Die Natur folgt nicht dem Drehbuch

Autorin Cristina Trebbi über kleinere und größere Katastrophen bei den Dreharbeiten

Wenn man vor dem Dreh immer wüsste, was alles passiert, würde man vielleicht gar nicht erst anfangen. Wir haben in Europa, Nord- Mittel- und Südamerika gedreht und überall warteten kleinere Katastrophen auf uns. Im Nachhinein lachen wir alle darüber, doch vor Ort, im strömenden Regen, war uns oft zum Weinen zumute.

Drehteam auf dem Amazonas
Drehteam auf dem Amazonas Quelle: ,ZDF/Axel Schmidt

Alles begann mit einem Erdrutsch in Peru. Wir waren auf dem Weg zu Kartoffelbauern, die hoch oben in den Anden Hunderte verschiedene Sorten anbauen. Doch wir saßen fest, an ein Weiterkommen war nicht zu denken. So klapperten wir mit Hilfe unserer Fahrer die Dörfer ab und suchten uns neue Komparsen. Wir fanden auch einen neuen Acker und konnten mit dem letzten Tageslicht doch noch wunderschöne Bilder drehen. Auch die Suche nach Alpacaherden war abenteuerlich. In über 5000 Metern begann es plötzlich zu hageln, unsere Autos blieben im Schlamm stecken. Es war bitterkalt und wir mussten unser ganzes Equipment auf Pferde umsatteln und zu Fuß die Herden suchen. Als wir die Tiere endlich gefunden hatten, ging die Kamera kaputt. Die Herden zogen weiter - ohne uns.

Veroren auf dem Amazonas

Bootsführer auf dem Amazonas
Bootsführer auf dem Amazonas Quelle: ,ZDF/Axel Schmidt

Nach langen, kalten Wochen in den Bergen durften wir dann endlich in wärmere Gegenden, zum Amazonas. Wir träumten von exotischen Vögeln, reifen Früchten und spektakulären Sonnenuntergängen. Was uns hingegen erwartete, waren Dauerregen, Moskitos und ein paar wackelige Boote. Diese hatten durchaus einen gewissen Charme - bis der Motor ausging und wir ohne Funkempfang eine ganze Weile auf dem Amazonas trieben. Keiner wusste, wo wir waren, wir erst recht nicht. Irgendwo an Land getrieben, schlugen wir uns mit Macheten zur nächsten Hütte durch. Und ich dachte nur, schlimmer kann es nicht mehr kommen.

Konnte es aber: Als wir nach Mittelamerika flogen, um die Landung des Kolumbus und seiner Männer in der "Neuen" Welt zu filmen, empfing man uns mit Schießereien - Unruhen in Honduras. Ein Weiterfahren oder Drehen war nur noch mit Polizeischutz erlaubt. Wir waren froh, keine politische Reportage drehen zu müssen, und freuten uns auf einen sonnigen Stranddreh mit ein paar unkomplizierten Tieren. Doch das Drehen mit Tieren ist auch so eine Sache für sich: Unser teuerstes Pferd wurde am Strand mitsamt unserem Konquistador von der Welle erfasst, brannte durch und musste einen Tag gesucht werden. Unser Papagei fraß sich durch den Holzkäfig und konnte in letzter Minute eingefangen werden. Und als uns dann auch die Schildkröte davonlief, da waren wir reif für den Drehschluss.

Schwer seekranker Kolumbus

Christopher Kolumbus (Spielszene)
Christopher Kolumbus (Spielszene)

So wandten wir uns den Schauspielern zu. Doch auch hier kamen unerwartet Probleme auf uns zu. Auf schwankenden Schiffen, mitten im Meer wechselte unser Kolumbus bedenklich seine Gesichtsfarbe. Er war seekrank - schwer seekrank. Und so müsste dieser Film eigentlich "Kolumbus kam nie bis nach Amerika" heißen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet