Die Pflanzen der Heiler

Bewährte Mittel aus dem Garten

Die Spanier vertrieben in der frühen Kolonialzeit die Nachfahren des Adels und der Maya-Ärzte aus den Städten. Da Aufzeichnungen im feuchtschwülen Klima schnell vermoderte, gaben die Nachfahren ihr Wissen mündlich von Generation zu Generation weiter.

Der Hamburger Sprachforscher Professor Ortwin Smailus ist oft im Dschungel von Quintana Roo von Yucatan unterwegs. Er spricht perfekt Maya. In alten Schriften sucht er nach Hinweisen auf die medizinischen Kenntnisse der Maya und hält engen Kontakt zu den einheimischen Heilkundigen.

Wie vor Jahrhunderten

Jetzt ist er zum alten Heiler Amundio unterwegs. Viele Maya-Dörfer sind nur über Feldwege mit der Außenwelt verbunden. Hier hat sich gelegentlich noch altes Heilwissen durch mündliche Überlieferung erhalten. In vielen Hütten wird hier noch heute gelebt und gekocht wie vor Jahrhunderten.


Ortwin Smailus zeigt dem Heiler von ihm übersetzte Schriften aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurden von Mönchen nach dem Massaker von Mani verfasst. Nicht zum ersten Mal kann der alte Mann dem Professor bei der Übersetzung der Texte helfen.

Mittel gegen Husten

Während das Kochen Sache der Frauen ist, ist die Zubereitung von Medizin Aufgabe Amundios. Etwas Ruß oder Dreck vom Dachbalken, Zitronengras und einige andere uns unbekannte Zutaten - ein Rezept von Amundio als Mittel gegen Husten.


Es braucht oft Jahre behutsamen Kontaktes, bis Heiler ihre medizinischen Kenntnisse offenbaren - wenn sie es überhaupt tun. Wissenschaftler müssen immer wieder die alten Männer besuchen, bis diese Vertrauen fassen. Doch sie hoffen darauf, dass Forscher wie Ortwin Smailus das mündlich überlieferte Heilwissen aufzeichnen und somit bewahren. Ihre Kinder scheuen längst diese Mühe.

Garten als Apotheke

Die Gärten in den abgelegenen Mayadörfern sind die reinsten Apotheken. Majorga, Pedilanthus Tithymaloides, das "Rückgrat des Teufels", ist giftig, wird aber gegen Kopfschmerzen verwendet. Eine andere Pflanze soll sogar Krebserkrankungen vorbeugen. Doch die zugesprochenen Wirkungen sind nur in den seltensten Fällen wissenschaftlich belegt. X-Canan Hamelia patens: Maya empfehlen diese Pflanzen für Bäder, die gegen Hauttumore helfen sollen.

Abseits aller Wege

Amundio zeigt einen Baum, dessen Rinde und Blätter er als Medizin verwendet: es ist eine Nanche. Die Blüte dieses Baumes ist auch am Sarkophag in der Gruft des großen Königs Pakal von Palenque abgebildet. Keine Rezeptpflicht für den Medizinbaum, keine Gebühren, keine Kosten, die Medizin vom Dorfbaum gibt es umsonst. Es ist nicht nur eine Nahrungspflanze, ihre Blätter dienen auch als Aufguss. Wenn es äußerlich verwendet wird gegen Juckreiz, wenn es getrunken wird, gegen Erkältungen.


Amundio zeigt noch eine andere Pflanze. Aber die wächst nur abseits aller Wege. Die Medizinpflanze, behauptet Amundio, haben schon seine Urahnen verwendet. Es ist k'ambalhaw, Dorstenia contrajerva, die Pflanze gegen Schlangengifte, Smailus kennt sie aus alten Schriften. Man kann sie aber auch als Mittel bei Erbrechen geben oder pulverisiert in Verbindung mit Guaco und anderen Arzneipflanzen, bei Magenschmerzen, meint Amundio. Er habe sie schon oft angewandt. Es sei ein bewährtes Mittel. Zeigen solche Pflanzen auch in der Laboruntersuchung wirksame Inhaltsstoffe?

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