abu-Hol": "Vater des Schreckens".

Experten für die Erkennung von Gesichtern versuchen diese Frage zu klären. Wissenschaftler vom Münchner Institut für Rechtsmedizin begutachten und vermessen eine Vielzahl von Fotos. Ihr Ziel ist es, den Grad an Ähnlichkeit zwischen der Sphinx und den beiden Pharaonen zu ermitteln. Bis ins Detail vergleichen die Forscher Gestalt und Größe individueller Merkmale. Chephrens Ohren könnten mit denen der Sphinx übereinstimmen, so die Experten. Bei Cheops dagegen ist die so genannte Außenohrleiste deutlich dicker und stärker eingerollt.

Ein unbekannter Dritter?

Doch die zweifelsfreie Aufklärung des Falls ist schwierig - zumal der Sphinx die Nase fehlt. Bis heute ist unklar, wie realistisch die altägyptischen Meister anatomische Details dargestellt haben. Zwar spricht auch die breite Unterkiefer-Partie eher für Chephren als für Cheops. Aber es könnte sich auch das Gesicht eines unbekannten Dritten im Antlitz der Sphinx verbergen, so das Ergebnis der Forscher. Noch immer hat die Sphinx ihr Geheimnis nicht preisgegeben.

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