Die Opiumkriege

Ein Volk am Rande des Ruins

Abschottung gegen alles Fremde - fast 2000 Jahre lang funktioniert dieses politische Konzept perfekt. Aber dann betritt eine neue Macht die Bühne der Geschichte: das British Empire.

Englische Kriegs- und Handelsschiffe beherrschen die Weltmeere. Sie laufen auch das Reich der Mitte an. Denn China besitzt Tee - ein Luxusgut, auf das die Engländer versessen sind - und das sie mit kostbarem Silber aufwiegen.

Abhängigkeit durch Opium

Aber die Briten wollen nicht nur zahlen, sie wollen an den Chinesen auch verdienen. Sie verfallen auf eine raffinierte Marktstrategie: Sie machen ihre chinesischen Kunden von sich abhängig - mit Opium, das sie aus Indien einführen. Ein ganzes Volk wird süchtig gemacht. Mit verheerenden politischen Folgen. Sogar der Sohn Cixis, Zai Chun, schleicht als normaler Bürger verkleidet aus der Verbotenen Stadt, um sich in Opiumhöhlen zu berauschen.


Eunuchen organisieren die Ausflüge, um den zukünftigen Herrscher von sich abhängig zu machen. Für den kaiserlichen Nachwuchs ist es wie eine zweifache Flucht: Er flieht aus dem goldenen Käfig, in dem er ein Leben lang eingesperrt war und er flüchtet vor den politischen Aufgaben, die ungelöst bleiben. Mit seiner Vorliebe für Opium steht die kaiserliche Hoheit nicht allein da. 45 Millionen Chinesen ergeben sich dem Rausch - mehr als ein Zehntel der Bevölkerung.

Süßer Schlaf

Das Opium der Engländer erweist sich als Verkaufsschlager. Mehr als 5000 Kisten werden jährlich ins Land eingeführt und in Opiumhöhlen konsumiert - gegen den ausdrücklichen Befehl des Kaisers, aber unter reger Beteiligung seines Sohnes. Der süße Schlaf aus dem Saft der Mohnblume führt ein ganzes Volk an den Rand des Ruins.



In einem chinesischen Spielfilm wird eindrucksvoll gezeigt, wie der Kaiser mit drastischen Mitteln versucht, Land und Leute vor dem Ruin zu schützen. Er lässt riesige Opiummengen vernichten, um den drohenden Staatsbankrott in letzter Minute zu verhindern. Die kostbare Ware wird einfach ins Meer geschüttet. "Vernichtet das Opium, bevor es euch vernichtet!" Der Staat hat nicht nur kein Geld mehr, die Armee zu finanzieren. China hat auch keine kampffähigen Soldaten mehr. Durch den übermäßigen Opiumkonsum sind die Chinesen so geschwächt, dass sie nicht mehr kämpfen können.

Gelbe Gefahr

England ist bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das größte Drogenkartell der Weltgeschichte. Die vornehmen Kaufleute und Politiker sind Händler im großen Stil. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein, denn man sieht sich selbst als Opfer. Im Parlament ist man empört über die Vernichtung britischen Eigentums. "Die Gefährdung des freien Welthandels bedrohe das britische Empire", so die empörten Politiker. Plötzlich ist von "gelber Gefahr" die Rede.




Drei Opiumkriege führen die Engländer, um China zu zwingen, ihnen den Rauschgifthandel und die Einrichtung von Gesandtschaften zu gestatten. Unverständnis für die uralte chinesische Kultur und den Überlegenheitswahn des Abendlands sind die Grundlagen einer brutalen imperialistischen Politik, die vor nichts Halt macht.

Erinnerung an die Schreckensnacht

Bis heute erinnern die Ruinen des alten Sommerpalastes in Peking an die Nacht, in der das chinesische Kaiserreich fast unterging. Einzigartige Kunstschätze wurden nach Europa verschleppt oder zertrümmert. Ein Offizier schrieb damals aus Peking: "So etwas hat die Welt nicht mehr erlebt, seitdem die Barbaren Rom geplündert haben."



Mit der Einnahme Pekings 1860 steht das Schicksal der Dynastie auf Messers Schneide. Zwei Welten prallen aufeinander: der kulturelle Universalismus der Chinesen und der Universalismus des von Europa angestrebten Weltmarktes. Dem stehen Waffen und eine Wirtschaftsmacht zur Verfügung, denen China nichts entgegenzusetzen hat - das Kaiserreich ist zum Untergang verurteilt.

Absoluter Tiefpunkt

Die Dynastie der Mandschuren erreicht mit dieser Niederlage ihren absoluten Tiefpunkt. Der Herrscher verfällt in Depressionen und wird schwer krank. Er hat sein Land enttäuscht. Seine Ahnen haben sich von ihm abgewendet. Sein Glück hat ihn verlassen. Wer wird nach seinem Tod die Regierung weiterführen? Die Brüder des Kaisers bedrängen den todkranken Mann: Er soll ihnen die Regierungsgeschäfte übertragen. Aber der Kaiser zögert.

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