Die Orion-Theorie

Magisches Abbild des Firmaments

Seit Jahrtausenden zieht die Sphinx die großen Mysterien der Welt magisch an. Wohl keine Figur hat den menschlichen Geist mehr beflügelt als diese erste monumentale Skulptur der Menschheit.

Das Sternbild Orion Quelle: ZDF

In einem alten Buch, dem Corpus Hermeticum, soll der universelle Code verborgen sein, mit dem die Rätsel der Welt gelöst werden können. Urheber der "heiligen Schrift" soll Hermes Trismegistos sein - er gilt als Vater der Geheimlehren. Ein Mann, der nie gelebt hat.

Dem Himmel nachgebildet

Hermes' Anhänger sahen in ihm die menschliche Inkarnation des altägyptischen Thot, Gott der Schreibkunst, der Magie und der Wissenschaft. Skulpturen zeigen ihn als Pavian oder als Ibis - heilige Tiere im antiken Ägypten. Eine der ersten gedruckten Ausgaben des Corpus Hermeticum wird in Amsterdam aufbewahrt. Es sind Dialoge, die Hermes mit seinem Schüler Asklepios führt. "Was hier unten ist, ist gleich dem, was oben ist", so seine weltberühmten Worte. Über ihren Sinn haben Generationen von Denkern gerätselt. "Wusstest Du nicht, Asklepios, dass in Ägypten alles dem Himmel nachgebildet ist?"

Robert Bauval ist seit seiner Kindheit in Alexandria fasziniert vom Land der Pharaonen. Das Gleichnis des Hermes hat den Bauingenieur zu einer spektakulären Theorie inspiriert: Wollten die Architekten von Gizeh den Himmel auf Erden abbilden? Die Triebfeder der antiken Ägyptischen Zivilisation und jener Menschen, die diese Monumente errichtet haben, war der Glaube, dass der König nach seinem Tod für immer im Himmel leben würde. Daher ist es offensichtlich, dass diese Denkmäler etwas mit den Sternen zu tun haben, so Bauval. Mit dem Computer ist es möglich, den Himmel der Antike zu rekonstruieren und zu sehen, was die Menschen damals gesehen haben.

Himmlischer Masterplan?

Bauval begibt sich auf eine astronomische Zeitreise in die Vergangenheit. Für jeden Ort rund um den Globus und für jedes beliebige Datum können die Sternenkonstellationen heute errechnet werden. Bauval dreht den Zeiger der astronomischen Uhr zurück und macht am Himmel über Kairo eine verblüffende Entdeckung. In der Zeit um 10.500 vor Christus finden die Pyramiden ein magisches Abbild am Firmament. Die drei Gürtelsterne des Orion entsprechen in ihrer Anordnung genau den astronomisch präzise ausgerichteten Grabmälern der Pharaonen. Wurden die Weltwunder von Gizeh tatsächlich nach einem himmlischen Masterplan errichtet?

Blick ins Land der Lebenden

Das Sternbild des Orion nannten die Ägypter "Sahu" - es steht für Osiris, den Gott der Toten und der Wiedergeburt. Der Mythos erzählt, dass Osiris von seinem Bruder Seth ermordet wird. Seiner Schwester und Gemahlin Isis gelingt es, ihn noch einmal zu beleben. Sie empfängt von ihm einen Sohn - Horus, dieser besteigt den Thron der Lebenden. Sein Vater Osiris aber regiert über das Totenreich.


Bauval hat auch die Position der Sphinx genau untersucht. Hinter ihr im Westen liegt das Land der Toten. Ihr Blick aber geht nach Osten, ins Land der Lebenden. Seit jeher sind die Augen der Sphinx auf jenen Punkt am Horizont gerichtet, wo die Sonne zur Tagundnachtgleiche aufgeht. Jenes Sternbild, das hier im Frühling am Himmel steht, bestimmte nach dem Glauben der Ägypter das astrologische Zeitalter, so Bauval. Hat es irgendwann in der Morgenröte der Menschheit einen Zeitpunkt gegeben, an dem das Frühjahr im Zeichen des Löwen begann?

Kosmisches Ebenbild

Einmal im Jahr wandert unser Planet durch den gesamten Tierkreis. Doch die Position der Sternbilder zur Erde ändert sich im Laufe der Jahrtausende. Das liegt am Phänomen der so genannten Präzession. Fast unmerklich taumelt die Erde im All. So ist es zu erklären, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr am gleichen Ort nicht immer dasselbe Sternbild am Himmel erscheint.


In 26.000 Jahren kreiselt der blaue Planet einmal um seine Achse. Bauval rekonstruiert die Himmelskarten der Antike. Für das Jahr 10.500 vor Christus entdeckte er eine zweite Konstellation, die das "Rätsel in Stein" erklären könnte. In dieser Zeit geht die Sonne von Gizeh im Sternbild des Löwen auf. Die Sphinx blickt auf ihr kosmisches Ebenbild in den Sternen. "Was hier unten ist, ist gleich dem, was oben ist" - so die Botschaft des Hermes. Und zur selben Zeit bilden im Süden die drei Sterne des Oriongürtels den himmlischen Spiegel der Pyramiden.

Bauval glaubt, dass in Ägypten vor 12.500 Jahren eine unbekannte Zivilisation lebte, die ihrer Zeit weit voraus war. Mit ihrem Know-how sollen diese Menschen den Plan für Pyramiden und Sphinx erdacht haben. Doch erst 8000 Jahre später, zur Zeit der Pharaonen, hätten Ägypter über die Techniken verfügt, das Mammut-Projekt zu verwirklichen. Archäologische Beweise für Bauvals versunkenes Zivilisation gibt es nicht. Und ob die Baumeister der Pyramiden unsere heutigen Tierkreiszeichen bereits kannten, ist ungewiss. Die meisten Astronomen halten die Orion-Theorie für reines Blendwerk. Zieht man die Eigenbewegung der Sterne über die Jahrtausende mit ins Kalkül, stimmt die Konstellation der Gürtelsterne nicht mit den Pyramiden überein.

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